# taz.de -- PR-Aktion kurz vor der Wahl: Wegners Wagen auf dem CSD: Winken statt Wirken
       
       > Zum Berliner CSD leistet sich der Regierende Bürgermeister erstmals einen
       > eigenen Truck. Die Senatskanzlei lässt sich den Spaß allerhand kosten.
       
 (IMG) Bild: Ein Truck der Firma Rewe beim CSD 2025. In diesem Jahr will die Senatskanzlei mit einem eigenen Wagen beim CSD dabei sein
       
       Kai Wegner wird [1][nicht Spitzenkandidat der CDU] im Berliner Wahlkampf.
       Grund ist massive Kritik aus den eigenen Reihen zu Falschaussagen beim
       Krisenmanagement bezüglich des Stromausfalls im Januar. Dabei gibt es am
       Regierenden Bürgermeister noch viel mehr zu kritisieren. Passend zur
       CSD-Saison hat er einen neuen Coup parat: Die Senatskanzlei leistet sich
       dieses Jahr zum ersten Mal einen eigenen Wagen [2][beim Berliner CSD am 25.
       Juli], auf dem der CDU-Politiker freundlich winkend mitfährt. Selbst
       Schwulenikone Klaus Wowereit (SPD), Regierender Bürgermeister von 2001 bis
       2014, wagte das nie.
       
       Über 120.000 Euro kostet allein der Truck inklusive Startgebühr (6.250
       Euro), Personal (19.680 Euro) und Technik (20.472,50 Euro). Hinzu kommt
       eine breit gestreute Info-Kampagne, die mal eben über 255.000 Euro
       verschlingt und vor allem Werbung in Form von Plakaten in der Stadt und
       Anzeigen in Medien bedient. Alles in allem lässt sich die Senatskanzlei
       gemeinsam mit der Marketinggesellschaft Berlin Partner diesen Spaß fast
       380.000 Euro kosten.
       
       Da wundert sich Klaus Lederer, queerpolitischer Sprecher der Linksfraktion
       und ehemaliger Kultursenator (2016 bis 2013), hinsichtlich der rabiaten
       Kultur-Einsparungen im aktuellen Berliner Haushalt: „Gerade nach den
       Kürzungen im queeren Bereich mutet die teure Begleitkampagne rund um den
       CSD-Wagen unverhältnismäßig an. Die Summen, die hier für Werbung in der
       Stadt ausgegeben werden, wären besser in konkrete Arbeit der
       unterfinanzierten queeren Projekte geflossen.“ Und auch im Bereich Kultur
       hatte die rot-schwarze Koalition für 2026 über 82 Millionen Euro
       gestrichen. Doch nun findet die Senatskanzlei genügend Gelder für
       Symbolpolitik kurz vor der Wahl im September?
       
       Passend dazu stellte Klaus Lederer bereits Anfang Juni eine schriftliche
       Anfrage mit 27 Fragen an die Senatskanzlei, jetzt liegt die offizielle
       Antwort vor: Die Gelder stammen aus dem Topf „Kommunikation
       Hauptstadtmarke“, für die der Doppelhaushalt 2026/27 pro Jahr 1,8 Millionen
       Euro vorsieht.
       
       ## Ein Pride-Auftritt de luxe
       
       Laut Projektentwurf ist ein zweistöckiger Truck mit Platz für 125 Personen
       vorgesehen, wie auf Bildmaterial zu sehen ist, das der Antwort auf die
       schriftliche Anfrage beigefügt ist: Geschmückt wird der nicht nur mit den
       üblichen Transparenten und dem CSD-Motto „Haltung ist hot“, sondern auch
       mit zwei LED-Leinwänden inklusive einer „Social Wall“, die live Inhalte von
       sozialen Medien wiedergibt, dazu legen DJ’s auf – ein Pride-Auftritt de
       luxe.
       
       In der Begründung heißt es: „Der CSD-Wagen des Landes Berlin und die
       begleitende Awarnesskampagne dienen dazu, Sichtbarkeit für Vielfalt,
       Gleichstellung, Antidiskriminierung und queere Sicherheit zu schaffen und
       diese (…) stärker in den öffentlichen Fokus zu rücken.“
       
       Hilfreicher wäre dagegen eine konkrete Stadtpolitik. So musste im letzten
       Jahr unter anderem das [3][SchwuZ], ältester queerer Club Berlins schließen
       – auch durch eine verfehlte Stadtraum- und Kulturpolitik. Klaus Lederer
       überlegt: „Besser fände ich, wenn der Senat sich entschieden für queere
       Projekte und Infrastruktur einsetzen würde, die in den Kernforderungen des
       CSD adressiert sind.“
       
       Ja, Berlin nennt sich offiziell „Regenbogenhauptstadt“, vergibt Preise –
       zum Beispiel für lesbische Sichtbarkeit – und hat seit vielen Jahren einen
       queeren Landesaktionsplan. Nun ist es höchste Zeit für mehr finanzielle
       Unterstützung von konkreten Projekten, denn mit den nun ausgegebenen
       380.000 Euro könnte nicht nur ein Verein sehr viel Basisarbeit leisten.
       
       12 Jul 2026
       
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