# taz.de -- Tötungsaufruf von israelischem Minister: Zentralrat der Juden kritisiert „beschämendes“ Verhalten
> Der Zentralrat der Juden distanziert sich vom israelischen Minister
> Ben-Gvir. Dieser hatte dazu aufgerufen, Palästinenser zu töten. Selbst
> die CDU fordert Konsequenzen.
(IMG) Bild: Rechtsextremer Minister, der gerne rechtsextreme Takes raushaut: Ben-Gvir
dpa | Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef
Schuster, hat Äußerungen eines israelischen Ministers über gezielte
Tötungen von Palästinensern scharf kritisiert. Das Verhalten des
Polizeiministers Itamar Ben-Gvir sei „zutiefst beschämend und
verantwortungslos“, sagte Schuster in Berlin. Es zeige die Gefahr, die von
rechtsradikalen Kräften ausgeht.
Ben-Gvir hatte unter anderem gesagt: „Ich denke, dass man gezielte Tötungen
in Gaza ausführen sollte, jede Nacht 30, 40 (Menschen) entfernen.“ Er
beziehe sich dabei nicht nur auf militante Palästinenser, die eine
unmittelbare Gefahr darstellten, fügte er hinzu. Es gebe im Gazastreifen
vielmehr Menschen, die es nicht verdient hätten zu leben.
Schuster sagte, dies seien menschenverachtende Aussagen. Sie stünden
„diametral zu jüdischen Werten und schaden Israels Ansehen. Ich distanziere
mich ausdrücklich von Itamar Ben-Gvir.“
Ben-Gvirs menschenverachtende Äußerung sorgte auch im politischen Berlin
für einen Widerhall: Selbst der außenpolitische Sprecher der für gewöhnlich
israelfreundlichen Unionsfraktion im Bundestag, Jürgen Hardt, hat am Montag
bereits EU-Sanktionen gegen Minister Ben-Gvir gefordert. „Ben-Gvirs
menschenverachtende Äußerungen kann jeder Mensch nur verurteilen. Die EU
sollte ihn sanktionieren als Zeichen für die weltweite Geltung von
Menschenwürde und Menschenrechten“, sagte Hardt Politico. Zudem sei er
davon überzeugt, dass ein israelisches Kabinett ohne Ben-Gvir Europa und
Israel wieder näher zusammenführen würde.
## Deutliche Kritik aus Deutschland
Der außenpolitische Sprecher der SPD, Adis Ahmetović, sagte: „Nicht erst
mit ihren jüngsten Aussagen schockieren die beiden rechtsextremen Minister
Ben-Gvir und Smotrich die Weltöffentlichkeit.“ Er forderte, dass die
Bundesregierung die Sanktionierung beider Minister unterstützen solle und
zugleich den diplomatischen Druck auf die israelische Regierung erhöhen
müsse, dem Gaza-Friedensplan endlich zuzustimmen.
Ebenfalls deutlich war die Kritik aus der Opposition. Die
Grünen-Abgeordnete Marlene Schönberger sagte: „Der Sicherheitsminister ist
ein Rechtsextremist, seine Aussagen sind zutiefst menschenverachtend.“ Zwar
habe Israel das Recht, seine Existenz und Bürger zu verteidigen, Ben-Gvirs
Aussagen hätten damit aber „nicht das Geringste“ zu tun.
Dietmar Bartsch von der Linken sagte: „Dass ein Minister eines
demokratischen Staates sich derart äußert, ist empörend und zutiefst
menschenverachtend.“ Er erwarte, dass die Bundesregierung die
„Entgleisungen“ aufs Schärfste verurteile und eine Einreisesperre für
Ben-Gvir beschließe – „dieser Mann schadet Israel und dem Ansehen Israels
weltweit“, so Bartsch.
Es ist ein offenes Geheimnis, dass man im Kanzleramt darauf hofft, dass bei
der Knesset-Wahl im Oktober ein Regierungswechsel in Israel ansteht.
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte sich mit der Regierung von Netanjahu
mehrfach überworfen.
18 Aug 2026
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