# taz.de -- Sommerinterview mit Chrupalla und Weidel: Doppel-Demagogie in der Infoschiene
       
       > Dass die AfD den ÖRR abschaffen will, hält diesen nicht davon ab, sie
       > weiter einzuladen. Zumindest der MDR scheint aber aufgewacht zu sein.
       
 (IMG) Bild: Tino Chrupalla (l.) spielt als Bundessprecher der Partei bei der ARD den „Good Cop“
       
       Wann wird’s mal wieder richtig Sommer? Immer dann, wenn in ARD und ZDF die
       Sommerinterviews laufen. Am Sonntag gab’s gleich zweimal AfD, warum denn
       auch nicht? Kann bloß in die Hose gehen. Und das ging es dann ja auch.
       
       Schon die Tatsache, dass am selben Abend erst Tino Chrupalla in der ARD und
       gleich im Anschluss Alice Weidel im ZDF dran waren, spricht Bände über den
       Umgang der Sender mit der Partei. Es gibt dort viel Expertise und
       Sachkunde, bloß anscheinend keine Koordination und übergreifende
       Absprachen. So landen wegen „Terminproblemen“ beide Interviews verlässlich
       in der Infoschiene am Sonntagabend. Und finden natürlich auch in den
       nachfolgenden Nachrichtensendungen breit statt. Die AfD dankt für diese
       Werbung in eigener Sache, exakt zwei Wochen vor den Wahlen in
       Sachsen-Anhalt.
       
       Chrupalla spielt als Bundessprecher der Partei bei der ARD den „Good Cop“.
       Er sagt zwar kaum Neues, hält sich aber immerhin an die Spielregeln für
       solche televisionären Pseudo-Hochämter. AfD-Co-Sprecherin Weidel ist
       dagegen der „Bad Cop“ und zieht im ZDF alle demagogischen Register.
       Spielregeln sind ihr scheißegal, an die müssen sich vielleicht
       Migrant*innen halten, aber sie doch nicht. Der stellvertretende
       ZDF-Hauptstadtstudiochef Wulf Schmiese geht hier mit Ansage unter.
       
       Es ist auch hirnrissig, in nur rund 20-minütigen Gesprächen die AfD-Kader
       und ihre Politik einordnen und hinterfragen zu wollen. Fragt sich bloß,
       warum es bei ARD wie ZDF wider besseres Wissen immer wieder versucht wird.
       
       ## Der MDR wacht auf
       
       Ein Thema wurde dabei sowohl im Ersten wie im Zweiten gewissenhaft
       ausgespart: Die AfD will bekanntermaßen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk
       abschaffen. Das anzusprechen schickt sich nicht – so scheint es immer noch
       die Maxime in den Chefetagen von ARD und ZDF zu sein. Das sähe ja nach
       einer Instrumentalisierung des Sommerinterviews aus. Wenn es um die
       Abschaffung des Bundesverfassungsgerichts ginge, wäre das vermutlich
       anders. Aber auch der ÖRR hat in Deutschland aus gutem Grund
       Verfassungsrang.
       
       Daran erinnert jetzt endlich, endlich, endlich mein alter Sender, der MDR.
       Zwei Wochen vor der Angst ist er aufgewacht, nein, traut sich. Intendant
       Ralf Ludwig macht [1][in den MDR-Nachrichten] und [2][im Mittagsmagazin]
       klar, dass in Sachsen-Anhalt auch nach einer Kündigung des Staatsvertrags
       weiter Rundfunkbeitrag gezahlt werden muss. Außerdem umreißt er, was für
       die Menschen alles wegfällt und dass es trotzdem ein neues,
       öffentlich-rechtliches Angebot geben müsste. Und das dürfte ziemlich teuer
       werden, weil die Gemeinschaftsleistungen der ARD für Sachsen-Anhalt
       wegfielen.
       
       Im Netz lässt sich der medienpolitische Fallout eines AfD-Wahlsiegs [3][auf
       mdr.de seit Montag auch im Detail nachlesen]. Selbst an den aktuellen
       Programmfluss geht der MDR ran. In seinen Programmen für Sachsen-Anhalt
       [4][sendet er bewusst Unterbrechungen] – Stille und Schwarz da, wo das
       Programm von der Kündigung des Staatsvertrages betroffen wäre, gefolgt von
       einer entsprechenden Erklärung. Das kommt reichlich spät. „Oder taktisch
       modern, denn nach zehn Tagen sinkt die Viralität im Netz“, sagt die
       Mitbewohnerin. Und die Hoffnung stirbt ja sowieso zuletzt.
       
       24 Aug 2026
       
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