# taz.de -- Niedrigwasser in Mittel- und Osteuropa: Stromkrise mit Ansage
> Die Trockenheit zeigt Europa die neue Realität in Zeiten des
> Klimawandels. Es muss dringend gehandelt werden, nicht nur bei der
> Energiepolitik.
(IMG) Bild: Fluss ohne Wasser: die Donau bei Rasova in Rumänien
Die Trockenheit in Mittel- und Osteuropa bricht alle Rekorde. Das zeigt
sich [1][besonders drastisch an der Donau], Europas zweitlängstem Fluss. In
Serbien ist der Pegel so niedrig wie seit 1909 nicht mehr, auch in
Österreich ist der Schiffsverkehr stark eingeschränkt. In Rumänien mussten
Autowerke vorläufig schließen, weil das AKW Cernavodă wegen fehlenden
Kühlwassers nur mehr mit einem statt zwei Reaktoren läuft und Stromengpässe
drohen.
Noch dramatischer trifft es Ungarn, dessen einziges AKW Paks aus demselben
Grund [2][fast komplett heruntergefahren werden musste]. Die Auswirkungen
sind enorm, denn Paks erzeugt etwa die Hälfte des ungarischen Stroms.
Ersatz kommt vor allem aus den Nachbarländern, was die Preise hochtreibt:
Die Notimporte kosten laut Regierung etwa 275 bis 550 Millionen Euro.
Wie teuer die Krise insgesamt kommt, ist offen. Ebenso, ob es zu
großflächigen Stromausfällen kommt. Premier Péter Magyar rief die
Ungar:innen nun eindringlich zum Strom- und Wassersparen auf. Die
Warnung kam reichlich spät. Ebenso wie die Androhung staatlicher Eingriffe,
sollten die Aufforderungen nicht fruchten.
Viel schwerer wiegen die Versäumnisse von Magyars Vorgänger Viktor Orbán,
der von 2010 bis Mai 2026 durchregierte. Zwar baute Ungarn dank massiver
Förderungen die Photovoltaik massiv aus. Windkraft dagegen blockierte Orbán
konsequent: Spätestens ab 2016 wurde keine einzige Windturbine mehr
genehmigt. Der Solarstrom fließt nur tagsüber, weshalb Ungarn auf die
Atomenergie angewiesen blieb, statt die Lücke mit Windkraft zu schließen.
Orbán beschloss gar noch, das AKW Paks von vier auf sechs Blöcke zu
erweitern. Damit wird Ungarns Stromversorgung noch verwundbarer, zumal die
AKW-Brennstäbe aus Russland kommen. Orbán nutzte das Thema Klimaschutz, um
gegen die EU zu wettern und für nationale Souveränität einzutreten.
Genau die ist in Ungarn nun aber gefährdet. Statt Milliarden für
Folgekosten zu zahlen, wäre es vernünftiger, endlich massiv in den
Klimaschutz zu investieren. Die Probleme betreffen schließlich [3][nicht
nur Ungarn, sondern ganz Europa]. Auch der Rhein sank etwa auf einen neuen
Tiefststand, was Kohlentransporte und die Kühlung deutscher Kraftwerke
zunehmend erschwert.
Dieser Tage zeigt sich, dass es Anpassungen an die neue „Normalität“
bedarf. Städte brauchen Bäume, Wasserflächen und offene Böden statt Beton,
[4][damit sie nicht zu Hitzefallen werden]. Der Wasserverbrauch muss
sinken, der fossile Autoverkehr eingeschränkt werden. Und es braucht
endlich den konsequenten Ausbau erneuerbarer Energien. Sonst steckt bald
nicht nur Ungarn, sondern halb Europa in der Energiekrise.
5 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Bayer
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