# taz.de -- „Volksbad“ der Volksbühne: Verstörender Paternalismus
> Die Idee der Volksbühne, ihr Freibad nur für Schwarze Menschen zu öffnen,
> war verständlich, die Kritik daneben. Doch ein Beigeschmack bleibt.
(IMG) Bild: Jetzt auch Bademeister: Matthias Lilienthal
Als die Berliner Volksbühne in der vergangenen Woche ankündigte, ihr
temporäres kleines Schwimmbad für einen Nachmittag exklusiv für Menschen
mit schwarzer Hautfarbe zu öffnen, war das Drehbuch praktisch schon
geschrieben. Es dauerte nicht lange, bis CDU-KommunalpolitikerInnen
reichlich erwartbar und scheinheilig von „Diskriminierung“ sprachen –
[1][sie durften als Weiße nicht rein] und fühlten sich angeblich
ausgeschlossen. Und dass Alice Weidel ausgerechnet das Wort „Apartheid“
fallen ließ, hätte auch von einer kulturkämpferisch rechtsradikal
gespeisten KI stammen können.
Aber auch die Reaktionen von links waren erwartbar: Natürlich war demnach
jedwede Kritik am Konzept rassistisch, und eine rechtsradikale Hetzkampagne
habe schließlich die „Safe-Space“-Aktion verhindert.
Doch man tritt Volksbühnen-Intendant Matthias Lilienthal nicht zu nahe mit
der Vermutung, dass sein Haus die Eskalation mit einkalkuliert hat; beim
identitätspolitischen Kulturkampf wissen beide Seiten, wo die Stöckchen
sind, über die man vermeintlich springen muss. Was das
Reiz-Reaktions-Schema leider an den Rand gedrängt hat, ist die berechtigte
Kritik am verstörenden Paternalismus der Aktion: Weiße, akademisch geprägte
Theaterleute wissen vermeintlich am besten, was für Minderheiten gut ist.
Ob Schwarze Familien wirklich voller Vorfreude den Termin notiert haben, um
wie auf dem Präsentierteller in einem kleinen Schwimmbad in der Berliner
Innenstadt Runden zu drehen?
Solange Diskriminierung und Rassismus herrschen, ist es richtig, wenn
benachteiligte Gruppen besondere Räume für sich haben. Doch sollten
antirassistische AktivistInnen und AnhängerInnen der Identitätspolitik
einmal über das Paradox nachdenken, [2][dass mit der Betonung von „race“
zwar Sichtbarkeit erzeugt] wird, gleichzeitig aber das universalistische
Ideal, dass alle Menschen gleich sind und die Herkunft egal ist, in weite
Ferne rückt.
16 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Volksbad-der-Berliner-Volksbuehne/!6203116
(DIR) [2] https://www.bpb.de/themen/rassismus-diskriminierung/rassismus/515930/potenziale-und-grenzen-der-identitaetspolitik/
## AUTOREN
(DIR) Gunnar Hinck
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