# taz.de -- Organisator über CSD in Bremen: „Wir lassen uns nicht einschüchtern“
       
       > Einen Monat nach dem Anschlag auf den Berliner CSD findet in Bremen die
       > queere Demonstration statt – in enger Kooperation mit der Polizei.
       
 (IMG) Bild: Vier Beine und eine Krawatte: Teilnehmer*in auf dem CSD in Bremen
       
       taz: Herr Dadanski, welche Auswirkungen hatte der [1][tödliche Anschlag auf
       den Christopher Street Day (CSD)] in Berlin Ende Juli für die Organisation
       des Bremer CSD?
       
       Robert Dadanski: Wir merken, dass der CSD viel mehr thematisiert wird.
       Manche Leute haben jetzt Bedenken, aber von den meisten hören wir etwas wie
       [2][„Jetzt erst recht!“].
       
       taz: Ist das nur in der queeren Community so präsent? 
       
       Dadanski: Nein, allgemein im Alltag. Hier auf dem Vereinsgelände von Queer
       Cities begegnen uns auch Menschen, die nicht queer sind. Von denen erfahren
       wir gerade sehr viel mehr Solidarität als sonst. Wir sind hier in der
       Bremer Überseestadt sehr sichtbar, weil draußen eine große Regenbogenflagge
       weht.
       
       taz: Wie drückt sich die Solidarität aus? 
       
       Dadanski: Die Menschen finden es einfach schlimm, was in Berlin passiert
       ist und sprechen über das, was ihnen dazu durch den Kopf geht. Ich
       persönlich freue mich sehr darüber und fühle mich dann sehr sicher in
       Gegenwart dieser Person.
       
       taz: Bereiten Sie sich im Team anders vor als in den Vorjahren? 
       
       Dadanski: Nein. Der größte Unterschied ist, dass die Kommunikation mit der
       Polizei noch intensiver ist als sonst, wobei das auch letztes Jahr schon so
       war, weil es Drohbriefe gegen uns gegeben hatte. Ansonsten gibt es im
       Vorfeld wie immer unheimlich zu tun, zum Beispiel Freiwillige für den
       Ordnerjob zu motivieren oder allen zu erklären, wo sie ihre Startnummern
       für den Demozug finden.
       
       taz: Hat sich am Sicherheitskonzept nach dem Anschlag etwas geändert?
       
       Dadanski: Die Frage kann nur die Polizei beantworten, da sie allein dafür
       zuständig ist. Das liegt daran, dass der Bremer CSD vollständig eine
       Demonstration ist und kein Umzug wie in vielen anderen Städten. Wir
       vertrauen der Bremer Polizei in dieser Hinsicht absolut. Für die wird es
       aber schon eine Herausforderung, weil zeitgleich ein Pokalspiel im
       Weserstadion stattfindet und es ein großes Konzert auf der Bürgerweide
       hinter dem Bahnhof gibt.
       
       taz: Wie ist die Kommunikation mit der Bremer Polizei?
       
       Dadanski: Die war für uns vom Organisations-Team des CSD immer schon sehr
       gut. Der Bremer CSD ist auch der erste CSD, an dem die Polizei selbst mit
       einem Wagen teilgenommen hat – 2018 war das.
       
       taz: Hat sich an Ihrem persönlichen Sicherheitsgefühl durch den Anschlag
       etwas geändert? 
       
       Dadanski: Nein, eigentlich nicht. Mir war schon vorher klar, dass so etwas
       passieren kann, es gab ja auch Anschläge auf andere Demonstrationen und auf
       Weihnachtsmärkte.
       
       taz: Und unabhängig vom CSD? Ich denke seit ein paar Jahren bei jeder
       trans* Person und jedem gleichgeschlechtlichen Paar, das in der
       Öffentlichkeit Händchen hält: „Hoffentlich passiert euch nichts …“ 
       
       Dadanski: Sagen wir mal so: Ich bin in den 1980er-Jahren zur Schule
       gegangen und habe noch ganz andere Zeiten erlebt.
       
       taz: Ja, ich auch. Deshalb waren Queers auch kaum sichtbar im öffentlichen
       Raum. Aber es gab doch eine Entspannung in den Nuller-, vielleicht auch
       erst in den Zehnerjahren. Da musste man in westdeutschen Großstädten
       weniger Angst haben, wenn man erkennbar zum CSD unterwegs war.
       
       Dadanski: Ja, vielleicht. Aber ich denke da nicht so viel drüber nach,
       einfach schon deswegen, weil ich den CSD mit organisiere.
       
       taz: Dann mal anders gefragt: Warum ist es gut, dass der Bremer CSD jetzt
       stattfindet?
       
       Dadanski: Das Beispiel Hamburg hat gezeigt, wie gut es ist zu zeigen, dass
       wir uns nicht einschüchtern lassen, dass die Community und deren Verbündete
       weiter auf die Straße gehen. Auf dem Hamburger CSD eine Woche nach dem
       Anschlag waren mit 300.000 Personen so viele Teilnehmer:innen wie nie
       zuvor!
       
       taz: Mit wie vielen Teilnehmer:innen rechnen Sie? 
       
       Dadanski: Das kann man nie so genau sagen vorab. Auf dem letzten CSD waren
       29.000. Und in diesem Jahr nehmen 54 Gruppen teil, im letzten waren es 48.
       Die haben alle unterschiedliche Schwerpunkte in ihren politischen
       Forderungen. Unser gemeinsames Motto ist „Generationen voller Pride:
       glücklich, sichtbar, stark“. Damit wollten wir vor allem die ältere
       Generation ein bisschen mehr ins Boot holen.
       
       20 Aug 2026
       
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