# taz.de -- Wehrhafte Demokratie und AfD-Verbot: Umgang mit identifizierten Gefährdern
> Niemand kommt auf die Idee, man müsse den radikalen Islamismus „politisch
> stellen“ – was beim Umgang mit der AfD noch immer empfohlen wird. Wie
> absurd.
(IMG) Bild: Klare Ansage auf dem CSD in Berlin am 24. Juli
Die Gefahr für die Demokratie, für die freiheitliche Grundordnung und
insbesondere für Minderheiten war bekannt. Mehrere Landes- und
Bundesbehörden hatten deutlich gewarnt. Wissenschaftliche Gutachten hatten
klar formuliert, dass hier höchste Risiken vorlagen. Und dennoch geschah
nichts.
Es ist auch eine Machtfrage, ob dieser Eingangsabsatz als Nacherzählung des
[1][Umgangs der deutschen Justiz mit dem CSD-Attentäter Abdul B. gelesen
wird] oder als Zustandsbeschreibung des Wegduckens aller zu einer solchen
Initiative berechtigten Institutionen zur [2][Prüfung eines
AfD-Verbotsfahrens]. Es sind sogar oft die gleichen, die empört auf das
Versagen der Justiz im Fall Abdul B. schimpfen, die Prüfung eines
Parteiverbots der AfD aber mit den willkürlichsten Argumenten ablehnen.
Als ob die mögliche [3][Regierungsübernahme einer rechtsextremistischen
Partei mit völkischer Ideologie] nicht das Zusammenleben aller in diesem
Land viel mehr und viel nachhaltiger erschüttern könnte als ein
islamistischer Terrorist es vermag.
Warum nur kommt niemand auf den Gedanken, man müsse den radikalen
Islamismus „politisch stellen“ – während genau das noch immer komplett
hilflos als richtige Methode gegen den Aufstieg der Rechtsextremisten in
den Parlamenten angesehen wird?
## Warum gibt es denn die Möglichkeit eines Parteiverbots?
Aber [4][man kann doch nicht eine Partei verbieten, die von so vielen
Menschen gewählt wird], heißt es dann. Das ist absurder Unsinn. Die
verfassungsmäßige Möglichkeit eines Parteiverbots besteht doch gerade
deswegen, um zu verhindern, dass erneut eine Partei in die Position gewählt
wird, die Demokratie von innen heraus abzuschaffen.
Bewaffneter Umsturz braucht kein Prüfverfahren des
Bundesverfassungsgerichts, der ist eh verboten. Und eine Partei, die
niemand wählt, so hat es auch das Bundesverfassungsgericht im zweiten
NPD-Verbotsverfahren klargestellt, müsste nicht verboten werden, denn sie
könnte ihre verfassungsfeindlichen Ziele nicht erreichen.
Es liegt also an Bundesrat, Bundesregierung oder Bundestag, weiter darauf
zu hoffen, dass schon nichts Schlimmes passiert – nur um dann wie die
Berliner Justizbehörden rund um das Amtsgericht Tiergarten die Frage
beantworten zu müssen, warum man das zugelassen hat. Oder aber endlich
ernst zu nehmen, was so offen daliegt, dass es dazu überhaupt keine
Ergebnisse verdeckter Ermittlungen oder sonstige nachrichtendienstliche
Erkenntnisse braucht: Die AfD ist eine extremistische Partei, die die
Grundlagen bundesrepublikanischer Demokratie abschaffen will. Das ist
mindestens so deutlich wie die Radikalisierung von Abdul B.
31 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Anschlag-auf-CSD-in-Berlin/!6199277
(DIR) [2] /Nach-neuem-Gutachten/!6190885
(DIR) [3] /Drohende-AfD-Regierung-in-Ostdeutschland/!6177987
(DIR) [4] /AfD-Verbot/!6152303
## AUTOREN
(DIR) Bernd Pickert
## TAGS
(DIR) Christopher Street Day
(DIR) Anschlag
(DIR) Islamismus
(DIR) Rechtsextremismus
(DIR) AfD-Verbot
(DIR) Kolumne Gesten der Macht
(DIR) wochentaz
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Christopher Street Day
(DIR) AfD-Verbot
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Schwerpunkt AfD
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Krise der Demokratie: AfD-Wählen als Triebabfuhr
Egal, was passiert, es spielt den Rechtsextremen in die Hände. Warum? Weil
es nicht um die Sache geht, sondern um einen Bruch, der Macht verleiht.
(DIR) Anschläge mit Autos: „Wir können Software entwickeln, die so eine Tat verhindert“
Lassen sich Auto-Anschläge und Amokfahrten verhindern? Ja, sagt ein
Unfallforscher. Aber das könne dauern.
(DIR) Nach neuem Gutachten: Abgeordnete gestärkt für AfD-Verbotsverfahren
Aufgrund des neuen Gutachtens fordern fraktionsübergreifend Abgeordnete von
CDU bis Linke eine Prüfung der Verfassungswidrigkeit der AfD.
(DIR) Drohende AfD-Regierung in Ostdeutschland: Das Worst-Case-Szenario
In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte die AfD bald regieren.
Was droht konkret Schulen, Verwaltung oder Vereinen? Und wie wappnen sie
sich?
(DIR) AfD-Verbot: Hört doch endlich zu!
Seit Jahren wird diskutiert, ob man die AfD verbieten kann oder sollte.
Warum nicht einfach auf jene hören, die die NS-Zeit erlebt haben?