# taz.de -- Solidarität nach CSD-Anschlag: Straight für Queer
       
       > Heterosexuelle zeigen nach dem Anschlag auf den Berliner CSD Solidarität
       > mit der Queer-Community. Aber wo bleibt die Mehrheit?
       
 (IMG) Bild: Schon lange Allies: die Franziskanerschwestern Hildegard und Juvenalis
       
       „Ihr seid nicht allein! Liebe oder Identität dürfen niemals Grund für
       Gewalt, Hass und Ausgrenzung sein.“ Das verkündet, sichtlich berührt,
       Shirley Zapf von Victims of Terrorism (VoT Germany). Zapf hat vor 10 Jahren
       ihre Eltern bei einem Terroranschlag in Istanbul verloren und zeigt nun am
       Sonntag bei der Kundgebung von „Straight Against Hate“ Gesicht. Die Idee
       der Veranstaltung im Tiergarten: Heteros solidarisieren sich sichtbar mit
       Queers. [1][Denn gerade nach dem Terroranschlag auf den Berliner CSD]
       braucht es nicht nur die LGBTIQ*-Community, die sich für Gleichberechtigung
       und gegen Hass einsetzt.
       
       Auch die beiden Franziskaner-Ordensschwestern Juvenalis und Hannelore sind
       bei dem Solidarisierungsevent auf der kleinen Bühne hinter dem Homomahnmal
       dabei. Lange bevor es den Begriff „queer ally“ im deutschsprachigen Raum
       überhaupt gab, engagierten sich die beiden Schwestern aus der
       Ordensgemeinschaft Münster-Mauritz: Seit über 30 Jahren arbeiten die beiden
       in Berlin mit HIV-erkrankten Menschen.
       
       „Für uns ist klar, dass wir gerade in der jetzigen Zeit, wo
       Queerfeindlichkeit und Homophobie sehr verbreitet sind, ein deutliches
       Signal von Solidarität geben“, sagt Hannelore der taz. Juvenalis ergänzt:
       „Wir glauben an einen solidarischen und menschenfreundlichen Gott, der
       jeden Menschen bedingungslos liebt.“ Und so waren die beiden katholischen
       Frauen sowohl beim diesjährigen Berliner CSD als auch der anschließenden
       Mahnwache dabei. „Uns als Franziskanerinnen ist es wichtig zu sagen: Ja,
       ihr könnt euch auf unsere Solidarität verlassen!“
       
       Auf der Bühne stehen die beiden Katholikinnen mit Imam Mo von der
       Ibn-Rushd-Goethe-Moschee, der stolz seine Fahne „Liebe ist halal“ hochhält.
       Und die Liste der vielen heterosexuellen Rednerinnen ist lang: Welcoming
       out, Omas gegen Rechts, Diversero, Eltern gegen Rechts und sogar
       Antidiskriminierungs-Senatorin Cansel Kiziltepe. Begleitet werden die
       vielen emotionalen Reden mit Live-Musik von Tochter und Paula Paula – und
       zum Happy End läuft „Super Trouper“ von Abba.
       
       Rund 200 Menschen versammeln sich nur wenige Meter vom Tatort des Anschlags
       entfernt. Kein Wunder, dass für die Kundgebung von „Straight Against Hate“
       relativ viel Polizei mit Absperrungen präsent ist. Die schaut genau hin,
       wer sich der Veranstaltung nähert, sodass bei schönstem Sonnenschein das
       ausgeklügelte Programm höchst professionell ablaufen kann.
       
       ## Keine völlig neue Idee
       
       Neu ist die Idee nicht, dass Heteros sich für Queers einsetzen: Bereits
       Anfang der 70er entstand mit PFLAG – Parents, Families and Friends of
       Lesbians and Gays – eine Non-Profit-Organisation in den USA, die sich mit
       der LGBTIQ*-Community verbündete. Heute treten die sogenannten Allies
       (Verbündeten) auf vielen Prides in den USA auf.
       
       Zu den Organisatorinnen in Berlin gehören Queer-Aktivistin Cornelia Fleck
       und ihre heterosexuelle Zwillingsschwester Nina, die durch das liebevoll
       organisierte Programm führen. Höchste Zeit, dass auch in Deutschland die
       Mehrheitsgesellschaft Flagge zeigt. Schade, dass am Ende trotz der
       ausgeklügelten Orga nur ein paar hundert Menschen zusammenkommen. Wo sind
       eigentlich die vielen Heteros, die gegen Hass und Hetze einstehen? Wo sind
       die vielen Brüder, Schwestern, Eltern und Freund:innen von queeren
       Menschen, wenn sie gebraucht werden.
       
       31 Aug 2026
       
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