# taz.de -- Wählerinitiative für Elif Eralp: „Wählst du noch die Grünen oder auch schon die Linken?“
       
       > Prominente aus Kunst und Kultur unterstützen die Berliner
       > Linken-Kandidatin Elif Eralp. Hoffnungen auf eine Revolution verbinden
       > sie mit ihr aber nicht.
       
 (IMG) Bild: Wladimir Kaminer: „Sie ist eine sympathische Zeitgenossin“
       
       Kurz ist Michael Sontheimer, ehemaliger taz-Chefredakteur, wohl selbst
       irritiert, als er auf einer Pressekonferenz am Donnerstag die Genese der
       Idee einer [1][Wahl-Initiative für die Linken-Kandidatin zur
       Abgeordnetenhauswahl Elif Eralp] vorstellt. Sein Vater habe damals, Ende
       der 1960er die Initiative „Willy wählen“ mitbegründet, die zwei
       erfolgreiche Kanzlerkandidaturen von Willy Brandt begleitete, an diese habe
       er sich erinnert und gedacht: „Warum nicht“ etwas Ähnliches auch für Eralp?
       Begleitet von Lachern auf dem Podium in der taz-Kantine entfährt ihm: „Mir
       ist schon klar, dass da eine gewisse Asymmetrie herrscht.“
       
       Und so wie Eralp kein Brandt, möchte Sontheimer sich auch nicht mit dem
       Schriftsteller Heinrich Böll vergleichen, der sich für Willy oder gegen
       Militarismus starkmachte. Anknüpfen aber möchte er schon an die Tradition
       von Post-1968, als „öffentliche Intellektuelle noch wichtig waren“, als
       Leute aus Wissenschaft und Kultur „Partei ergriffen“. Selbstverständlich
       ist das heute nicht mehr. Es klang durch, dass Sontheimer durchaus einige
       Absagen kassiert habe, nicht wenige hätten ihm gesagt: „Ich wähle Elif
       Eralp und die Linke, aber öffentlich machen, möchte ich das lieber nicht.“
       
       Einige Mitstreiter:innen, die bereit sind, ihre Nase in den Wind zu stecken
       fand Sontheimer aber doch. 22 Erstunterzeichner:innen hat der
       Wahlaufruf eingesammelt – keine Linkspartei-Mitglieder, wie im Aufruf
       betont wird. Zu ihnen gehören der Kabarettist Arnulf Rating, die
       Schauspielerin Corinna Harfouch und die Künstlerin Käthe Kruse.
       Unterzeichnet haben sie einen kurzen Text, in dem die Sorge um Berlin
       angesichts von Kulturkürzungen und Wohnungskrise ausgedrückt wird. Dagegen
       betonen sie: „Elif Eralps Reformpläne auf dem Weg zu einer Stadt für Alle
       sind realistisch.“
       
       Ähnlich nüchtern bleibt der Ton auch auf dem Podium, wo der [2][Regisseur
       und Moderator Jürgen Kuttner] feststellt: „Wir halten Elif für eine
       überzeugende Vertreterin einer Politik, die wir gut finden.“ Gleichwohl:
       „Es wird kein neues Berlin sein am 21. September.“ Ein Wahlsieg der Linken
       würde die Stadt nicht fundamental verändern, da sind sich die prominenten
       Wahlwerber:innen einig. Das klingt nicht nach jugendlichem
       Enthusiasmus, aber dafür haben sie alle wohl auch schon zu viel erlebt.
       
       ## Das, was die SPD nicht kann
       
       Der Autor Wladimir Kaminer verbindet mit Eralp die Hoffnung, dem
       „Turbokapitalismus“, der Wohnungen einzig als Finanzkapital betrachtet,
       etwas entgegenzusetzen. „Es sieht nicht so aus, als könnte das die SPD“,
       sagt er. Eine Regierende Bürgermeisterin Eralp wäre Kaminer zufolge ein
       gutes Zeichen gegen den Rechtsruck und außerdem: „Sie ist eine sympathische
       Zeitgenossin.“
       
       Als wenig überraschender Überraschungsgast platzt die Kandidatin dann auch
       selbst in die Runde, strahlend gut gelaunt. Da drückt es auch nicht auf die
       Stimmung, dass die Versprechen der Linken abseits der Mietenpolitik
       mitunter sehr klein ausfallen: Während der von Eralp zum „Vorbild“ erklärte
       Zoran Mamdani in New York den Busverkehr kostenlos machen will, will die
       Berliner Linke einen „Preisstopp“ für den ÖPNV. Mehr Pragmatismus geht
       kaum.
       
       Angst vor der Linken müsse niemand haben, sagt Sontheimer. Sie sei Berlins
       mitgliederstärkste Partei, „kein marginaler Haufen von Antisemiten und
       anderen Irren“. Er beobachte in seinem Umfeld eine Absatzbewegung von den
       Grünen: „Wählst du noch die Grünen oder auch schon die Linken?“, sei eine
       gängige Frage. Aufruf-Unterstützer:innen wie Gretchen Dutschke stünden für
       diesen Trend.
       
       Man wolle derweil keine „Wählerwanderbewegung anführen“ sagt Kuttner,
       sondern „solidarische Kräfte bei SPD und Grünen stärken“. Nur mit ihrer
       Unterstützung kann Berlin eine „rote Bürgermeisterin“ bekommen.
       
       20 Aug 2026
       
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