# taz.de -- Folgen der Klimakrise: Wenn Wassermangel normal wird
       
       > Flüsse und das Grundwasser haben immer häufiger niedrige Pegelstände. Das
       > ist nicht nur für die Schifffahrt ein Problem.
       
 (IMG) Bild: Niedrigwasser am Rhein in Bonn, für Ruderboote reicht es noch
       
       Nur etwa jedes siebte Gewässer in Deutschland leidet derzeit nicht unter
       Niedrigwasser. In jedem dritten Gewässer ist der Wasserstand sogar extrem
       niedrig. Das zeigt das neue Niedrigwasser-Informationssystem [1][Niwis],
       das Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) am Mittwoch in Berlin
       vorstellte.
       
       Niedrige Pegelstände in Flüssen und dem Grundwasser sowie ausgetrocknete
       Böden seien wegen des Klimawandels längst keine Ausnahme mehr, sagte
       Schneider. „Deshalb müssen wir Wasserknappheit früher erkennen und besser
       vorsorgen.“ Dafür sei Niwis eine Grundlage.
       
       Laut der Bundesanstalt für Gewässerkunde ist fehlender Regen nicht der
       einzige Grund für Niedrigwasser. Wasser verdunste schneller, wenn es heiß
       ist und viel Wind weht. Außerdem sänken die Wasserstände rascher, wenn die
       Grundwasservorräte in der Region erschöpft sind. Auch diese Daten sammelt
       Niwis: Demnach sind zwei Drittel der Grundwasserpegel in Deutschland
       niedriger als gewöhnlich.
       
       Für die Trinkwasserversorgung bestehe zwar akut keine Gefahr, sagt Lucilia
       Westphal vom Naturschutzbund (Nabu) der taz. „Dass Trinkwasser immer
       verfügbar ist, hat verfassungs- und wasserrechtlich höchste Priorität“,
       sagt sie.
       
       ## Niedrigwasser [2][gefährdet seltene Arten] – und die Wirtschaft
       
       Entwarnung bedeutet das aber nicht: „Wenn Kleingewässer wie Teiche
       austrocknen, kann das lokal zum vollständigen Verlust von Libellen-,
       Kröten-, Frosch- oder Pflanzenarten führen, die sich oft nicht wieder
       erholen, wenn der Teich wieder vollregnet“, sagt Westphal. Kleingewässer
       seien Biodiversitätshotspots, die ohnehin häufig in keinem guten
       ökologischen Zustand seien.
       
       Dazu kommt: Führen Flüsse und Seen weniger Wasser, konzentrieren sich die
       [3][Schad- und Düngestoffe aus Klärwerken, Industrie und Landwirtschaft] im
       verbleibenden Rest. „Da wärmeres Wasser zudem physikalisch weniger
       Sauerstoff binden kann, der Bedarf der Organismen aber gleich bleibt, droht
       den Gewässern der plötzliche Kollaps“, sagt Westphal. „Solche biologischen
       Kipppunkte führen dann schlagartig zum Absterben von Fischen und
       Amphibien.“
       
       Auch die Wirtschaft ist betroffen. Zum Beispiel werden zahlreiche Waren auf
       Flüssen transportiert. „Die Binnenschifffahrt transportiert zwar nur einen
       vergleichsweise kleinen Teil der gesamten Gütermenge in Deutschland, ist
       aber für schwere Massengüter und industrielle Grundstoffe, die häufig am
       Anfang der Produktionskette stehen, besonders wichtig“, sagt Saskia
       Meuchelböck vom Kiel Institut für Weltwirtschaft dem Science Media Center.
       Besonders für den Transport von Erzen, Steinen und Erden, von Öl, Gas und
       Kohle sowie chemischen Erzeugnissen ist die Binnenschifffahrt wichtig.
       
       Das hat konkrete Auswirkungen auf die Unternehmen, die von den
       Flusstransporten abhängig sind. „Während der Niedrigwasserperiode 2018
       verzeichneten Unternehmen, die für ihre Importe auf die Binnenschifffahrt
       angewiesen waren, einen Rückgang ihrer Gesamtexporte um rund 4 Prozent“,
       sagt Meuchelböck.
       
       Davon ist laut der Forscherin auch die Wirtschaft als Ganzes betroffen:
       „Historische Daten zeigen, dass ein Monat mit 30 Tagen Niedrigwasser am
       kritischen Rheinpegel Kaub mit einem Rückgang der Industrieproduktion von
       rund 1 Prozent einhergeht.“ Inzwischen hätten aber viele Unternehmen ihre
       Lieferketten angepasst, „das spricht dafür, dass die Auswirkungen heute
       geringer ausfallen könnten als 2018“.
       
       ## Naturschützerin: „Wir müssen den Flüssen Raum geben“
       
       Für das Niedrigwasser ist die Binnenschifffahrt mitverantwortlich, denn
       unter anderem für die Schiffbarkeit wurden und werden viele Flüsse in
       Deutschland begradigt. „Naturnahe, unbegradigte Gewässer und ihre Auen
       wirken wie eine Versicherung gegen Extreme“, sagt Westphal. Sie bremsten
       den Abfluss und hielten Wasser bei Hochwasser in der Fläche zurück, um es
       in Trockenzeiten langsam wieder abzugeben. „Da wir jedoch den Großteil
       unserer ehemaligen Auen verloren haben, fehlt uns dieser natürliche Puffer
       heute schmerzlich“, sagt Westphal. „Wir müssen den Flüssen wieder Raum
       geben, um das Wasser in der Fläche zu halten.“
       
       Obwohl Hitze und Trockenheit mit der zunehmenden Erderhitzung häufiger und
       heftiger werden, gibt es neben der Renaturierung von Flüssen zahlreiche
       Maßnahmen, um Niedrigwasser vorzubeugen – Moore wieder zu vernässen zum
       Beispiel. „Gesunde Moore funktionieren wie ein Schwamm: Sie nehmen Wasser
       auf und geben es bei Trockenheit langsam an die Umgebung ab“, sagt
       Westphal.
       
       Westphal fordert außerdem eine „wassersensible Landnutzung“ auf Äckern und
       Weiden, um klimaresilienter zu werden. „Durch den Aufbau von Humus, den
       Einsatz von Zwischenfolgefrüchten und den Rückbau von Entwässerungsgräben
       erhöhen wir die Infiltrationsleistung und Wasserspeicherkapazität unserer
       Böden“, sagt sie. „Wenn wir jetzt [4][nicht radikal gegensteuern], drohen
       uns auch hierzulande handfeste Engpässe.“
       
       15 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [2] /Nach-Erdrutschen-auf-Sumatra/!6186220
 (DIR) [3] /Abstimmung-im-EU-Parlament/!6188433
 (DIR) [4] /Ist-Klimaschutz-over/!6177944
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Waack
       
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