# taz.de -- Kurzfilme in der Berlinischen Galerie: Mahnende Filmeinstellungen
> Mit „rückblickend betrachtet“ und „Aralkum“ zeigt die Berlinische Galerie
> zwei eindrückliche Filme des Duos Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko.
(IMG) Bild: Szene aus Daniel Asadi Faezi & Mila Zhluktenko, „rückblickend betrachtet“, 2025
Daniel Asadi Faezi und Mila Zhluktenko zeigen Uralbay Utegenovs Hand in
Großaufnahme. Die Kamera (Sadriddin Shakhabiddinov) bleibt bei ihr lange,
kostbare Sekunden und so kann sie der Blick des Zuschauenden studieren wie
ein Gemälde. Die wettergegerbte Haut. Das sanfte Faltengebirge, das sich
über die Jahrzehnte immer weiter in die Haut eingeschrieben hat.
Ruhig liegt die Hand auf dem Oberschenkel, dem grauen Anzugstoff. Die
Kamera folgt dem älteren Mann, der, die Hände auf dem Rücken, durch
Aralkum, die Aralwüste schreitet. In der nächsten Einstellung macht sie
sich selbstständig, so scheint es beim Zuschauen, und fliegt über die
Sandlandschaft hinweg, die von Saxaul-Sträuchern durchsetzt ist, die, so
informieren auf das Bild gestreute Sätze, die Verwüstung des
[1][ausgetrockneten Aralsees] eindämmen sollen.
Es sind bewegte Bilder von eigenartiger, trauriger Schönheit, die Asadi
Faezi und Zhluktenko in ihrem Kurzfilm „Aralkum“ einfangen und mit dem
latent-aggressiven Pfeifen des dortigen Wüstenwindes unterlegen. So webt
der Wind großflächig Muster in den Sand. Und dann beißt sich die Kamera an
einem verrosteten Schiffsfrack fest.
Uralbay Utegenov steht dort an der Kommandobrücke und blickt in die
unendliche Weite, die bis vor einigen Jahrzehnten der viertgrößte Binnensee
weltweit war. Das Bild des betörenden Sonnenuntergangs über Aralkum wird
begleitet vom Klatschen der Wellen gegen einen Schiffsrumpf. Es ist der Ton
von Archivaufnahmen am Aralsee. Und dann kommt dazu das Bild: Wassermassen,
ein See, so weit, das kein Ufer am Horizont zu sehen ist und Fischer, die
vereint das Netz mit Tonnen von Fischen aus dem Wasser ziehen.
Das DokumentarfilmerInnen-Duo setzt die Archivaufnahmen ans Ende des
Kurzfilms. Die Umweltkatastrophe wird greifbar durch die kluge
Filmdramaturgie. Die Ursache, die extensive Bewässerung von Baumwollanbau
in [2][Usbekistan] während der Sowjet-Ära, wird nicht benannt. Es geht
Asadi Faezi und Zhluktenko in ihrer Arbeit von 2022, die den Charakter
einer Bewegtbild-Collage hat, um ein Zeigen des Ist-Zustands und um eine
konkrete Annäherung an betroffene Menschen vor Ort.
## Betroffene kommen zu Wort
Die Berlinische Galerie zeigt im IBB-Videoraum neben „Aralkum“ einen
zweiten Kurzfilm des Duos, das sich beim Studium der Dokumentarfilmregie an
der HFF München kennengelernt hat. „rückblickend betrachtet“, das sich mit
dem rassistischen Anschlag im Münchener [3][Olympia-Einkaufszentrum] im
Jahr 2016 und seiner Vorgeschichte auseinandersetzt, lief letztes Jahr auf
der 75. Berlinale. Der 14-Minüter wurde mit dem Deutschen Kurzfilmpreis
ausgezeichnet und weltweit auf über 40 Festivals gezeigt. In der
Berlinischen Galerie läuft er in Dauerschleife abwechselnd mit „Aralkum“
auf Großleinwand.
Asadi Faezi und Zhluktenko arbeiten auch hier mit dem Prinzip der
Bildcollage, mit historischen Aufnahmen und mit konkreten ProtagonistInnen,
die sie zu Wort kommen lassen. Vor allem entdecken sie den iranischen
Filmemacher Sohrab Shahid Saless wieder, der, 1974 in die BRD emigriert,
hier 13 Langfilme drehte.
„rückblickend betrachtet“ zeigt Ausschnitte aus dem Film „Empfänger
unbekannt“, der Anfang der 1980er Jahre die Zunahme von Rassismus im Zuge
der Wirtschaftskrise aufzeigt. Immer wieder kommt die Kreuzung neben dem
Olympia-Einkaufszentrum ins Bild. Am Schluss überlappen sich diese
Aufnahmen, als würden alle Zeitebenen für einige Sekunden gleichzeitig
aufploppen. Eine Filmeinstellung wie eine Mahnung.
Unter den Opfern des Anschlags im Olympia-Einkaufszentrum war auch der
junge Sinto Giuliano Kollmann, der Vorfahren im Holocaust verloren hat.
Seine Oma Gisela spricht im Film über ihren Kampf gegen das Vergessen.
12 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Katja Kollmann
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