# taz.de -- Krise der Industrie: Schwerdtner sieht Rekord-Export als Problem
> Die Ausfuhren kletterten im Juni auf einen Rekordwert. Doch
> Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner warnt vor einer Fixierung auf den
> Außenhandel.
(IMG) Bild: Berliner IG Metall-Proteste im Mai: Linke-Chefin Ines Schwerdtner (2. v. l.) hält die Gewerkschaftsfahne hoch
Angesichts der jüngsten Außenhandelszahlen warnt [1][Linke-Chefin Ines
Schwerdnter] vor zu viel Optimismus. „Gute Exportzahlen allein retten
keinen Arbeitsplatz“, sagte die Politikerin der taz. Sie überdeckten die
strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft nicht.
Zuletzt verkauften deutsche Firmen so viele Waren ins Ausland wie noch nie
in einem Monat. Der Wert der Exporte stieg im Juni auf 139,3 Milliarden
Euro. Das ist ein Plus von 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat.
Insgesamt exportierten deutsche Firmen im ersten Halbjahr Waren im Wert von
816,6 Milliarden Euro. Da der Wert der Importe nur 711,6 Milliarden Euro
betrug, lag das deutsche Plus im Außenhandel bei 105 Milliarden Euro und
war damit im Vergleich zum 1. Halbjahr 2025 nahezu unverändert.
Der Grund für den Export-Aufschwung: Deutschland verkaufte besonders viel
an die Nachbarn innerhalb der EU. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stiegen
die Ausfuhren nach Frankreich, Österreich und anderen um 7,5 Prozent. Dies
konnte die schlechte Entwicklung im Handel mit den Vereinigten Staaten und
China kompensieren. Im ersten Halbjahr brachen die Exporte in die USA um
5,8 und nach China um 12,3 Prozent ein. Hier leidet die exportorientierte
deutsche Industrie unter [2][den Zöllen von US-Präsident Donald Trump]
sowie einer als „China-Schock 2.0“ bezeichneten verschärften Konkurrenz aus
Fernost.
So sieht Schwerdtner die jüngsten Erfolgsmeldungen aus dem Außenhandel auch
kritisch: „Die starke Exportorientierung ist selbst Teil des Problems, wenn
gleichzeitig die Binnennachfrage schwach bleibt und Deutschland in
wichtigen Branchen technologisch an Boden verliert“, erklärt die
Politikerin. Entscheidend sei außerdem, was von der wirtschaftlichen
Erholung bei den Beschäftigten ankommt. „Seit Monaten gehen Tausende
Industriearbeitsplätze verloren“, so Schwerdnter.
In diesem Zusammenhang warf die Politikerin der Bundesregierung auch ein
[3][Versagen in der Wirtschaftspolitik] vor: „Die Bundesregierung hat weder
einen Plan, um Industriearbeitsplätze zu sichern, noch eine Strategie für
die Wirtschaft von morgen“, so Schwerdtner. Am Ende badeten die
Beschäftigten diese Planlosigkeit aus.
9 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Linken-Parteitag/!6189460
(DIR) [2] /Neue-Zoll-Drohungen-aus-den-USA/!6199139
(DIR) [3] /Wie-Reiche-die-Energiewende-bremst/!6197349
## AUTOREN
(DIR) Simon Poelchau
## TAGS
(DIR) Ines Schwerdtner
(DIR) Die Linke
(DIR) Wirtschaftspolitik
(DIR) Export
(DIR) Konjunktur
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Konjunktur
(DIR) Keynesianismus
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Volkswagen
(DIR) Jan van Aken
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Umfrage des Ifo-Instituts: Knapp einem Viertel der Firmen fehlen Fachkräfte
Die deutsche Wirtschaft berappelt sich ein wenig. Damit steigt aber auch
der Bedarf an Fachpersonal.
(DIR) Antworten auf Wirtschaftskrise: Bin-nen-nach-fra-ge!
Sozialkürzungen und Stellenabbau sollen die deutsche Wirtschaft retten.
Besser wäre es, vom „New Deal“ Franklin D. Roosevelts zu lernen.
(DIR) Neuer Wirtschaftsstaatssekretär: Keine Qualifikation? Egal!
Kanzler Merz beruft Steiniger als Wirtschaftsstaatssekretär nur, um die
Parteifreunde in Rheinland-Pfalz zu befrieden. Nötig wäre mehr Expertise.
(DIR) Kampfansage an die Belegschaft: Volkswagen sucht die maximale Konfrontation
VW-Chef Blume will den Konzern schrumpfen, um den Gewinn zu erhöhen. Die
Schließung von Werken steht im Raum. IG Metall rüstet sich zum Abwehrkampf.
(DIR) Parteitag der Linkspartei: Krönung mit Schlagschatten
Die GenossInnen bereiten Jan van Aken einen tränenreichen Abschied – und
wählen Luigi Pantisano mit miserablen 53 Prozent zum neuen Co-Parteichef.