# taz.de -- Wenn der Eklat zur Taktik wird: Es reicht, ich gehe!
       
       > Der Gesprächsabbruch bei zu viel Kritik hat Tradition, nicht nur bei der
       > AfD. Es ist ein Zeichen der Schwäche, Fragen nicht aushalten zu können.
       
 (IMG) Bild: Ihm reicht's! Wolfgang Bosbach verlässt im Juli 2017 die Sendung „Maischberger“, weil ihm die Haltung von Jutta Ditfurth nicht gefiel
       
       Nach ungefähr 50 Minuten war das Gespräch vorbei: AfD-Politiker Hans-Thomas
       Tillschneider, immerhin der wesentliche Autor des radikalen
       AfD-„Regierungsprogramms“ [1][in Sachsen-Anhalt], brach diese Woche das
       Gespräch mit der früheren Spiegel-Journalistin und heutigen
       Funke-Podcasterin [2][Melanie Amann] einfach ab. So habe er sich das nicht
       vorgestellt, sagte er, nachdem sie ihm kritische Fragen zum Programm und zu
       Vorgängen in der Partei gestellt hatte.
       
       Der Gesprächsabbruch bei zu viel Kritik hat Tradition, nicht nur bei der
       AfD. 2014 verließ der damalige AfD-Sprecher Bernd Lucke eine Talksendung
       mit Michel Friedman, nachdem er wiederholt gefragt wurde, ob er eine
       rassistische Äußerung der damaligen EU-Parlamentskandidatin Beatrix von
       Storch teile – und darauf einfach nicht antworten wollte.
       
       2017 stürmte Unionspolitiker Wolfgang Bosbach stinksauer aus dem Studio der
       „Maischberger“-Sendung in der ARD, nachdem Jutta Ditfurth
       Grundrechtsverletzungen bei den polizeilichen Maßnahmen im Zuge des
       G8-Gipfels im Hamburg kritisiert hatte.
       
       Ebenfalls 2017 verzog sich [3][Alice Weidel] aus einem ZDF-Wahlstudio,
       nachdem ihr CSU-Politiker Andreas Scheuer angeraten hatte, sich von Björn
       Höcke und Alexander Gauland zu distanzieren.
       
       ## Politik und Medien brauchen einander. Eigentlich
       
       Die gleiche Alice Weidel brach 2020 ein Interview mit Phoenix am Rande
       eines AfD-Parteitags ab, weil sie sich über die Wortwahl des Fragestellers
       zur Sozialpolitik der AfD geärgert hatte.
       
       Im Juni dieses Jahres beendete US-Präsident Donald Trump abrupt ein
       Interview mit Kristen Walker von der NBC-Sendung „Meet the Press“, nachdem
       Walker ihn wiederholt nach Beweisen für seine ständigen Behauptungen von
       Wahlfälschung gefragt hatte – freilich nicht, ohne ihr vorher noch an den
       Kopf geworfen zu haben, sie sei korrupt und dumm.
       
       Der Gesprächsabbruch durch Politiker*innen vor laufender Kamera bricht
       mit der Vorstellung, dass Politiker*innen und Journalist*innen
       gleichermaßen aufeinander angewiesen seien: Die einen wollten ihre
       Positionen und sich selbst darstellen, die anderen ihrem Publikum Inhalte
       bieten; sie brauchten einander. Und dann steht der Gast auf und geht –
       zumindest in diesem Moment in dem Glauben, dass das seiner Position mehr
       nutze als ein weiteres Verweilen.
       
       Dabei ist es ja eigentlich immer ein Zeichen der Schwäche, Fragen nicht
       aushalten zu können. Bloß: Meist sieht die Öffentlichkeit das nicht so. Vor
       allem in Zeiten des „Lügenpresse“-Gegröles wird vielmehr noch als Held
       gefeiert, wer sich dem kritischen Gespräch verweigert. Verkehrte Welt.
       
       22 Aug 2026
       
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