# taz.de -- Diskussion nach CSD-Anschlag in Berlin: Der Überbietungswettbewerb ist eröffnet
> Mehr Überwachung, mehr Kontrolle: Auch Berlins Regierender Bürgermeister
> Wegner fordert nach dem CSD-Anschlag schärfere Gesetze. Der Wahlkampf
> läuft an.
(IMG) Bild: Law and Order sollen es richten: Kai Wegner (CDU) vor dem Roten Rathaus
Drei Tage nach dem [1][Terroranschlag auf den Berliner Christopher Street
Day (CSD)] hat Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) „eine
neue Form der Kontrolle“ im Umgang mit sogenannten Gefährdern gefordert.
„Etwa müssen wir über Fußfesseln diskutieren“, sagte Wegner am Dienstag im
Roten Rathaus. Wenn nötig, will er dafür Gesetze ändern: „Es darf nicht das
Argument sein, dass es aus rechtlichen Gründen nicht geht.“
Damit stimmt Wegner in den Chor von konservativen Politiker*innen ein,
[2][die seit Sonntag schärfere Gesetze verlangen]. Bundesinnenminister
Alexander Dobrindt (CSU) etwa hatte bereits vorgeschlagen, die Befugnisse
zum Einsatz von Fußfesseln und Präventivhaft gegen Gefährder auszuweiten.
Brandenburgs CDU-Innenminister Jan Redmann kündigte indes eine komplette
Polizeigesetzreform an. Geplant seien biometrische Gesichtserkennung, das
Abhören von verschlüsselter Kommunikation und die verdeckte Überwachung von
Computern.
Am späten Samstagabend hatte ein 21-Jähriger im Berliner Tiergarten in
unmittelbarer Nähe zum CSD absichtlich Menschen angefahren. Eine Frau
starb, 31 Personen wurden verletzt. Der mutmaßliche Täter, der am
Sonntagabend bei einem Polizeieinsatz erschossen wurde, [3][war als
islamistischer Gefährder eingestuft] und wurde überwacht – allerdings nicht
rund um die Uhr.
„Wenn wir die Gefährder schon kennen, müssen wir dafür sorgen, dass sie zu
jeder Zeit im Blick sind“, sagte Wegner vor diesem Hintergrund am Dienstag.
Die Polizei könne das nicht leisten: Man brauche 30 Beamte, um eine Person
24/7 zu beobachten. Eine Lösung, so der Regierende, sei Künstliche
Intelligenz. „Andere Länder weltweit verfügen über technische
Möglichkeiten, solche Menschen unter Kontrolle haben“, so der Regierende
weiter.
## Freiheit schützen durch Freiheitseinschränkungen
Welche Länder und welche Technologien er meinte, blieb offen. Nach der
[4][umstrittenen US-Überwachungssoftware Palantir] gefragt, wich Wegner
aus. Es müsse nicht unbedingt dieser Anbieter sein. „Oberste Priorität muss
es sein, unsere Freiheit und die Menschen in unserem Land zu schützen.“
Dafür wolle er „gesetzliche Lücken“ schließen – etwa [5][das
Datenschutzgesetz] „anpassen“.
Unterdessen wird die Betreuung der Betroffenen des Anschlags ausgebaut. Am
Dienstag waren weiterhin Seelsorger*innen am Tatort im Tiergarten
präsent. Zudem hat das Landesamt für Gesundheit und Soziales [6][eine
Beratungs-Hotline eingerichtet]. „Menschen, die den Anschlag miterleben
mussten oder deren Angehörige und Freunde direkt betroffen sind, bekommen
schnelle psychologische Hilfe und Beratung“, so Sozialsenatorin Cansel
Kiziltepe (SPD). Man nutze bestehende Strukturen, um den Betroffenen
schnell helfen zu können. „Die Unterstützung der Opfer und der
Leidtragenden steht jetzt an erster Stelle“, so Kiziltepe weiter.
## Warmlaufen für den Wahlkampf
Dieses Versprechen einzulösen, dürfte angesichts des aufziehenden
Wahlkampfs schwierig werden. Neben Wegners Law-and-Order-Forderungen gab es
am Dienstag zahlreiche weitere Wortmeldungen zu dem Anschlag. Etwa warnte
Berlins Queerbeauftragter Alfonso Pantisano (SPD) davor, die Gefährdung
queerer Menschen auf bestimmte Tätergruppen zu reduzieren. Die Community
schaue „auf alle, die uns unsere Rechte und unsere Existenz absprechen“,
sagte Pantisano dem Evangelischen Pressedienst. Angriffe auf queeres Leben
kämen „aus allen Himmelsrichtungen“. Sein Appell ist, „dringend davon
abzusehen, eine Klassifizierung zu machen, welche Gruppe die queere
Community am meisten gefährdet“.
Der Rat der Berliner Imame wiederum erklärte, religiös begründeter
Extremismus sei eine reale Gefahr. „In unseren Gemeinden und unserer
Bildungsarbeit treten wir entschieden gegen jede Form von
Menschenfeindlichkeit ein“, heißt es in einer Erklärung der Gruppe. Der
„feige Anschlag“ und jegliche „verbale, physische und psychische Gewalt
gegen queere Personen“ würden aufs Schärfste verurteilt.
Die Debatte dürfte in Berlin in den kommenden Tagen an Fahrt aufnehmen. Für
Mittwoch hat die Berliner AfD ein „Paket an Sofortmaßnahmen“ angekündigt.
Wenn der Staat die Bürger*innen nicht schütze, drohe „die Aufkündigung
des Gesellschaftsvertrags durch das Volk“, verlautbarte die Fraktion. Zudem
diskutiert am Vormittag der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses über den
Anschlag.
28 Jul 2026
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(DIR) [5] /Datenschutz-und-Informationsfreiheit/!6189945
(DIR) [6] https://www.berlin.de/lageso/
## AUTOREN
(DIR) Hanno Fleckenstein
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