# taz.de -- Reform des Emissionshandels: Das wird die Industrie nicht retten
> Die EU-Kommission will Unternehmen beim CO2-Preis entlasten. Damit
> reagiert sie tatsächlich auf neue Realitäten – aber zieht die falschen
> Schlüsse.
(IMG) Bild: Die Chemikalienherstellung zu dekarbonisieren, verschlingt enorme Mengen Strom. BASF-Werk in Ludwigshafen
Klimaschutz, Wettbewerbsfähigkeit, Energieunabhängigkeit: Diesen Dreiklang
will die EU-Kommission mit der Reform der CO₂-Bepreisung über den
Emissionshandel (ETS) treffen: [1][Unternehmen sollen länger gar nichts
bezahlen müssen] für ihren CO₂-Ausstoß, und der CO₂-Preis soll langsamer
steigen. Damit reagiert die Kommission darauf, dass viele europäische
Unternehmen unter Druck stehen, ihre Kosten zu reduzieren, um in
Exportmärkten bestehen zu können. Eigentlich zeigt das Gezerre um den ETS
aber: [2][Beim Klimaschutz auf den Markt zu vertrauen, war falsch.]
Denn der CO₂-Preis soll Unternehmen zum Klimaschutz motivieren, indem
CO₂-Ausstoß immer teurer wird. Ökonomisch ist es dann rational, weniger CO₂
auszustoßen, also wird in klimafreundliche Produktion investiert – so die
Logik. Aber Chemieunternehmen wie BASF können einfach abwandern, wenn ihnen
der CO₂-Preis nicht passt – und sie tun das auch: Der Ludwigshafener
Konzern hat jüngst ein neues Werk in China eröffnet, dessen Strombedarf zu
allem Überfluss vollständig von einem nahen Offshore-Windpark gedeckt wird.
Weil der ETS ein Marktinstrument ist – und deswegen lange von der CDU
vorangetrieben wurde -, überlässt er den Unternehmen große
Entscheidungsmacht. Die [3][nutzen sie nicht im Sinne europäischer
Arbeiter*innen oder Resilienz gegen fossile Preisschocks], sondern um
Profite zu machen. Dass der CO₂-Preis steigen würde, war schon in den
2010er Jahren klar, als BASF freudig Gas aus Russland kaufte und Nord
Stream 2 vorantrieb.
Schon damals konnte man sehen: Unternehmen investieren nur in Klimaschutz,
wenn sie keine andere Wahl haben. Außerdem müssen die Rahmenbedingungen
stimmen. Die Chemikalienherstellung zu dekarbonisieren, verschlingt enorme
Mengen Strom, die derzeit schlicht nicht produziert werden. Da rächen sich
die Fehler der Vergangenheit.
An jedem Schritt des klimaneutralen Umbaus der Industrie müsste der Staat
stärker eingreifen: Stromnetz und Wasserstoffproduktion müssen schneller
wachsen, Investitionen der Konzerne gefördert und unter Umständen erzwungen
werden. Zunehmend wird deutlich, dass der Markt versagt. Die
[4][Alternative: Vergesellschaftung.]
17 Jul 2026
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## AUTOREN
(DIR) Jonas Waack
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