# taz.de -- Den Haager Haftbefehl gegen Netanjahu: Mamdani will, darf aber nicht
> New Yorks Bürgermeister würde Israels Ministerpräsidenten Netanjahu gern
> verhaften lassen, wenn er zur UN-Generalversammlung reist. Doch er hat
> dazu keine Befugnis.
(IMG) Bild: Zohran Mamdani. Nur die Vertragsstaaten des IStGH sind verpflichtet, seine Haftbefehle umzusetzen – die USA gehören nicht dazu
[1][New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani] würde gerne den Haftbefehl des
Internationalen Strafgerichtshofs (IstGH) gegen Benjamin Netanjahu
vollstrecken, wenn Netanjahu im September zur UN-Generalversammlung nach
New York kommt. Doch das geht nicht: Eine rechtliche Prüfung habe ergeben,
dass die Stadt New York dazu keine Befugnis habe, sagte Mamdani in einem am
Dienstag in Onlinenetzwerken verbreiteten Video.
Mamdani hatte am Samstag das New York Police Department mit einer
entsprechenden Prüfung beauftragt. [2][US-Präsident Donald Trump] ließ am
Montag allerdings verlauten: Netanjahu werde in den USA ganz sicher nicht
verhaftet. Die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Fall und zum Umgang
mit IStGH-Haftbefehlen.
Um welchen Haftbefehl geht es?
Eine Vorprüfungskammer des Internationalen Strafgerichtshofs (IstGH) hat im
November 2024 [3][Haftbefehle gegen den israelischen Ministerpräsidenten
Benjamin Netanjahu] und den ehemaligen Verteidigungsminister Joav Galant
beschlossen. Beide werden wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die
Menschlichkeit durch die [4][Kriegsführung in Gaza] verdächtigt. Der
Haftbefehl konnte bisher noch nicht vollstreckt werden.
Sind die USA verpflichtet, den IStGH-Haftbefehl zu vollstrecken?
Nein. Der Internationale Strafgerichtshof beruht auf einem
völkerrechtlichen Vertrag (Römisches Statut), den 125 Staaten ratifiziert
haben. Die USA gehören nicht dazu. Nur die Vertragsstaaten des IStGH sind
verpflichtet, seine Haftbefehle umzusetzen.
Ist die New Yorker Polizei berechtigt, Benjamin Netanjahu festzunehmen?
Nein. Als Staatschef eines anderen Staates genießt Netanjahu in den USA
Immunität und darf nicht festgenommen werden. Dies gilt erst recht für
Sitzungen der Vereinten Nationen im New Yorker UN-Hauptquartier, für die
zusätzliche Immunitätsgarantien gelten. Zwar gilt laut Römischem Statut die
Immunität von Staatschefs nicht, wenn sie wegen Kriegsverbrechen und
anderer Menschheitsverbrechen verfolgt werden. Diese Regel des Römischen
Statuts berechtigt aber nur Vertragsstaaten zur Strafverfolgung von
Staatschefs, nicht die USA.
In den USA kommt hinzu, dass die Zusammenarbeit mit dem IStGH nach US-Recht
sogar verboten und strafbar ist. Dies besagt seit 2001 der American Service
Members’ Protection Act, der nicht nur US-Bürger, sondern auch Bürger
verbündeter Staaten wie Israel vor IStGH-Strafverfolgung schützt. Dass
Zohran Mamdani angesichts dieser Rechtslage auf die Idee kommt, er könne
Benjamin Netanjahu in den USA festnehmen und an den IStGH überstellen
lassen, ist sehr verwunderlich.
Wie ist der Umgang mit Netanjahu in IStGH-Vertragsstaaten?
Alle 125 IStGH-Vertragsstaaten sind verpflichtet, Netanjahu festzunehmen.
Allerdings halten sich viele Vertragsstaaten nicht daran. In Ungarn war
Netanjahu im April 2025 zu Besuch, ohne dass er behelligt wurde. Ungarns
damaliger Ministerpräsident Viktor Orbán kündigte sogar den Austritt
Ungarns aus dem Römischen Statut an, der allerdings nicht für bereits
laufende Ermittlungen gegolten hätte. Ungarns neue Regierung unter Peter
Magyar hat den Austritt inzwischen zurückgenommen.
