# taz.de -- Studie zu Profiten: Ölkonzerne verdienen Milliarden am Irankrieg
> Die größten fossilen Energiekonzerne verdoppeln laut einer Studie der
> Entwicklungsorganisation Oxfam ihre Profite – und heizen die Klimakrise
> an.
(IMG) Bild: Shell gehört zu den Ölriesen, die ordentlich an der Krise verdienen
Trotz ihrer Mitverantwortung für die Klimakrise steigern die großen
Ölkonzerne weiter ihre Gewinne. Sechs der weltweit größten fossilen
Energiekonzerne – BP, Chevron, Eni, Exxon Mobil, Shell und Total Energies –
werden im zweiten Quartal 2026 mit insgesamt 46 Milliarden US-Dollar
doppelt so hohe Nettoprofite wie im ersten Quartal des Jahres einfahren.
Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Untersuchung der
Entwicklungsorganisation Oxfam. Aller Voraussicht nach werde Chevron seine
Gewinne von April bis Juni auf 1.200 US-Dollar pro Sekunde vervierfachen.
Die meisten Unternehmen veröffentlichen ihre Quartalszahlen erst in den
kommenden Tagen. Insgesamt rechnet Oxfam damit, dass sich die [1][Profite
der sechs Big-Oil-Konzerne im Jahr 2026] auf 147 Milliarden US-Dollar
summieren. Das wäre mehr als in den vorangegangenen 21 Monaten, von April
2024 bis Dezember 2025.
Ursache sind die [2][gestiegenen Rohstoffpreise] durch den Konflikt in der
Golfregion. Der Krieg zwischen den USA, Israel und Iran sowie die
zeitweise Schließung der Straße von Hormus haben das weltweite Angebot
verknappt, die Preise für Rohöl und Gas erreichten Höchstwerte. Der
französische Konzern Total Energies verkündete bereits ein Plus seines
Nettoprofits im zweiten Quartal um 67 Prozent auf 6 Milliarden Dollar. Das
norwegische Unternehmen Equinor ist zwar kleiner, meldete aber einen noch
drastischeren Gewinnzuwachs im zweiten Quartal: 3,23 Milliarden US-Dollar,
93 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Die Oxfam-Untersuchung basiert auf Berechnungen zu den Gewinnerwartungen
der Ölmultis der Analyseplattform Standard & Poor’s Capital IQ. In
Deutschland hatten die Ölkonzerne die Spritpreise nach dem Ende des
Tankrabatts wieder deutlich erhöht. Immerhin sanken die Preise zum
Wochenanfang nach dem Ende von US-Angriffen auf den Iran. US-Präsident
Donald Trump hatte zudem gesagt, es gebe „gute Gespräche“ mit Teheran.
## Übergewinnsteuer für Krisengewinnler
Die Geschäfte der Öl- und Gaskonzerne laufen nicht nur blendend, sie
treiben auch die Erderhitzung an. Die historischen Emissionen von BP,
Chevron, Exxon Mobil, Shell und Total Energies sind laut Oxfam
mitverantwortlich für jede vierte Hitzewelle zwischen 2000 und 2023. Allein
im vergangenen Jahr waren sie für emissionsbedingte Umweltschäden in Höhe
von schätzungsweise 60 Milliarden US-Dollar mitursächlich. Die
Oxfam-Analyse stützt sich in diesem Punkt auf eine [3][Studie aus der
Fachzeitschrift Nature].
Oxfam forderte erneut, die Krisengewinnler mit einer Übergewinnsteuer zu
belegen. „Gerechte“ Abgaben auf die Gewinne von 585 fossilen Konzernen
könnten im ersten Jahr weltweit bis zu 400 Milliarden US-Dollar erlösen.
Dafür brauche es laut der Organisation Steuern von mindestens 50 Prozent
auf alle Unternehmensgewinne, die über einer Rendite von 10 Prozent liegen.
Im fossilen Sektor solle die Steuer schon bei Renditen ab 3 Prozent erhoben
werden.
Auch die Grünen fordern eine branchenunabhängige nationale
[4][Übergewinnsteuer] – scheiterten damit aber im Finanzausschuss des
Bundestages, der im Juli das Vorhaben mit den Stimmen von Union, SPD und
AfD ablehnte. Als Übergewinn definierten die Grünen die Steigerung eines
Inlandsgewinnes um mindestens 15 Prozent im Vergleich zu einem
Sieben-Jahres-Zeitraum. Der Steuersatz soll mindestens 33 Prozent betragen.
„Die obszönen Gewinne der Ölkonzerne schreien nach einer Übergewinnsteuer“,
sagte der energiepolitische Sprecher Michael Kellner am Dienstag der
Nachrichtenagentur Reuters. Die zusätzlichen Einnahmen sollten für eine
geringere Stromsteuer genutzt werden.
2022 war angesichts der stark gestiegenen Energiepreise infolge des
Ukrainekrieges eine EU-Übergewinnsteuer eingeführt worden. Erdöl-, Gas-,
Kohle- und Raffineriekonzerne mussten „Überschusserlöse“ mit zusätzlich 33
Prozent versteuern, wenn diese mehr als ein Fünftel über dem Durchschnitt
der Vorjahre lagen. Die EU-Staaten erlösten damit zeitweise ein Viertel
ihrer Unterstützungsmaßnahmen zur Abfederung der damaligen Energiepreise.
Allerdings gibt es auch Ökonom*innen, die gegen eine solche „Windfall tax“
sind, weil diese [5][den Markt verzerren] könne. Außerdem kann sie schnell
verpuffen, zum Beispiel, wenn die Ölpreise nach einem Ende des Irankrieges
fielen.
## Teurer Sprit gut für Antriebswende
Die hohen Benzinpreise treiben aber auch die Antriebswende an: Die
Ölpreisentwicklung wirkt wie ein „externer Beschleuniger für die
Verbreitung der Elektromobilität“, zeigt [6][eine am Dienstag
veröffentlichte Studie der Unternehmensberatung PwC] über Neuzulassungen in
43 Ländern weltweit. Dort seien im zweiten Quartal mehr als 3,9 Millionen
reine Elektroautos verkauft worden – „ein Rekord bei Volumen und
Marktanteil“, erklärte PwC.
Im zweiten Quartal habe der Anteil neuer reiner Elektroautos (BEV) in der
EU mit 22 Prozent „den höchsten Wert aller Zeiten“ erreicht und erstmals
die Marke von 600.000 Fahrzeugen überschritten. In Deutschland war der
BEV-Anteil an den Neuzulassungen im Juni mit 28,4 Prozent höher als der
aller anderen Antriebsarten. Die hohen Spritpreise führen sogar zu einem
Zuwachs im lange vor sich hin dümpelnden Gebrauchtwagenmarkt: In
Deutschland hat sich der Anteil an gebrauchten Elektrofahrzeugen seit Mai
2025 auf über 6 Prozent im Mai 2026 verdoppelt.
28 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Energiekonzern-verdoppelt-Gewinne/!6174620
(DIR) [2] /-Nachrichten-im-Nahostkrieg-/!6198387
(DIR) [3] https://briefing.table.media/r/SUbsQlD1519151ms21070.html
(DIR) [4] /Uebergewinnsteuer/!6181103
(DIR) [5] https://www.zew.de/das-zew/aktuelles/uebergewinnsteuer-in-der-krise-nur-bedingt-wirksam
(DIR) [6] https://www.pwc.de/de/automobilindustrie/electric-vehicle-sales-review.html
## AUTOREN
(DIR) Kai Schöneberg
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