# taz.de -- Neueröffnung Deutsche Kinemathek: Mehr Leinwandzeit wagen
> Die Deutsche Kinemathek eröffnet ihren neuen Standort im ehemaligen
> E-Werk. Mit der Installation „Screentime“ geht sie neue Wege der
> Präsentation.
(IMG) Bild: Die Deutsche Kinemathek nimmt den Titel ihrer Ausstellung „Screentime“ wörtlich
In Berlin braucht es im Museumsbau einige Geduld. Die Eröffnung des Museums
der Moderne wird sich voraussichtlich nur um wenige Jahre verzögern. Die
Renovierung des Pergamonmuseums dagegen, nun ja, zieht sich voraussichtlich
bis 2043 hin.
Eine weitere Baustelle ist seit Jahren, um nicht zu sagen Jahrzehnten, das
geplante Filmhaus, das nicht nur der Berlinale zu einem eigenen,
repräsentativen Ort verhelfen soll, sondern auch der Deutschen Kinemathek
zu einem würdigen Zuhause. Eigentlich ist seit Langem ein Bereich neben dem
Martin-Gropius-Bau für diese große Initiative vorgesehen, bevor es jedoch
dazu kommt, bezieht die Kinemathek pünktlich zur Berlinale einen neuen
Standort, der dezidiert als vorübergehend geplant ist, aber weit mehr
verspricht, denn nur ein Provisorium zu sein.
Jahrelang hatte die Kinemathek – zusammen mit der Filmhochschule dffb, dem
Arsenal und der Filmbibliothek – einen durchaus repräsentativen Platz am
Potsdamer Platz. Auch angesichts der steigenden Mieten wurde jedoch ein
Umzug nötig, der nach intensiver Standortsuche ins weniger als einen
Kilometer entfernte ehemalige E-Werk führte. Zwischen Wilhelm- und
Mauerstraße in Berlin-Mitte liegt auf einem Hinterhof der eindrucksvolle
Backsteinbau aus den 20er Jahren, den Nachtschwärmern der 90er Jahre als
ein Zentrum der Clubkultur bekannt.
Nach behutsamen Umbauten in dem denkmalgeschützten Bau zieht nun also die
Kinemathek hier ein, allerdings ohne ihre imposante Dauerausstellung.
Angesichts der im Vergleich zum Filmhaus am Potsdamer Platz weniger als ein
Drittel großen Ausstellungsfläche musste schmerzlicherweise auf eine
Präsentation der Sammlung von Objekten der Film- und Fernsehgeschichte
verzichtet werden. Der Schwerpunkt liegt jetzt stattdessen auf den Bildern
und der visuellen Präsentation mittels Projektion, was nicht nur dem
Zeitgeist moderner Museen entspricht, sondern bei einem Filmmuseum ja auch
durchaus Sinn ergibt.
## Blick hinter die Kulissen
„Screentime“ nennt sich die Installation, die auf großflächige Gazevorhänge
im Ausstellungsraum projiziert wird und in gut 30 Minuten einen Abriss der
deutschen Filmgeschichte zeigt. Besonders schön: Neben Ausschnitten aus
Filmen von „Der letzte Mann“ über „Münchhausen“ bis „Gegen die Wand“ werden
Fotos von den Dreharbeiten der entsprechenden Filme gezeigt, die einen
Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Und damit einen der Ansprüche der
Kinemathek erfüllen: den der Vermittlung. Wie entstehen Filme, wie werden
sie gedreht, wie werden alte, fragile Filmmaterialien restauriert? Fragen
wie diese sollen in Workshops oder Vorträgen erörtert werden, auch in
wechselnden Ausstellungen, für die der offene Raum des E-Werks mit seinen
vielfältigen Möglichkeiten mehr als geeignet erscheint.
Doch auch die Filme selbst kommen nicht zu kurz: Während der Berlinale wird
die Kinemathek einer der Vorführorte für die Retrospektive sein, und auch
während des regulären Betriebs hat die Kinemathek nun endlich einen
eigenen, zwar kleinen, aber mit Vorführtechnik von analog bis digital
ausgestatteten Kinosaal. Zum Auftakt sind dort drei je etwa einstündige
Filmprogramme zu sehen, zum Beispiel „Tricks for Kids“ mit meist in den
60er Jahren in der DDR entstandenen Trickfilmen, bald soll es auch
regelmäßige abendliche Vorführungen geben.
Die erste größere Sonderausstellung ist ebenfalls schon vorbereitet, ab Mai
geht es um „Queer Cinema.“ Bis dahin laden die neuen Räume der Berliner
Kinemathek zu einem ersten Blick ein, einige Exponate aus den Archiven sind
zu sehen, etwa Kostüme aus „Cabaret“ oder der Trainingsanzug, den
[1][Emilio Sakraya in seiner Rolle als Rapper Xatar in Fatih Akins
„Rheingold“] trug. Auch ein Besuch in der hervorragend sortierten
Filmbibliothek im Haus lohnt.
Für zehn Jahre hat sich die Kinemathek an diesem neuen Standort
eingemietet, ob es der Stadt bis dahin gelingt, dem kulturellen und auch
wirtschaftlichen Faktor Film ein dauerhaftes Zuhause zu bauen, bleibt
abzuwarten.
22 Jan 2026
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## AUTOREN
(DIR) Michael Meyns
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