# taz.de -- CDU-Spitzenkandidat in Berlin: Kai Wegner schmeißt hin
       
       > Paukenschlag in Berlins CDU: Noch vor der Krisensitzung hat der
       > Regierende Bürgermeister Kai Wegner die Reißleine gezogen. Er gibt seine
       > Spitzenkandidatur auf.
       
 (IMG) Bild: Kai Wegner gibt am Freitagnachmittag seinen Rückzug als Spitzenkandidat bekannt
       
       Am Ende ging es schneller als erwartet. Noch vor der Krisensitzung, die die
       CDU-Kreisvorsitzenden für Freitagabend anberaumt hatten, hat Kai Wegner am
       Nachmittag selbst für Klarheit gesorgt. Auf einer kurzfristig für 15 Uhr
       anberaumten Pressekonferenz erklärte Wegner, nicht mehr als Spitzenkandidat
       der CDU für die Wahl am 20. September antreten zu wollen. Als Regierender
       Bürgermeister will er bis zur Wahl eines neuen Senats im Amt bleiben.
       
       Die Einladung der CDU-Pressestelle kam um 14.08 Uhr. Spätestens da war
       klar, dass Kai Wegner Konsequenzen aus seinem Verhalten rund um den
       Stromausfall am 3. Januar ziehen würde. Am Dienstag war bekannt geworden,
       dass Wegner nachweislich gelogen hatte, als er behauptete, am Vormittag des
       3. Januar telefoniert zu haben.
       
       Wegner wirkte bei seinem Auftritt gefasst, aber auch entschlossen. „Ich
       kriege es nicht mehr hin, Botschaften zu übermitteln, weil alles andere das
       überlagert“, sagte er. Das sei ihm noch einmal bewusst geworden, als er am
       Freitagmittag am Roten Rathaus die Regenbogenfahne gehisst habe. „Wenn ich
       nicht mehr durchdringe“, betonte Wegner, „muss ich Konsequenzen ziehen.“
       Auch als Landesvorsitzender der CDU werde er deshalb den Weg freimachen.
       
       Wegner betonte mehrfach, dass es ihm mit diesem Schritt auch darum gehe,
       „ein Linksbündnis in der Stadt zu verhindern“. „Es geht am 20. September
       darum: Wird die Linkspartei das Rote Rathaus übernehmen oder bleibt die CDU
       stärkste Kraft? Werden Antisemiten und Polizistenhasser den Ton angeben
       oder die politische Mitte?“
       
       Wer Kai Wegner als Spitzenkandidat der CDU für die Wahl zum
       Abgeordnetenhaus beerben wird, ließ Wegner zunächst offen. „Es gibt in der
       Berliner CDU viele kluge Köpfe“, betonte er und verwies auf die Sitzung der
       Kreisvorsitzenden am Abend. „Natürlich habe ich eine klare Meinung“, sagte
       Wegner. Zuvor hatte er die Arbeit von Finanzsenator Stefan Evers
       ausdrücklich gelobt.
       
       ## Vieles spricht für Stefan Evers
       
       Auch die Kreisvorsitzenden werden die neue Spitzenkandidatur nicht
       abschließend entscheiden, so Wegner. „Das entscheidet dann der
       Landesvorstand.“ Gleichzeitig kündigte er an, in einem neuen Senat nicht
       als Senator zur Verfügung zu stehen. „Wer einmal Regierender Bürgermeister
       war, wird danach kein Senatorenamt übernehmen“, stichelte Wegner in
       Richtung der ehemaligen SPD-Regierungschefin Franziska Giffey.
       
       Giffey war nach der Wiederholungswahl 2023 unter Kai Wegner
       Wirtschaftssenatorin geworden – und hatte ihre SPD als Juniorpartnerin in
       eine Koalition mit der CDU geführt, obwohl die Mehrheiten auch für die
       Fortsetzung eines Linksbündnisses gereicht hätten.
       
       Bereits am Freitagmorgen hatte sich die Dynamik in der Causa Wegner
       verschärft. In einem dreiseitigen Brief, der unter anderem von dem
       Unternehmer Christian Miele verfasst wurde, war Wegners Verhalten als
       Problem für das Vertrauen in die Demokratie bezeichnet worden. „Jeder
       weitere Tag im Amt bestätigt all jene, die behaupten, 'die da oben“ sagten
       ohnehin nicht die Wahrheit. Das dürfen wir als Christdemokraten nicht
       zulassen.“ Ein Wahlkampf mit Wegner sei verloren, heißt es in dem Text.
       
       Miele hatte als CDU-Mitglied auf seinen Kanälen in den sozialen Medien und
       in mehreren Medien den Rücktritt Wegners gefordert. Mehrere Dutzend
       Parteimitglieder hätten sich mit Zustimmung und Unterstützung bei ihm
       gemeldet, sagte Miele, der Urenkel des Gründers des gleichnamigen
       Haushaltsgeräteherstellers ist, im Tagesspiegel.
       
       Mit der Entscheidung zieht die Berliner CDU aber nicht nur die Reißleine.
       Sie geht auch ins Risiko. Ob Stefan Evers, der als Favorit von Wegner gilt
       und auf den vieles hindeutet, die verunsicherte Partei hinter sich vereinen
       kann, ist offen. Als Finanzsenator ist Evers verantwortlich für die
       radikalen Kürzungen im Haushalt der letzten Monate. Vor allem die
       Kulturszene, aber auch Gewerkschaften waren immer wieder auf die Straßen
       gegangen.
       
       ## CDU zuletzt nur noch auf Platz vier
       
       Zum Rückzug Wegners hatte nicht nur die Enthüllung beigetragen, dass er im
       Zusammenhang mit der Krisenkommunikation gelogen hatte. Zuletzt war die
       Berliner CDU auch dramatisch abgestürzt. Beim Berlin-Trend von Infratest
       dimap, der am 1. Juli veröffentlicht wurde, bekam die Partei nur noch 17
       Prozent und landete auf Platz vier.
       
       Auf Platz eins sieht die Umfrage die Linkspartei mit 20 Prozent, gefolgt
       von den Grünen mit 19 Prozent und der AfD mit 18 Prozent. Die SPD bildet
       mit 13 Prozent das Schlusslicht. Würde am 20. September mit diesem Ergebnis
       das Abgeordnetenhaus gewählt, hätte eine Fortsetzung von Schwarz-Rot keine
       Mehrheit.
       
       Möglich wären stattdessen ein Linksbündnis aus Linken, Grünen und SPD. Oder
       eine Kenia-Koalition mit Grünen, CDU und SPD. Schon vor dem Freitag hatte
       SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach ausgeschlossen, eine Koalition
       einzugehen, in der Kai Wegner eine Rollte spielt.
       
       10 Jul 2026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Plutonia Plarre
 (DIR) Uwe Rada
       
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