# taz.de -- Nach Anschlag auf CSD in Berlin: Eine Stadt unter Schock
       
       > Berlins Spitzenpolitiker und der Queerbeauftragte reagieren nach dem
       > Anschlag auf den CSD mit Trauer und Entsetzen. Die AfD nutzt den Angriff
       > für ihre Agenda.
       
 (IMG) Bild: „Schrecklicher, brutaler Anschlag“: Kai Wegner (CDU) spricht am Tatort
       
       Ein Hubschrauber dröhnt am Himmel, als Berlins Regierender Bürgermeister
       Kai Wegner (CDU) am Sonntagnachmittag im Berliner Tiergarten mit
       Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) ans Mikrofon tritt. Vor ihnen
       drängen sich Journalist:innen im Regen, dutzende Kameras sind auf die
       Politiker gerichtet. Hinter den beiden versperren rot-weißes Flatterband
       und mehrere Polizeifahrzeuge den Weg. Die Gesichter sind ernst.
       
       „Wir haben es mit einem erneuten islamistischen Terrorangriff zu tun“, sagt
       Wegner. „Er zielte auf die Art und Weise unseres Zusammenlebens, unsere
       liberale Demokratie, unsere Offenheit und unsere Freiheit.“ Berlin habe am
       Vortag „einen tollen Tag gefeiert“, betont der Regierende Bürgermeister.
       „Die Stadt war bunt und hat gezeigt, wie vielfältig und wie offen sie ist.
       Aber um 22 Uhr wurde es dunkel.“
       
       Am späten Samstagabend hatte [1][ein mutmaßlich islamistischer Attentäter
       an diesem Ort in einem weißen Transporter mehrere Menschen angefahren] und
       mit einer Machete attackiert. Eine Frau starb, mindestens 29 Personen
       wurden verletzt, mehrere davon schwer. Nur wenige hundert Meter weiter
       feierten zu dem Zeitpunkt tausende Menschen den Christopher Street Day
       (CSD) auf der Straße des 17. Juni.
       
       Das demolierte Tatfahrzeug steht am Sonntag noch im Gebüsch. Nach [2][dem
       mutmaßlichen Täter, einem 21-jährigen Mann aus Berlin], wird weiter
       gefahndet.
       
       ## Tag der Trauer
       
       „Es wurde bewusst die Nähe zum CSD gesucht“, sagt Wegner am Sonntag.
       Gleichwohl habe der Täter die Strecke des CSD nicht getroffen, weil die
       Polizei das Fest abgesichert habe. „Aber rund 400 Meter daneben sind immer
       noch Besucherinnen und Besucher, viele Menschen, die die Veranstaltung
       verlassen haben oder wieder hingehen wollten.“ Man müsse schauen, wie
       solche Veranstaltungen und Festivals in Zukunft noch besser geschützt
       werden können, so der Regierende weiter.
       
       Der Anschlag trifft die selbsternannte Regenbogenhauptstadt Berlin schwer.
       Der CSD [3][sollte größer, bunter und länger sein als je zuvor]. Aber dann
       kam alles anders. Wenige Stunden nach dem Attentat spricht der
       Queerbeauftragte des Berliner Senats, Alfonso Pantisano (SPD), von einem
       „großen Trauertag für die queere Community“. Gleichzeitig sei er der
       Polizei, Sanitäter:innen und Seelsorger:innen sehr dankbar, dass
       sie die Lage vor Ort schnell und professionell im Griff gehabt hätten.
       
       Zahlreiche weitere Landespolitiker:innen zeigen sich am Sonntag
       bestürzt: „Ich trauere als Teil der LGBTIA+-Gemeinde mit meiner Community
       um die Freude und die Liebe, die den gestrigen CSD in Berlin geprägt haben,
       und die am Ende dem Entsetzen und der Angst weichen mussten“, sagt etwa
       [4][Werner Graf], Grünen-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl im
       September.
       
       ## Sondersitzungen von Senat und Innenausschuss geplant
       
       [5][Elif Eralp], Spitzenkandidatin der Linken, schreibt in einem Statement,
       ihre Gedanken seien bei allen, die nun in Angst um ihre Sicherheit als
       queere Person sind. „Ihnen möchte ich sagen: Wir stehen fest an eurer
       Seite.“ CDU-Spitzenkandidat und Finanzsenator [6][Stefan Evers] erklärt, es
       treffe „unsere Stadt mitten ins Herz“. Es gebe einiges aufzuklären. „Dann
       ist die Zeit für Konsequenzen.“ Und [7][SPD-Chef Steffen Krach] sagt: „Es
       erschüttert uns, dass ein Tag der Liebe angegriffen wird. Wir stehen
       zusammen.“
       
       Eigentlich ist Berlin gerade in den Sommerferien, und der politische
       Betrieb holt kurz Luft, bevor es in die heiße Phase des [8][Wahlkampfs zur
       Abgeordnetenhauswahl im September] geht. Doch damit ist es wohl erst einmal
       vorbei. Die Berliner AfD etwa hat schon begonnen, den Angriff für ihre
       Agenda zu nutzen. In ersten Statements machte Landeschefin Kristin Brinker
       die „katastrophale Migrationspolitik“ für die Tat verantwortlich.
       
       Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) brach am Sonntag ihren Urlaub
       ab, um an einer eilig einberufenen Sondersitzung des Senats teilzunehmen.
       Ergebnisse waren bis Redaktionsschluss nicht bekannt. Auch der
       Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses soll in den kommenden Tagen
       außerplanmäßig zusammenkommen, wie die Fraktionschefs von CDU und SPD, Dirk
       Stettner und Raed Saleh, am Sonntag ankündigten. „Es bedarf der lückenlosen
       Aufklärung“, so die beiden Abgeordneten in einem gemeinsamen Statement.
       
       26 Jul 2026
       
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