# taz.de -- Waldbrände in Europa: Und nach der Hitze?
       
       > Spektakuläre Brände liefern dankbare Bilder für Medien. Doch das
       > Interesse sollte nicht aufhören, wenn es mal nicht brennt.
       
 (IMG) Bild: Nach dem Brand kommt die Natur wieder
       
       In ein paar Wochen wird die Hitze in Deutschland vorbei und auch der letzte
       Brand gelöscht sein. In Südeuropa wird es noch ein paar Wochen länger
       dauern, bis spätestens im Oktober auch dort hitze- und feuermäßig Ruhe
       eingekehrt.
       
       Gleichzeitig wird – und das ist so sicher wie das deutsche nasskalte
       Herbstwetter – das Interesse von Medien und Politik zurückgehen. Was gut
       daran ist: Politiker [1][wie der SPD-Fraktionsgeschäftsführer Dirk Wiese]
       behelligen die Öffentlichkeit dann nicht mehr mit überflüssigen
       Wortmeldungen, die nur dazu dienen, auch noch mal was zum Thema gesagt zu
       haben. Gerade fordert Wiese höhere Strafen für Brandstifter. Doch da muss
       gar nichts verschärft werden; auf vorsätzliche Brandstiftung können jetzt
       schon hohe Freiheitsstrafen verhängt werden.
       
       Was aber schlecht daran ist: Die globale Erwärmung mit ihren
       offensichtlichsten Auswirkungen wie gesundheitsgefährdenden Hitzewellen,
       dürrebedingten Missernten und großflächigen Waldbränden wird für den
       Großteil des Jahres wieder aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit
       verschwinden. Trotz Klimakatastrophe bleibt Hitze in unseren Breitengraden
       auf wenige Monate beschränkt, und einen milden Dezember empfindet der
       Mensch als weniger bedrohlich als 39 Grad heiße Juli-Tage. Nur ist die
       Häufung von zu milden – oder stürmischen – Wintermonaten genauso eine Folge
       der globalen Erderwärmung.
       
       Dazu kommen mediale Logiken, die durch Social Media und die Tendenz zu
       „emotionalen“ Bildern verstärkt werden. Luftaufnahmen von brennenden
       Wäldern mit dramatischen Rauchsäulen, Interviews mit abgekämpften
       Feuerwehrleuten und verzweifelten Menschen, die vor ihrem abgebrannten Haus
       stehen, sind eher TV-tauglich als scheinbar unspektakuläre Bilder von der
       „Zeit danach“.
       
       ## Wie sieht ein abgebrannter Wald aus?
       
       Dabei erzählen diese Bilder und Geschichten genauso eindrücklich, was die
       globale Erwärmung anrichtet: Wie sieht so ein abgebrannter Wald im Winter
       eigentlich aus? Wie regeneriert er sich, regeneriert er sich überhaupt? Wie
       geht es der Familie, die im Sommer ihr Haus verlor? Wie bereiten sich
       Altenheime auf den nächsten Sommer vor? Davon ist, Jahr für Jahr, medial zu
       wenig bis gar nichts zu sehen – obwohl das alles dankbare Themen für
       journalistische Kreativität sind.
       
       Politiker:innen sollten ihre klima- und hitzepolitischen Anstrengungen
       nicht auf die wenigen Sommermonate beschränken. [2][SPD-Umweltminister
       Carsten Schneider kann seinen vernünftigen Vorschlag], den Hitzeschutz als
       Gemeinschaftsaufgabe ins Grundgesetz zu schreiben, gern noch mal im Winter
       wiederholen – wie antizyklisches Verhalten von Politik und Medien bei dem
       Thema generell dringend nötig ist: Die Klimakrise macht nicht Pause, nur
       weil gerade Winter ist und der weniger quotenträchtige Bilder liefert.
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.deutschlandfunk.de/spd-parlamentsgeschaeftsfuehrer-wiese-schlaegt-strafverschaerfung-fuer-brandstiftung-vor-106.html
 (DIR) [2] /Susanne-Schwarz-ueber-SPD-Hitzeprogramm/!6204577
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gunnar Hinck
       
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