# taz.de -- Neuer Wirtschaftsstaatssekretär: Keine Qualifikation? Egal!
> Kanzler Merz beruft Steiniger als Wirtschaftsstaatssekretär nur, um die
> Parteifreunde in Rheinland-Pfalz zu befrieden. Nötig wäre mehr Expertise.
(IMG) Bild: Johannes Steiniger wird Staatssekretät im Wirtschaftsministerium, ohne Expertise
Friedrich Merz hat bei der jüngsten Regierungsumbildung seine
Parteifreundin [1][Wirtschaftsministerin Katherina Reiche] verschont.
Leider. Denn ihre vermurkste Energiepolitik allein ist Grund genug, sie
auszutauschen. Doch statt korrigierend einzugreifen, schickt Merz mit dem
rheinland-pfälzischen CDU-Generalsekretär Johannes Steiniger einen Mann in
Reiches Ministerium, der wirtschaftspolitisch bislang nicht in Erscheinung
getreten ist.
Die Berufung des neuen parlamentarischen Staatssekretärs Steiniger hat
einen Zweck: Sie soll die aufgeregten Gemüter der Christdemokrat:innen
in Mainz befrieden, die sich [2][öffentlich über den Rauswurf von
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder echauffieren.] Qualifikation?
Egal. Merz versucht nicht einmal, den Eindruck zu erwecken, dass fachliche
Aspekte ausschlaggebend dafür waren, den agrarpolitischen Sprecher der
Unionsfraktion ins Wirtschaftsministerium zu berufen.
Dabei braucht es in Reiches Haus dringend mehr Expertise. Es ist ja nicht
so, als gebe es keinen wirtschaftspolitischen Handlungsbedarf – die
deutsche Wirtschaft stagniert. Sie leidet unter einer ganzen Reihe von
Problemen, von den hohen Energiepreisen [3][über die Zollpolitik des
US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump] bis hin zu der aggressiven
Exportpolitik Chinas.
Die deutsche Industrie baut Arbeitsplätze ab, die – einmal verschwunden –
nicht wiederkommen werden. Der einzige Lösungsansatz von
Wirtschaftsministerin Reiches: die reine Lehre der freien Marktwirtschaft
zu predigen. Offensichtlich reicht das nicht.
Merz scheint das Problem nicht einmal zu sehen. Dabei braucht die deutsche
Wirtschaft dringend frischen Wind. Mit seiner Personalentscheidung zeigt er
nicht zum ersten Mal, dass er sich weder für Sorgen der Bürger:innen
noch für ihre Angst vor Jobverlust und Krisen interessiert. Seine
neuerdings aufmüpfigen Parteifreund:innen sollten versuchen, dem
Kanzler etwas mehr Realitätssinn beizubringen.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Katherina-Reiche/!t6100268
(DIR) [2] /Kritik-an-Merz-nach-Kabinettsumbildung/!6199421
(DIR) [3] /Angeblich-wegen-Zwangsarbeit/!6198756
## AUTOREN
(DIR) Anja Krüger
## TAGS
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Katherina Reiche
(DIR) Wirtschaftsministerium
(DIR) Staatssekretär
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Social-Auswahl
(DIR) Ines Schwerdtner
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) CDU/CSU
(DIR) Friedrich Merz
(DIR) Podcast „Bundestalk“
(DIR) Reden wir darüber
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krise der Industrie: Schwerdtner sieht Rekord-Export als Problem
Die Ausfuhren kletterten im Juni auf einen Rekordwert. Doch
Linken-Co-Chefin Ines Schwerdtner warnt vor einer Fixierung auf den
Außenhandel.
(DIR) Krise der CDU: Machtmaschine, das war einmal
Das Drama bei der Wahl des Fraktionschefs der Union ist ausgeblieben.
Ausgestanden ist die Krise damit noch nicht. Merz' Autorität ist dramatisch
angeschlagen.
(DIR) Mit fast 92 Prozent: Union wählt Frei zum neuen Fraktionschef
Die Unionsfraktion hat Thorsten Frei zum Nachfolger von Jens Spahn gewählt.
Ob dadurch Ruhe einkehren wird, ist fraglich. Die Kritik an Kanzler Merz
hält an.
(DIR) Kritik an Merz nach Kabinettsumbildung: Der Befreiungsschlag, der nicht gelingt
Die CDU Rheinland-Pfalz kritisiert Merz offensiv für seine
Regierungsumbildung. Gelingt es dem Kanzler, die Wogen zu glätten?
(DIR) Personalwechsel bei der CDU: Ist die Kabinettsumbildung ein echter Neustart?
Nach dem Rücktritt von Spahn wechselt Merz sein Personal aus. Wird die CDU
jetzt weiblicher und weniger neoliberal? Und was heißt das für Schwarz-Rot?
(DIR) Zukunft der Windkraftenergie: Die Union kommt mit der Abrissbirne
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche sorgt dafür, dass der Ausbau der
Erneuerbaren einen Rückschritt erfährt. Jetzt ist die Windkraft dran.