# taz.de -- Wahlkampf in Berlin: Steffen Krach nimmt sich die Linke vor
> Nach der Enteignungsansage der Linken-Bundesspitze fragt die SPD, wer in
> der Linkspartei das Sagen hat. Kandidat Steffen Krach macht auch Druck
> wegen des Russischen Hauses.
(IMG) Bild: Ob die Linkspartei das auch lustig findet?
Steffen Krach legt im Streit mit der Linkspartei zum Thema
Vergesellschaftung von Wohnraum nach. Gegenüber der taz sagt der
Spitzenkandidat der Berliner SPD: „Es überrascht mich nicht, dass Frau
Schwerdtner ihren Parteifreunden in Berlin eine rote Linie bei der
Enteignungsfrage diktiert.“
Im Stern hatte die Linken Bundeschefin Ines Schwerdtner vergangene Woche
die Vergesellschaftung privater Wohnungsunternehmen zur Bedingung für eine
Koalition in Berlin gemacht. „Das ist für uns ganz klar: Es wird mit der
Berliner Linken in der Regierung vergesellschaftet werden“, [1][sagte sie
im Podcast „5-Minuten-Talk“]. „Das ist für uns gar keine Frage. Das kann
ich Ihnen sehr sicher sagen.“
Nicht nur die Berliner SPD und ihr Spitzenkandidat hatte diese Aussage
kritisiert. Auch Elif Eralp, die Linken-Spitzenkandidatin für die Wahl am
20. September, war etwas zurückgerudert. „Wir werden in Berlin nach der
Wahl mit den möglichen Koalitionspartnern in Gespräche gehen und dann wird
auch die Vergesellschaftung auf dem Tisch liegen“, [2][sagte Eralp dem
Tagesspiegel]. Nach einer roten Linie klang das nicht.
Steffen Krach mutmaßt nun, dass die Bundespartei der Linken in Berlin eine
Regierungsbeteiligung verhindern möchte – ähnlich wie es Sahra Wagenknecht
beim BSW in Thüringen versucht hat. „Schwerdtner wird wissen, dass die
Wahlversprechen ihrer Berliner Parteifreunde so dermaßen hochgeschraubt
sind, dass darauf nur große Ernüchterung folgen kann“, sagt er der taz. „So
einen Reality-Check kann sie für den nächsten Bundestagswahlkampf aber null
gebrauchen. Also besser rote Linien ziehen und nicht regieren.“
Auch an die Berliner Linke wendet sich der SPD-Spitzenkandidat. „Elif Eralp
nehme ich wiederum total ab, dass sie in den Senat will und deshalb wohl
bereit ist, die Enteignungsfrage nicht so kategorisch zu definieren.“
Allerdings sehe er bei manchen Linken auch einige, „die wohl lieber
Maximalopposition machen würden“.
## Auch die CDU schießt sich auf die Linke ein
Mit diesen Aussagen will die SPD, die in Umfragen derzeit mit 12 ganz
hinten liegt, offenbar den Druck auf die Linkspartei erhöhen und selbst
wieder in die Offensive kommen. Laut der jüngsten Umfrage von Civey liegt
die Linke derzeit mit 21 Prozent vorne, gefolgt von der CDU, der AfD, den
Grünen – und eben der SPD.
Bereits vor der neuen Debatte um Enteignung hatte sich auch die CDU auf die
Linkspartei eingeschossen. Nach dem Rückzug von Kai Wegner und seiner
Nominierung als neuer Spitzenkandidat hatte Finanzsenator Stefan Evers von
einer Radikalisierung der Partei gesprochen. „Wir diskutieren hier über
eine Partei, die so radikal ist, wie sie es in ihrer Geschichte nie zuvor
war“, [3][sagte Evers der Welt]. „Eine Partei, die Judenhass in ihren
Reihen duldet, die Polizeihasser in ihren Reihen duldet und die ganz offen
die Grundlagen der sozialen Marktwirtschaft beseitigen will.“
Die Grünen dagegen halten sich aus der Debatte derzeit heraus – und könnten
so die lachenden Dritten sein. „Wir sollten grüne Linien ziehen, um
deutlich zu machen, wie wir die Berliner Mieterinnen und Mieter schützen,
anstatt rote Linien, die Regierungsbildungen potenziell erschweren“,
[4][sagte Spitzenkandidat Werner Graf dem Tagesspiegel].
Am Wochenende hat SPD-Mann Krach dann noch einmal gegen die Linkspartei
gestichelt. „Hier können wir enteignen, liebe Linke, seid ihr dabei?“ hat
Krach auf einen Pappkarton gemalt und sich vor das Russische Haus in der
Friedrichstraße gestellt. Zuvor hatte das französische Innenministerium
davor gewarnt, [5][dass das Russische Haus als Tarnung von den russischen
Geheimdiensten genutzt werde].
9 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.stern.de/gesellschaft/regional/berlin-brandenburg/vor-berlin-wahl--schwerdtner-macht-enteignungen-zur-bedingung-fuer-koalition-38064364.html
(DIR) [2] https://www.tagesspiegel.de/berlin/enteignung-als-bedingung-fur-eine-koalition-berliner-linke-spitzenkandidatin-eralp-vermeidet-nach-kritik-klare-aussage-15925022.html
(DIR) [3] https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a5f1b1785fbf0a2ffee46a5/berlins-cdu-spitzenkandidat-evers-die-linke-ist-so-radikal-wie-sie-es-in-ihrer-geschichte-nie-zuvor-war.html
(DIR) [4] https://www.tagesspiegel.de/berlin/enteignung-als-bedingung-fur-eine-koalition-berliner-linke-spitzenkandidatin-eralp-vermeidet-nach-kritik-klare-aussage-15925022.html
(DIR) [5] https://www.tagesspiegel.de/berlin/teil-des-russischen-propagandaapparats-spionage-verdacht-gegen-russisches-haus-in-berlin-15925588.html
## AUTOREN
(DIR) Uwe Rada
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