# taz.de -- Siedlergewalt im Westjordanland: Zum Abschuss freigegeben
       
       > Immer öfter und immer brutaler gehen extremistische Siedler gegen die
       > palästinensische Bevölkerung vor. Eine Strafverfolgung droht ihnen nicht.
       
 (IMG) Bild: Israelis in Tel Aviv demonstrieren gegen die eskalierende Gewalt im besetzten Westjordanland, 28. Juli
       
       Innerhalb von sechs Monaten gab es 660 Übergriffe. Das sind 110 pro Monat,
       mehr als drei pro Tag. Der [1][Siedlerterror im Westjordanland] eskaliert
       zusehends. In jedem der vergangenen Jahre wurde ein neuer Rekord
       aufgestellt. Immer brutaler werden die Attacken: 140 Verletzte, sechs Tote,
       so die Bilanz im ersten Halbjahr 2026.
       
       Drei Beispiele allein aus diesem Jahr: Im März dringen Siedler in ein Dorf
       ein, packen einen Mann, ziehen ihn nackt aus, befestigen Kabelbinder an
       seinem Penis und zerren ihn so durch den Ort. Im April erschießt ein
       Siedler einen 14-jährigen Palästinenser auf dem Gelände seiner Schule. Im
       August belagert eine Gruppe von Siedlern drei palästinensische Familien in
       einem Weiler in der Nähe von Nablus, tagelang, während ihnen Wasser und
       Nahrungsmittel ausgehen.
       
       Konsequenzen hat das keine. Weder in Israel, wo 94 Prozent aller Anzeigen
       wegen Siedlergewalt nicht einmal in einer Anklage enden. Noch in der
       Europäischen Union, wo auf besorgte Statements zu Menschenrechten und einer
       Zweistaatenlösung keinerlei konkrete Konsequenzen folgen. Und sicherlich
       nicht in Deutschland, wo man sich nicht einmal dazu durchringen kann, einen
       Mann zu sanktionieren, [2][der die gewalttätigen Siedler noch verteidigt] –
       den rechtsextremen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir.
       
       Wie lange will man dem noch zusehen? Es ist das Minimum, dass alle, die
       sich an diesem Terror beteiligen, sanktioniert werden. So wie die vier
       Organisationen und drei Personen, die im Mai endlich auf der
       [3][Sanktionsliste der EU] landeten. Milliardenbeträge aus dem Haushalt
       Israels fließen unter der derzeitigen in Teilen rechtsextremen Regierung in
       die völkerrechtswidrigen Siedlungen. Die ausufernde Siedlergewalt ist vom
       Staat nicht mehr zu trennen.
       
       Brüssel und Berlin müssen endlich Haltung zeigen gegenüber diesem von
       rechtsextremen Politikern regierten Staat. Im Oktober stehen in Israel
       Neuwahlen an. Der Moment, zumindest noch ein Zeichen zu setzen, ist jetzt.
       
       13 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.haaretz.com/west-bank/2026-08-13/ty-article/.premium/senior-security-source-settler-violence-pushes-west-bank-to-verge-of-explosion/0000019f-f70f-d569-a5ff-f76f54bc0000
 (DIR) [2] https://www.timesofisrael.com/in-fiery-security-meeting-ben-gvir-said-to-defend-violent-settlers-as-sweet-kids/
 (DIR) [3] /EU-Sanktionen-gegen-israelische-Siedler/!6178562
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Lisa Schneider
       
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