# taz.de -- Größter Waldbrand in NRW-Geschichte: Beispiellose Brände
> Die Feuer in Nordrhein-Westfalen und Belgien zerstören einzigartige
> Torf-, Moor und Heidegebiete. SPD-Bundesminister*innen fordern einen
> Aktionsplan gegen Hitze.
(IMG) Bild: Große Rauchwolke, kleines Feuerwehrauto: Im Hochmoor- und Sumpflandschaft Hohe Venn nahe der deutschen Grenze brennt es
Es war ein Wochenende voll Flammen. Knapp 50 Kilometer Luftlinie trennen
die Brandherde im Eifel-Ort Hürtgenwald bei Düren vom Hohen Venn kurz
hinter der belgischen Grenze. Bei Ersterem handelte es sich um den größten
Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens, der seit Donnerstag 1.800
Rettungskräfte auf Trab hielt.
Inzwischen ist er unter Kontrolle, wenn auch bisher nicht vollständig
gelöscht. Die evakuierten Bewohner*innen im Ortsteil Gey konnten am
Samstagabend in ihre Häuser zurückkehren. Sie waren am Freitag bei äußerst
ungünstigen Löschbedingungen mit starken und drehenden Winden zu retten
versucht worden.
Währenddessen brach im Naturgebiet Hohes Venn, das sich [1][beiderseits der
Grenze zu Belgien] erstreckt, der zweite Brand aus. Er griff so schnell um
sich, dass er bis Sonntag eine Fläche von 3.000 Hektar auf der belgischen
Seite erfasste, wie die zuständige Provinz Liège mitteilte. Das entspricht
ungefähr 4.200 Fußballfeldern. Die in der Region erscheinende
deutschsprachige Zeitung Grenzecho sprach von einem „bislang in Belgien
beispiellosen Ausmaß“.
## Feuerfront von einem Kilometer
Die ein Kilometer breite Feuerfront dehnte sich im Laufe des Wochenendes
vom Wind angefacht bis kurz vor die deutsche Grenze aus. Am Sonntagmittag
war sie nur noch anderthalb Kilometer entfernt. Schon am Samstag waren
mehrere Hundert Personen in zwei belgischen Grenzkommunen vorsorglich
evakuiert worden.
Auch die gleich hinter der Grenze gelegene Stadt Monschau rief die
Bewohner*innen mehrerer Quartiere abends auf, sich für eine Evakuierung
bereitzuhalten. Weil sich das Feuer am Sonntagnachmittag nicht mehr weiter
nach Osten bewegte, gab es dazu bis Redaktionsschluss allerdings keine
weitere Veranlassung.
Dafür wird den etwa 5.000 Menschen in den Stadtteilen Mützenich und
Kalterherberg empfohlen, diese wegen gesundheitsschädlicher
Rauchentwicklung zu verlassen. Die Stadt Monschau warnt vor einer „starken
Belastung durch Brandrauch“, weswegen sie „Einwohnenden der grenznahen
Bereiche“ eine Anlaufstelle zur Verfügung stellt. Auch in großen Teilen der
belgischen Region Wallonien sei „die Luftqualität momentan durch hohe
Feinstaubkonzentration sehr schlecht“, teilt die Interregionale
Umweltagentur (IRCEL) mit.
## Wind erschwert das Löschen
Auch am Sonntag erschwerten zwei Faktoren die Löscharbeiten im Hohen Venn:
der nach einer ruhigeren Nacht wieder auflebende Wind und die
Unzugänglichkeit des Geländes. Für herkömmliche Löschfahrzeuge sind die
Brandherde in dem [2][Moor- und Heidegebiet] teils kaum erreichbar, weshalb
dort vor allem mit Hubschraubern gelöscht wird. Am Sonntag wurde auf eine
bevorstehende Unterstützung durch schwedische Löschflugzeuge gehofft, auch
niederländische und deutsche Teams sind bereits im Einsatz.
Richard Kraai, Mitglied eines niederländischen Helikopterteams, sagte dem
deutschsprachigen belgischen Sender BRF, vor allem die Ausmaße des Feuers
machten das Löschen schwierig. Der Brand im Hohen Venn, der auch Torf
erfasst hat, ist etwa zehnmal größer als der im Hürtgenwald. Die starke
Rauchentwicklung macht die Lage zusätzlich komplex: Am Sonntagmorgen
verzögerte sich der Beginn der Löscheinsätze deshalb.
Welchen Schaden der Brand für das einzigartige Hochmoorgebiet des Hohen
Venns bedeutet, ist derzeit noch nicht absehbar. Die Landschaft ist in
Mitteleuropa einzigartig. Das Feuer war bisher nicht unter Kontrolle, ein
erneut drehender Wind und die östlich anschließenden Wälder könnten auch
für Nordrhein-Westfalen eine konkretere Gefahr bedeuten.
## SPD will Aktionsplan gegen Hitze
In manchen westlichen Teilen des Bundeslands lag vor allem zu Beginn des
Wochenendes ein Brandgeruch in der Luft, über das Rheinland zog eine
Rauchwolke, Notrufnummern waren überlastet. Inzwischen ist aus dem
Hürtgenwald keine Gefahr mehr zu erwarten. Der Kreis Düren gibt an, man
habe das betroffene Gebiet mit einer drei Meter breiten Schneise
eingegrenzt, nun gehe es darum, „Glutnester einzudämmen“. Die
Einwohner*innen von Gey sind mit dem Schrecken davongekommen.
Unterdessen gab es in mehreren Regionen Nordrhein-Westfalens in den letzten
Tagen kleinere Wald- und Naturbrände, und die rekordtiefen Rheinpegel und
trockenliegende Ufer erinnern daran, dass es sich um ein so dringliches wie
strukturelles Problem handelt. Die SPD-Bundesminister*innen fordern daher
einen nationalen Aktionsplan gegen Hitze.
„Die Folgen des Klimawandels treffen die Menschen weltweit und immer
häufiger auch uns in Deutschland. Aktuell [3][vor allem Hitze,] [4][Dürre],
[5][Waldbrände] und [6][Niedrigwasser] – aber auch Starkregen, Hochwasser,
Wasserknappheit oder Belastung durch UV-Strahlen“, zitiert der Spiegel aus
einem vierseitigen Papier. „Klimaanpasung und Naturschutz“ sollen noch in
der laufenden Legislaturperiode als gemeinschaftliche Aufgabe im
Grundgesetz verankert werden – ein Vorschlag, den die
Koalitionspartnerinnen CDU und CSU bislang zurückweisen.
16 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Tobias Müller
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