# taz.de -- Umfrage sieht Linke in Berlin vorn: Noch ein weiter Weg ins Rote Rathaus
       
       > Linke vorn, CDU dahinter, SPD ist Schlusslicht: In den Umfragen in Berlin
       > bewegt sich wenig. Möglich bleiben eine Keniakoalition und ein
       > Linksbündnis.
       
 (IMG) Bild: Linken-Spitzenkandidatin Elif Eralp wirbt für sich selbst
       
       Mehr als drei Wochen nachdem die Berliner CDU mitten im Wahlkampf ihren
       Spitzenkandidaten ausgewechselt hat, ist noch immer kein „Evers-Effekt“
       auszumachen. In der [1][jüngsten Umfrage von Civey] für den Berliner
       Tagesspiegel vom Mittwoch liegt die CDU mit 19 Punkten weiter hinter der
       Linkspartei. Die führt die Umfrage mit 21 Prozent an.
       
       Stefan Evers heißt der neue Spitzenkandidat der CDU, und anders als sein
       Vorgänger Kai Wegner hat er mit einem Problem zu kämpfen, das den anderen
       Spitzenleuten nicht fremd ist – seiner geringen Bekanntheit. Auch das
       dürfte dazu beigetragen haben, dass die CDU nach ihrem Kandidatentausch
       nicht zugelegt hat.
       
       Dass das Beben in der Berliner CDU kein Nachbeben in den Umfragen ausgelöst
       hat, kommt allerdings nicht überraschend. Zu ähnlich waren die Umfragen
       zuletzt gewesen, sieht man einmal von einer vom rechten Portal Nius in
       Auftrag gegebenen [2][Insa-Umfrage] ab, bei der die AfD auf Platz eins
       gelandet war, in der aber auch die Linke im Aufwind war.
       
       Das Bild jedenfalls ist stabil: Linkspartei und CDU liefern sich ein Rennen
       um Platz eins, wobei die Linke zuletzt die Nase vorn hatte. Beide Parteien
       haben einander auch zum jeweils wichtigsten politischen Gegner erklärt und
       schließen eine Koalition miteinander aus.
       
       Dahinter folgen AfD und Grüne oder auch Grüne und AfD. Und ganz zum Schluss
       die Berliner SPD, die in der jüngsten Civey-Befragung um einen Prozentpunkt
       auf 12 Prozent abgerutscht ist. Auch da hat es nach der Nominierung von
       Steffen Krach im vergangenen November keinen Effekt gegeben. Nicht nur
       unbekannt ist Krach. Er hat auch das Problem, dass seine ostentative
       Distanz zur CDU-SPD-Koalition von den Wählerinnen und Wählern nicht
       honoriert wird. Das mag dem Spitzenkandidaten gegenüber ungerechtfertigt
       sein, nicht aber gegenüber seiner Partei.
       
       ## AfD profitiert nicht vom Anschlag auf CSD
       
       Alles also beim Alten? Interessant ist die Umfrage vor allem, weil der
       Zeitraum der Befragung vom 20. Juli bis 3. August zumindest teilweise den
       islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD mit einschließt. Entgegen
       ersten Befürchtungen scheint die AfD nicht davon profitiert zu haben.
       
       Das hat womöglich auch mit dem Anschlagsziel zu tun. Wer für eine bunte
       Gesellschaft und gleichzeitig für mehr Law and Oder ist, fühlt sich in
       Berlin von der CDU und ihrem schwulen Spitzenkandidaten eher abgeholt als
       von der AfD.
       
       Stabil sind nach der jüngsten Umfrage auch die Optionen für die Bildung
       einer neuen Landesregierung. Da eine Fortsetzung des bisherigen
       CDU-SPD-Senats keine Mehrheit hätte, braucht es drei Parteien, die im
       künftigen Abgeordnetenhaus miteinander koalieren. Das sind entweder Linke,
       Grüne und SPD, die zusammen ein Linksbündnis schmieden könnten.
       
       Oder aber Grüne und SPD arrangieren sich mit der CDU und bilden eine
       sogenannte Keniakoalition, wie sie es in Brandenburg schon einmal unter der
       Führung der SPD gegeben hat. Vor allem für die Grünen könnten Sondierungen
       mit der CDU zu einer Zerreißprobe werden. Erst recht, wenn die CDU vor den
       Grünen liegt und nicht einmal das Amt des Regierenden Bürgermeisters für
       die Grünen als Argument für Kenia lockt.
       
       Ist die Linkspartei also der lachende Dritte? Nicht automatisch. Denn auch
       die Linke hat ein Problem. Unklar ist, wie viele ihrer Abgeordneten nach
       der Wahl am 20. September überhaupt mitregieren wollen. Der linke Weg ins
       Rote Rathaus ist noch ein weiter Weg.
       
       Gut möglich also, dass Berlin nach der Wahl ein Blaming-Spiel bevorsteht,
       bei dem sowohl Grüne als auch Linke einander die Schuld zuschieben könnten,
       sollte es nicht zu einem Linksbündnis kommen, sondern zu einer
       Keniakoalition.
       
       Zum Zünglein an der Waage könnte in diesem Fall die SPD werden. Die müsste
       sich bei einem Wahlsieg der Linken und einer eigenen Niederlage für ein
       „Weiter so“ inklusive der Grünen entscheiden. Oder aber sie verhilft der
       Linken ins Rote Rathaus. Das dürfte aber nur dann der Fall sein, wenn die
       Linke auf ihr wichtigstes Vorhaben, die Vergesellschaftung privater
       Wohnungsbestände, verzichtet. Und das ist eher unwahrscheinlich.
       
       5 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.tagesspiegel.de/berlin/umfrage-zur-berlin-wahl-linke-springt-auf-platz-eins--wegner-ruckzug-nutzt-cdu-nicht-15913067.html
 (DIR) [2] https://www.wahlrecht.de/umfragen/landtage/berlin.htm
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Uwe Rada
       
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