# taz.de -- Entsetzen über Äußerung: Israelischer Minister für tägliche Tötung von Palästinensern
       
       > Erneut schockiert Israels rechtsradikaler Sicherheitsminister Itamar
       > Ben-Gvir die internationale Öffentlichkeit. Auch aus Deutschland gibt es
       > harte Kritik.
       
 (IMG) Bild: Itamar Ben-Gvir: Es gibt Menschen in Gaza, die es nicht verdient haben zu leben
       
       Der israelische Sicherheitsminister [1][Itamar Ben-Gvir] hat mit seiner
       Aussage erneut für eine Kontroverse gesorgt – und das international. Am
       Sonntag sagte der rechtsradikale Politiker in einem Podcast, man solle „30,
       40 Palästinenser pro Nacht“ im Gazastreifen gezielt töten. Es gebe Menschen
       in Gaza, die es nicht verdient hätten zu leben, führte er fort. Und es
       handele sich nicht nur um Militante, die eine unmittelbare Gefahr
       darstellten.
       
       Außerdem plädierte der Minister für eine israelische Übernahme des
       Gazastreifens. „Ich betrachte ganz Gaza als unser Gebiet“, sagte er
       gegenüber Ex-Geisel Rom Braslavski, der den Podcast leitete. „Siedlungen
       nicht nur in Gusch Katif, sondern im gesamten Gazastreifen, eine möglichst
       starke Auswanderung, sie in ihre Länder schicken. Und was die Terroristen
       betrifft: keine Auswanderung, nichts dergleichen – sie einfach einen nach
       dem anderen töten.“
       
       Die Aussagen lösten eine internationale Welle der Empörung aus. Der
       außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion in Deutschland, Jürgen Hardt,
       nannte die Aussagen gegenüber dem Deutschlandfunk menschenverachtend und
       forderte EU-Sanktionen gegen Ben-Gvir. Ähnlich äußerten sich
       Vertreter:innen der anderen Fraktionen. Die Linke-Parlamentarierin Lea
       Reisner rief die Regierung auf, alle Waffenexporte nach Israel zu stoppen.
       
       Irans Vizeaußenminister Kasem Gharibabadi schrieb auf X, die Aussagen
       Ben-Gvirs seien „Geständnisse“, die „für den Tag der Abrechnung und für den
       Prozess gegen diese Verbrecher“ aufgezeichnet und aufbewahrt werden
       müssten.
       
       ## Immer wieder Demos für die Besiedlung des Gazastreifens
       
       Die Aussage kam am Tag vor dem [2][Treffen zwischen Premierminister
       Benjamin Netanjahu und dem US-Gesandten Jared Kushner] in Jerusalem. Die
       beiden sollten den von Trump unterstützten 15-Punkte-Friedensplan
       diskutieren, zusammen mit Vertretern des Board of Peace – dem von Trump
       gewollten Gremium für eine nachhaltige Lösung des Konflikts.
       
       Zwischen Israel und der Hamas, die im Gazastreifen de facto regiert,
       herrscht [3][seit Oktober eine fragile Waffenruhe]. Israel greift aber
       immer wieder Ziele aus der Luft an. Mehr als 1.000 Menschen sind laut dem
       palästinensischen Gesundheitsministerium seit Beginn des Waffenstillstands
       dabei ums Leben gekommen. Unklar ist, wie viele davon Kämpfer waren. Etwa
       630 Tote sind von den Vereinten Nationen bis Mitte Juni verifiziert worden.
       Immer wieder werden auch Zivilist:innen verletzt.
       
       Israel hat seine letzten Siedlungen im Gazastreifen 2005 geräumt. Seitdem
       hält das Land eine Blockade der Land- und Seegrenzen um das Gebiet
       aufrecht, hatte aber vor dem jüngsten Konflikt keine militärische oder
       zivile Präsenz mehr innerhalb des Küstenstreifens. Inzwischen hält das
       israelische Militär fast 70 Prozent von Gaza unter seiner Kontrolle.
       
       Rechte Gruppen plädieren immer mal wieder für eine erneute Besiedlung. Im
       Juli organisierte die von der Europäischen Union sanktionierte Bewegung
       Nachala zuletzt einen Marsch zu den Grenzen, den die israelische Armee zu
       verhindern versuchte – mit mäßigem Erfolg. Das Areal rund um die
       Sperranlage, die Gaza von Israel trennt, war als militärisches Sperrgebiet
       am Tag der Demonstration deklariert worden, doch einige Hundert
       Teilnehmer:innen schafften es trotzdem bis zum Zaun. Ben-Gvir selbst
       nahm unter schwerem Polizeischutz an der Veranstaltung teil.
       
       Es ist nicht das erste Mal, dass der israelische Sicherheitsminister mit
       seinen Aussagen für eine Kontroverse sorgt. Sein Plan, [4][Krokodile in
       Gefängnissen mit palästinensischen Insassen einzusetzen], löste selbst
       innerhalb der israelischen Behörden Fassungslosigkeit aus.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Trotz-Verbot/!6198494
 (DIR) [2] /Kushner-bei-Netanjahu/!6205024
 (DIR) [3] /Abkommen-zwischen-Israel-und-Hamas/!6116248
 (DIR) [4] /Rechtsextreme-Politik-in-Israel/!6197437
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Serena Bilanceri
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
 (DIR) Gaza-Krieg
 (DIR) Gaza
 (DIR)   Itamar Ben-Gvir
 (DIR) Kriegsverbrechen
 (DIR) Israel
 (DIR)   Itamar Ben-Gvir
 (DIR) Rechtsextremismus
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Social-Auswahl
 (DIR) Nahost-Debatten
 (DIR) Gaza
 (DIR) Jüdische Siedler
 (DIR) Tempelberg
 (DIR) Gaza
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Deutsche Reaktionen auf Ben-Gvir: Die taktische Empörung der chronisch Unterempörten
       
       Über die Aussagen des israelischen Ministers sind deutsche Politiker
       plötzlich entrüstet. Israels permanente Gewalt interessiert sie dagegen
       kaum. Dahinter steckt eine Logik.
       
 (DIR) Tötungsaufruf von israelischem Minister: Zentralrat der Juden kritisiert „beschämendes“ Verhalten
       
       Der Zentralrat der Juden distanziert sich vom israelischen Minister
       Ben-Gvir. Dieser hatte dazu aufgerufen, Palästinenser zu töten. Selbst die
       CDU fordert Konsequenzen.
       
 (DIR) Siedlergewalt im Westjordanland: Zum Abschuss freigegeben
       
       Immer öfter und immer brutaler gehen extremistische Siedler gegen die
       palästinensische Bevölkerung vor. Eine Strafverfolgung droht ihnen nicht.
       
 (DIR) Trotz Verbot: Israels Minister Ben-Gvir provoziert mit Gebet auf Tempelberg
       
       Sicherheitsminister Ben-Gvir betet mit über 1.000 Gläubigen auf dem
       Tempelberg in Jerusalem – trotz Verbot. Es ist nicht die erste Provokation
       dieser Art.
       
 (DIR) Rechtsextreme Politik in Israel: Krokodile in den Staatsdienst
       
       Sicherheitsminister Ben Gvir hat eine neue radikale Idee: Die Reptilien
       sollen – wie im mittlerweile geschlossenen US-Gefängnis „Alligator
       Alcatraz“ – Gefangene bewachen.