# taz.de -- Ausstellung „Inventing Queer Cinema“: Mehr schwules als lesbisches Kino
> Die Deutschen Kinemathek in Berlin zeigt zum ersten Mal eine Ausstellung
> zum queeren Kino. Ihr Kern ist das Archiv des queeren Filmverleihs
> Salzgeber.
(IMG) Bild: Reduziert auf eine Farbe: Auch Derek Jarmans letzter Film „Blue“ (1993) ist Teil der Ausstellung „Inventing Queer Cinema“
Meterlang hängen Stahlseile mit Abbildungen aus vielen Jahrzehnten queerem
Kino von der Decke in der Halle des [1][ehemaligen Umspannwerks, das seit
letztem Jahr als Übergangsdomizil der Deutschen Kinemathek dient].
„Inventing Queer Cinema“ – noch knapp zwei Monate lang widmet die
Kinemathek zum ersten Mal in ihrer Geschichte eine Ausstellung explizit dem
queeren Kino. Am Eingang der Halle fächert sich auf mehreren Etagen, teils
etwas versteckt in Schubladen, ein kleiner Ausschnitt des Reichtums an
Archivalien und historischen Filmkostümen auf, der die lange Geschichte des
queeren Films bis zurück ins Kaiserreich skizziert.
Kern der Ausstellung ist jedoch das Archiv des Berliner queeren
Filmverleihs Salzgeber, das parallel an die Deutsche Kinemathek übergeben
wird. Dessen Leiter Björn Koll zeichnet – gemeinsam mit Nils Warnecke,
Kristina Jaspers und Georg Simbeni von der Deutschen Kinemathek – für die
Kuratierung der Ausstellung verantwortlich. Entsprechend ist es denn auch
in erster Linie der Kosmos des Verleihs, der in der Ausstellung gezeigt
wird. Von dem Gründungsfilm des Verleihs, [2][Arthur J. Bressan Jr.s
„Buddies“ von 1985], dem ersten Film über die Aids-Epidemie der 1980er
Jahre, bis in die Gegenwart des Verleihs reichen die Exponate und
Filmausschnitte.
Während die große Halle mit Filmausschnitten und Reproduktionen auf
Bildtafeln grundsätzlich dafür da ist, einen Überblick zu geben, gibt es
zwei Vertiefungsoptionen: die Manfred-Box und die Fernseh-Box. In Ersterer
ist Manfred Salzgeber, der Gründer des Verleihs, mit einer „Einführung in
die queere Filmgeschichte“ von 1993 zu sehen. Daneben laufen Interviews mit
Weggefährt_innen, darunter der vor wenigen Tagen verstorbene ehemalige
Berlinale-Leiter Moritz de Hadeln. Ergänzt werden die Exponate in der
großen Halle durch eine Schatzkammer, im ehemaligen Schaltwerk des
Gebäudes, die kleinteiligere Ausstellungstücke zeigt. An Objekten wie dem
Adressbuch von Manfred Salzgeber wird nicht zuletzt dessen Vernetzung
sichtbar.
Doch die eigentliche Besonderheit von „Inventing Queer Cinema“ ist, dass
die Vielfalt queeren Kinos im Begleitprogramm noch stärker sichtbar wird
als in der Ausstellung selbst. Im kleinen Studiokino, das von der
Ausstellung aus frei zugänglich ist, laufen jeweils von Donnerstag bis
Sonntag viermal täglich Filme. Insgesamt 96 Filme laden dazu ein, queere
Filmgeschichte in großer Vielfalt zu entdecken oder wiederzusehen.
## Queerer Aktivismus in der Filmbranche
Damit nicht genug. Bis Ende August läuft noch die Reihe mit
Gesprächsformaten, die der Kurator Toby Ashraf begleitend zur Ausstellung
organisiert hat. Diesen Freitag sind ab 19 Uhr Vertreter*innen der
Queer Media Society, von #ActOut, Jünglinge und dem Hauptverband Cinephilie
zu Gast und sprechen über queeren Aktivismus in der Filmbranche.
In einer Fishbowl, einem Gesprächskreis mit allen Teilnehmenden, geht es um
Vernetzungen und Hürden für mehr Queerness im (deutschen) Film. In der
Woche darauf geht es um „Selbstverständlichkeiten und Rollenverständnisse:
Frauen, Männer, Trans* im Film“. Die Schauspieler_innen Thea Ehre, Tucké
Royale und Zazie de Paris diskutieren um die Sichtbarkeit von
Trans*identität.
„Inventing Queer Cinema“ ist dem etwas irreführenden Titel zum Trotz in
erster Linie ein vom [3][Salzgeber-Chef Björn Koll] selbst kuratiertes
Institutionenporträt des Filmverleihs Salzgeber und erst in zweiter Linie
Überblicksausstellung zu queerer Filmgeschichte – als solches jedoch
sehenswert. Wie bei jeder Überblicksausstellung wird man auch dünne Stellen
finden, so ist entlang der Geschichte von Salzgeber schwules Kino deutlich
besser vertreten als lesbisches – eine Schlagseite, die auch das Konzept
von queerem Kino in der Ausstellung prägt.
Aber je nach Interesse kann man als Besucher_in vor Ort eigene Schwerpunkte
setzen. Am besten, indem man sich vorher zum Beispiel mit dem Filmprogramm
vertraut macht und einen der Filme in den Ausstellungsbesuch mit einbaut.
Und schon als Begleitprogramm zur Talkreihe muss man dankbar sein, dass es
die Ausstellung gibt. Möge es nach dieser ersten viele weitere
Ausstellungen der Deutschen Kinemathek zu queerem Kino geben.
16 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Fabian Tietke
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