# taz.de -- Unbequeme Klimaschutzvorgaben: Ölkonzern will EU verklagen
> Dem Energiekonzern ExxonMobil passen die EU-Vorgaben zum Klimaschutz
> nicht. Nun droht das US-Unternehmen, die EU vor einem privaten
> Schiedsgericht zu verklagen.
(IMG) Bild: Die Raffinerie im Hafen von Antwerpen gilt als Hauptquelle der Kohlendioxid-Emissionen in Belgien: betrieben von Total und Exxon
Der US-amerikanische Ölkonzern ExxonMobil will offenbar die EU vor einem
privaten Schiedsgericht verklagen. Das [1][berichtet das Medienportal
IAReporter], das auf [2][Investor-Staats -Schiedsverfahren] spezialisiert
ist. Hintergrund sind demnach Klimaschutzvorgaben für Unternehmen im Rahmen
des Net-Zero Industry Act der EU. Das Gesetz verlangt von Öl- und
Gasförderern in Europa, dass sie in die unterirdische Speicherung von CO2
investieren als Beitrag zu den europäischen Klimazielen.
Die beiden Exxon-Töchter ExxonMobil Producing Netherlands und Mobil
Erdgas-Erdöl in Deutschland haben dagegen bereits Klage vor dem Gericht der
Europäischen Union eingelegt. Nun will ExxonMobil offenbar den Druck
erhöhen. Die sogenannte Streitanzeige sei der erste Schritt. Danach habe
die Europäische Kommission drei Monate Zeit, um auf Exxon einzugehen,
ansonsten könne der Konzern ein Investor-Staat-Schiedsverfahren einleiten,
erklärt Lukas Schaugg, der zu Investitionen und Energie bei der Denkfabrik
International Institute for Sustainable Development (IISD) arbeitet.
Für Schaugg ist das Vorgehen von Exxon eine klare „Botschaft an die
Regierungen, dass keine Klimaverpflichtung für diese Branche der
Konfrontation mit Investitionsschiedsverfahren standhält“. Denn ExxonMobil
hat selbst jahrelang für die Speicherung von Kohlendioxid geworben als
zentrale Maßnahme für Klimaschutz. Mit den Regelungen würden die beiden
Tochtergesellschaften nun verpflichtet, weniger als 1,5 Prozent – insgesamt
730.000 Tonnen des Jahresziels von 50 Millionen Tonnen – zu speichern.
## ExxonMobil findet Klimavorgaben zu kostspielig
Weder die Europäische Kommission noch ExxonMobil wollten den Vorgang
gegenüber der taz bis Redaktionsschluss bestätigen. IAReporter zitiert
einen Sprecher des Ölkonzerns, der beklagt, dass die Einhaltung der
Vorschriften zur CO2-Speicherung „extrem kostspielig“ sei, Unternehmen
benachteilige und „Lebenshaltungskosten für alle Europäer in die Höhe“
treibe. „Bei diesem Streit geht es ebenso sehr darum, Europa vor sich
selbst zu bewahren, wie darum, dass die Öl- und Gasindustrie gegen ein
weiteres irrationales Gesetz aus Brüssel kämpft.“ Die Kommission habe nun
„die Chance, dies zu korrigieren“.
Schaugg fordert hingegen die EU auf, die „Verfahrensprivilegien der
Ölkonzerne“ zu beseitigen. Laut IAReporter klagt ExxonMobil auf Basis des
Energiecharta-Vertrags, ein Investitionsschutzabkommen speziell für die
Energiebranche, das vielfach von Ölkonzernen genutzt wurde, um gegen
Klimaschutzvorgaben vorzugehen.
[3][Die EU ist aus dem Vertrag 2024 ausgetreten], laut einer Klausel dürfen
Konzerne jedoch auch noch 20 Jahre nach Vertragsende klagen. Unklar ist
aktuell noch, welche Exxon-Gesellschaft die Anzeige tatsächlich eingereicht
hat, denn die Vereinigten Staaten gehören dem Energiecharta-Vertrag gar
nicht an. EU-Tochtergesellschaften aber dürfen nicht gegen die EU klagen.
27 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.iareporter.com/articles/exxonmobil-submits-ect-notice-of-dispute-to-the-european-union/
(DIR) [2] /Studie-zu-Investitionsschutzpolitik/!6172629
(DIR) [3] /Austritt-aus-umstrittenem-Abkommen/!6006641
## AUTOREN
(DIR) Leila van Rinsum
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