# taz.de -- Waldbrand in Belgien: Die Löscharbeiten vor dem Wind
> Im belgischen Naturschutzgebiet Hohes Venn hat ein Waldbrand am
> Wochenende 3.000 Hektar vernichtet. Regen hat beim Löschen geholfen. Doch
> jetzt kommt der Wind.
(IMG) Bild: Am Sonntagabend waren die nahen Flammen im Hohen Venn von Monschau-Kalterherberg aus gut zu sehen
„Chaotisch und schlaflos“ – so beschreibt Claudia Weißensee die vergangenen
beiden Nächte. Die 58-Jährige lebt in Kalterherberg, einem südwestlich
gelegenen Stadtteil von Monschau kurz vor der Grenze zu Belgien. Nur wenige
Kilometer entfernt brennt es im Nachbarland – im Naturschutzgebiet Hohes
Venn. [1][Seit Freitag wurden mehr als 3.000 Hektar Fläche vernichtet.]
Wie nah das Feuer ihrer Wohnung gekommen ist, zeigt Weißensee auf ihrem
Handy. Fotos der vergangenen Abende zeigen am Horizont eine leuchtende
Feuerlinie. Besonders am Sonntagabend sei der Brand deutlich zu sehen
gewesen. „Die Flammen waren höher, die Farben intensiver“, sagt sie.
Tagsüber sind es vor allem die Rauchschwaden über der Landschaft, die
Weißensee von hier aus sieht.
Für die Menschen in Kalterherberg änderte sich die Lage am Sonntag
mehrfach. Am Vormittag hieß es zunächst, der Stadtteil müsse möglicherweise
geräumt werden. Am Nachmittag folgte Entwarnung – vorerst. Doch [2][am
Abend rückte das Feuer auf belgischer Seite erneut so nah an die deutsche
Grenze heran], dass rund 30 Menschen ihre Häuser verlassen mussten.
Betroffen waren die Straßenzüge Ruitzhof und Geisberg.
Weißensee selbst musste nicht [3][evakuiert] werden. Trotzdem veränderte
die Räumung in ihrer unmittelbaren Umgebung ihren Blick auf die Situation.
„Vorher waren es nur Richtlinien, aber jetzt musste man handeln“, sagt sie.
Innerhalb einer halben Stunde sei die Umgebung voller Einsatzkräfte
gewesen: Katastrophenschutz, Feuerwehr, Fahrzeuge für die Wasserversorgung.
„Es ist gigantisch“, sagt Weißensee.
## Regen unterstützt die Löscharbeiten
Auch am Montag ist die angespannte Lage in Kalterherberg deutlich
wahrzunehmen. Vor der Feuerwehrwache stehen Fahrzeuge von Feuerwehr,
Polizei und Technischem Hilfswerk. Der Regen am Morgen habe die
Löscharbeiten zwar unterstützt, zugleich aber den Rauch verstärkt. Anwohner
und Touristen in Monschau berichten von starkem Brandgeruch.
Einer von ihnen ist Guido Mannheims. Er arbeitet am Montagvormittag in der
Monschauer Altstadt, dem touristischen Zentrum der Stadt. Dort ist von der
Aufregung in den höher gelegenen Ortsteilen weniger zu spüren. „Hier in der
Altstadt sind wir beruhigt“, sagt Mannheims.
Für die evakuierten Bewohner von Kalterherberg gibt es dagegen zunächst
keine Entwarnung. Sie können am Montag noch nicht in ihre Häuser
zurückkehren. Die Brandlage sei unverändert, sagte Monschaus
Bürgermeisterin Carmen Krämer (parteilos) bei einer Pressekonferenz. Der
Regen am Morgen habe zwar etwas geholfen, zum Löschen des Feuers sei er
jedoch bei Weitem nicht ausreichend gewesen. Oberste Priorität sei,
niemanden in Gefahr zu bringen.
Der Leiter der Monschauer Feuerwehr Philipp Krüger sagte, die Einsatzkräfte
beobachteten die Lage fortlaufend. Mitarbeiter überflögen das betroffene
Gebiet und lokalisierten mithilfe einer Spezialkamera einzelne Brandherde.
Derzeit unterstützen rund 60 Feuerwehrleute aus Monschau die belgischen
Einsatzkräfte bei den Löscharbeiten. Vor Ort werde unter anderem mit
Schläuchen gearbeitet. Der Einsatz sei körperlich sehr belastend, weshalb
das Personal regelmäßig ausgetauscht werden müsse, sagte Krüger. Wie
kräftezehrend die Arbeit ist, zeigte auch dieser Zwischenfall: Eine
Einsatzkraft der Freiwilligen Feuerwehr aus Eschweiler wurde mit Verdacht
auf einen Herzinfarkt in ein Krankenhaus gebracht.
## Neues Problem: Der Dienstag soll Wind bringen
Krüger richtet seinen Blick bereits auf Dienstag. Denn es werden starke
Winde und einzelne kräftige Böen aus Südwest erwartet. Das sei eine „ganz
neue Lage“, auf die man sich nun vorbereite. Mit weiteren Evakuierungen in
Monschau oder den umliegenden Dörfern rechne er derzeit dennoch nicht. Die
Brandfront liege momentan etwa zwei Kilometer von der deutschen Grenze
entfernt.
Trotzdem bleibt Weißensees Notfalltasche gepackt. Ein solches Feuer könne
auch etwas Befreiendes haben, sagt sie. Beim Gang durch ihr Haus habe sie
plötzlich anders auf viele Dinge geblickt, von denen sie lange dachte, sie
seien wichtig. In ihre Notfalltasche packte Weißensee ein paar
Kleidungsstücke und wichtige Unterlagen. Die lagert nun in ihrem Wohnmobil.
Viel mehr, sagt sie, brauche es am Ende vielleicht gar nicht.
18 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Laura Verseck
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