# taz.de -- Unterstützung für Klimaschutz: Mehrheit will, dass Industrie für Klimaverschmutzung zahlt
> Eine knappe Mehrheit der Deutschen unterstützt den europäischen CO2-Preis
> für die Industrie. In Brüssel wird derweil fleißig dagegen lobbyiert.
(IMG) Bild: Die Zementproduktion in einer Fabrik wie dieser hier zählt zu den Branchen mit dem höchsten CO2-Ausstoß
Eine Mehrheit der Bürger*innen der größten EU-Länder spricht sich dafür
aus, dass Unternehmen für ihre CO2-Emissionen einen Preis zahlen müssen.
Das geht aus einer repräsentativen YouGov-Umfrage im Auftrag verschiedener
Umweltorganisationen wie Germanwatch und WWF hervor.
[1][Demnach] unterstützen 59 Prozent der Befragten aus Deutschland,
Frankreich, Italien, den Niederlanden, Polen und Spanien einen CO2-Preis.
23 Prozent sind dagegen, 18 Prozent haben dazu keine Meinung. In
Deutschland allein ist es etwas knapper: Hier befürworten 47 Prozent eine
Bepreisung von CO2-Emissionen, 35 Prozent sprechen sich dagegen aus.
Wähler*innen der Regierungsparteien Union und SPD unterscheiden sich
dabei kaum vom deutschen Durchschnitt.
In der EU müssen Unternehmen der Stromwirtschaft und der Industrie
Zertifikate für jede Tonne CO2 kaufen, die sie ausstoßen. Mit der Zeit
werden immer weniger Zertifikate versteigert, sodass ihr Preis steigt. So
sollen Stromsektor und Industrie zur Dekarbonisierung gedrängt werden.
Der sogenannte Emissionshandel (ETS) ist das [2][wichtigste
Klimaschutz-Instrument] der EU: Derzeit liegt der Preis für ein
CO2-Zertifikat bei etwa 80 Euro. Energieintensive Industrieunternehmen wie
Stahlhersteller oder Chemieproduzenten [3][erhalten aber den Großteil ihrer
Zertifikate kostenlos], um sie vor Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen,
die keinen CO2-Preis zahlt.
## Die Industrielobby ist erbost – und gespalten
Diese kostenlose Zuteilung soll jedoch bis Mitte der 2030er nach und nach
beendet werden, weil die EU für immer mehr Importgüter ebenfalls einen
CO2-Preis erhebt. Weil dieser CO2-Zoll aber löchrig ist und nicht vor
Konkurrenz in außereuropäischen Exportmärkten schützt, [4][laufen
Industrielobbyverbände seit Monaten] Sturm gegen den Abbau der kostenlosen
Zertifikate. Stahlunternehmen wie Salzgitter, die viel Geld in die
Dekarbonisierung gesteckt haben, haben hingegen mit dem Ende der
kostenlosen Zuteilung kalkuliert – sie warnen vor einer Schwächung des
CO2-Preises.
Die EU-Kommission muss bis zum 15. Juli einen Reformvorschlag für den ETS
vorlegen. Laut [5][Handelsblatt] plant sie, die kostenlose Zuteilung zu
verlängern. Als Gegenleistung sollen die betroffenen Unternehmen das
gesparte Geld aber in klimafreundliche Investitionen stecken müssen.
Diesen Kompromiss unterstützen der YouGov-Umfrage zufolge zwei Drittel der
Befragten. Die Wähler*innen „haben verstanden, dass die eigentliche
Bedrohung für Europas industrielle Stärke das Abwandern neuer Investitionen
in andere Weltregionen“ sei, sagte Simon Wolf von Germanwatch. Unter
Anhänger*innen der SPD und der CDU kommt der Kommissionsvorschlag sogar
auf 69 beziehungsweise 67 Prozent Zustimmung.
1 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.germanwatch.org/sites/default/files/2026-07/Briefing%20citizen%20expectations%20for%20EU%20ETS.pdf
(DIR) [2] /Hitzewelle-in-Deutschland/!6188436
(DIR) [3] /Klimaschaedliche-Subventionen/!6191709
(DIR) [4] /Abstimmung-im-EU-Parlament/!6188433
(DIR) [5] https://www.handelsblatt.com/politik/international/emissionshandel-eu-will-schon-ab-2027-mehr-kostenlose-zertifikate-ausgeben/100235397.html
## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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