2025 erklärten auch andere EU-Staaten wie Frankreich, Polen und
Deutschland, dass sie Netanjahu im Falle einer Einreise nicht festnehmen
würden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte Netanjahu sogar direkt
nach seinem Wahlsieg im Februar 2025 eingeladen, nach Deutschland zu
kommen, was zu Zweifeln an seinem Rechtsstaatsverständnis führte.
Welche Folgen hatte der IstGH-Haftbefehl gegen den russischen Präsidenten
Wladimir Putin?
Eine Vorverfahrenskammer des IStGH hat im März 2023 einen Haftbefehl gegen
Putin erlassen, weil er für das Kriegsverbrechen der Entführung
ukrainischer Kinder nach Russland verantwortlich gemacht wurde. Seitdem
muss er in IStGH-Vertragsstaaten mit Verhaftung rechnen und reist dort in
der Regel nicht hin. An einem Treffen des Brics-Staatenbündnisses im August
2023 in Südafrika nahm Putin nur per Videokonferenz teil. Allerdings reiste
er im September 2023 in den IStGH-Vertragsstaat Mongolei, wo er nicht
festgenommen wurde.
Was droht IStGH-Vertragsstaaten, wenn sie IStGH-Haftbefehle ignorieren?
Nicht viel. Bisher wurden sie allenfalls von der Vertragsstaaten-Konferenz
gerügt. Der erste entsprechende Fall betraf den damaligen sudanesischen
Präsidenten Omar al-Bashir, der unter anderem in die IStGH-Vertragsstaaten
Kenia, Südafrika und Jordanien reiste, ohne dass er festgenommen wurde.
Welche amtierenden Staatschefs wurden bereits aufgrund eines
IStGH-Haftbefehls festgenommen?
Keiner. Der damalige kenianische Präsident Uhuru Kenyatta erschien 2014
aufgrund einer Vorladung freiwillig vor dem IStGH. Ende 2014 wurde die
Anklage zurückgezogen. Die Ex-Präsidenten Laurent Gbagbo (Elfenbeinküste)
und Rodrigo Duterte (Phillippinen) wurden erst nach dem Ende ihrer Amtszeit
festgenommen und 2011 respektive 2025 nach Den Haag überstellt.
22 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Zwischenbilanz-Buergermeister-New-York/!6165832
(DIR) [2] /Schwerpunkt-USA-unter-Trump/!t5079612
(DIR) [3] /IStGH-erlaesst-Haftbefehl-gegen-Netanjahu/!6048927
(DIR) [4] /Gaza-Krieg/!t5015096
## AUTOREN
(DIR) Christian Rath
## TAGS
(DIR) Zohran Mamdani
(DIR) Donald Trump
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Gaza-Krieg
(DIR) Gaza
(DIR) Kriegsverbrechen
(DIR) Haftbefehl
(DIR) New York
(DIR) Internationaler Strafgerichtshof
(DIR) Schwerpunkt Nahost-Konflikt
(DIR) Israel
(DIR) USA
(DIR) Benjamin Netanjahu
(DIR) GNS
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Schwerpunkt USA unter Trump
(DIR) Zohran Mamdani
(DIR) Genozid
(DIR) Europäische Union
(DIR) Milizen in Libyen
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Linker gewinnt Parteiwahl in Michigan: Gegen die Macht der Lobbys
Abdul El Sayed verkauft sich als Mann des Volkes und hat Erfolg damit. Sein
Wahlsieg im US-Bundesstaat Michigan lässt progressive Demokraten hoffen.
(DIR) Mamdani und die Netanjahu-Festnahme: Taktisch richtig, moralisch klar
New Yorks Bürgermeister kann den israelischen Premier nicht festnehmen
lassen. Das zeigt umso mehr: Die US-Linke muss für das Völkerrecht
streiten.
(DIR) Genozid an den Armenier:innen: Kein Votum in der Knesset
Über eine Anerkennung der Verbrechen an den Armenier:innen ab 1915 als
Genozid wird doch nicht abgestimmt. Aserbaidschan soll Druck gemacht haben.
(DIR) EU-Sanktionen: EU ringt um Sanktionen gegen Israel
In der EU ist erneut Streit über mögliche Sanktionen gegen Israel
entbrannt. Es geht um Einfuhrverbot für Produkte aus illegalen Siedlungen.
(DIR) Menschenrechtsurteil in Libyen: Folter im Sinne der europäischen Flüchtlingsabwehr
Ein international gesuchter libyscher Foltergeneral wurde jetzt in Libyen
verurteilt. Kritische Organisationen halten das für Augenwischerei.