# taz.de -- Extremwetter in Griechenland: Zwischen Feuerinferno und Starkregen
       
       > Auf der Insel Salamis sind zwei Menschen im Feuer gestorben. In anderen
       > Teilen Griechenlands werden Menschen wegen Regen aus ihren Autos
       > gerettet.
       
 (IMG) Bild: Keine Entwarnung für die Feuer in ganz Griechenland – trotz des Starkregens an manchen Orten
       
       Gemeinsam im Leben, gemeinsam im Tod. In den Flammen starb am Sonntag ein
       älteres Ehepaar auf der griechischen Insel Salamis. Ihm wurde ein
       [1][Waldbrand] zum Verhängnis, der mutmaßlich an einer großen wilden
       Müllkippe unweit seines Hauses ausbrach. Wie die griechische Feuerwehr
       erklärte, handele es sich bei den gefundenen verkohlten Leichen um ein
       Paar, das ums Leben gekommen sei, bevor die Löschkräfte „am Ort des
       Geschehens eintreffen konnten“.
       
       „Hektor und Dimitra wollten den Rest ihres Lebens hier verbringen. Leider
       hatten sie das Glück nicht“, sagte der Nachbar der Brandopfer, Angelos
       Hatzis, und auch renommierter Choreograf der Nationaloper in Athen. „Das
       Paradoxe ist, dass ich erst vor einer Woche aus Odessa in der Ukraine
       zurückgekommen bin. Ich war beruflich dort und bin aus Odessa geflohen,
       weil es von den Russen bombardiert wurde. Nun bin ich hier, meine Nachbarn
       sind tot und mein Haus ist zerstört“, sagte er am Unglücksort.
       
       Salamis, die größte Insel des Saronischen Golfs, liegt zwei Kilometer von
       der attischen Küste entfernt. Die felsige und bergige Insel ist mit
       Aleppo-Kiefern bewachsen. [2][Kiefern sind wegen ihres Gehalts an
       ätherischen Ölen und Harzen leicht brennbar]. Trockene Nadeln am Boden und
       tief hängende Kronen wirken als Brandbeschleuniger.
       
       Der verheerende Waldbrand auf Salamis brach am Sonntagnachmittag fast
       zeitgleich an zwei Stellen in der Nähe beliebter Badestrände im Süden im
       Ort Peristeria und im Osten im Ort Selenia aus. Starke Winde fachten die
       Feuer an und erschwerten zudem die Löscharbeiten, insbesondere aus der
       Luft. Gegen die tobenden Feuer waren vier Löschflugzeuge und sechs
       Hubschrauber im Einsatz, rund 150 Feuerwehrleute sowie freiwillige Helfer
       operierten am Boden.
       
       ## Ein Bild der Verwüstung
       
       Auf Salamis befanden sich unmittelbar nach dem hierzulande offiziellen
       Feiertag Mariä Himmelfahrt tausende Urlauber. Die sich rasant ausbreitende
       Feuersbrunst habe auf der Insel geradezu eine „Panikstimmung“ ausgelöst,
       wie griechische Medien berichteten. Auf den Straßen von Salamis bildeten
       sich Staus. Badegäste und Bewohner mussten in Sicherheit gebracht werden.
       
       Vier Boote der griechischen Küstenwache, ein Schnellboot der Feuerwehr,
       Passagier- und Fahrzeugfähren sowie Privatboote waren dabei im Einsatz. Bis
       zum Sonntagabend seien 593 Personen in Sicherheit gebracht worden, wie die
       griechische Küstenwache bekanntgab. Dutzende Personen erlitten
       Verbrennungen. Darunter befindet sich eine Frau mit Verbrennungen zweiten
       Grades an 25 Prozent der Körperoberfläche.
       
       Salamis bot am Montagmorgen ein Bild der Verwüstung. Die Feuerwalze hat auf
       ihrem zerstörerischen Weg Dutzende Wohnhäuser, Gewerbeflächen, Autos sowie
       Agrarflächen beschädigt. Auf einem Großteil der Insel ist die Wasser- und
       Stromversorgung unterbrochen. Ein Saal im Rathaus ist zur Unterbringung von
       Evakuierten bereitgestellt. Das Rote Kreuz stellt Essen und Wasser bereit.
       Der Löscheinsatz auf Salamis ging am Montag weiter. Gekämpft wird jedoch
       nur noch gegen vereinzelte Brandherde.
       
       ## „Der Sommer des (Feuer-)Schreckens“
       
       Auch an anderen Orten in Hellas brannte es am Wochenende. Auf der
       Ägäisinsel Skyros brach am Samstag in einem dichten Kiefernwald in der
       Region Atsitsa ein Brand aus. Eine Fläche von 363 Hektar wurde laut
       Satellitendaten des Europäischen Waldbrandinformationssystems (Effis) in
       Asche verwandelt. Zuvor hatte ein am 13. August ausgebrochener großer
       Waldbrand im Ort Siviri auf der nordgriechischen Halbinsel Chalkidiki eine
       Fläche von 248 Hektar verbrannt. 481 Personen mussten dort evakuiert
       werden. Zuletzt richteten [3][Waldbrände im Großraum Athen] sowie auf
       [4][Kreta] gewaltige Zerstörungen an.
       
       Insgesamt zehn Menschen sind seit Juni in den Feuerinfernos in Griechenland
       ums Leben gekommen. „Der Sommer des (Feuer-)Schreckens“, titelte die
       Athener Tageszeitung Apogevmatini in ihrer Montagsausgabe.
       
       Demgegenüber kam es in der Region Ost-Mani im Süden der Halbinsel
       Peloponnes am Samstag zu monsunartigen Regenfällen. Während des
       zweistündigen Starkregens fielen etwa 1.400 Tonnen Wasser pro Hektar. Das
       ist etwa ein Viertel der Niederschlagsmenge, die in der Region Ost-Mani im
       Laufe eines ganzen Jahres fällt. Straßen verwandelten sich in reißende
       Ströme. Ein 44-Jähriger saß während des Unwetters in seinem Fahrzeug fest,
       bis er mithilfe von Anwohnern aus seinem Fahrzeug befreit werden konnte.
       „Einen derart heftigen Regen hat es hier noch nie gegeben“, berichteten
       Augenzeugen.
       
       An der Feuerfront steht wiederum fest: Im laufenden Jahr wurden laut dem
       europäischen Waldbrandinformationssystem (Effis) in Griechenland bisher
       30.797 Hektar durch 36 größere Brände zerstört. In den fünf Jahren von 2021
       bis einschließlich 2025 beläuft sich die in Hellas verbrannte Fläche auf
       enorme 417.764 Hektar. Das entspricht 4.177 Quadratkilometern oder der
       Gesamtfläche der drei Bundesländer Saarland, Berlin und Hamburg.
       Fortsetzung folgt. Denn der August, der gefährlichste Monat der hiesigen
       Waldbrandsaison, ist noch längst nicht zu Ende.
       
       17 Aug 2026
       
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