# taz.de -- Bafög-Reform: Erst Urlaub, dann Bafög-Reform
       
       > Die versprochenen Erhöhungen für Studierende kommen später als
       > versprochen. Das Studierendenwerk erinnert die Koalition an ihre
       > Versprechen.
       
 (IMG) Bild: Juni 2026: Studierende in Bonn protestieren gegen die verschobene Bafög-Reform
       
       Mehrfach hat die Große Koalition die Bafög-Reform verschoben und [1][dafür
       heftige Kritik geerntet]. Nun steht immerhin der weitere Fahrplan fest: Wie
       Fachpolitiker:innen der SPD am Dienstag bestätigten, wollen Union und
       SPD am 29. Juli einen entsprechenden Kabinettsbeschluss vorlegen. Ins
       Parlament könnte die Reform also erst nach der Sommerpause gehen. Der
       früheste Termin dafür wäre der 21. September.
       
       Damit steht fest: Die versprochene Erhöhung der Wohnkostenpauschale von 380
       auf 440 Euro wird nicht wie geplant zum 1. Oktober kommen können. Wann
       genau die Novelle in Kraft tritt und ab wann dann die erhöhten Wohngelder
       ausbezahlt werden, ist aber noch unklar.
       
       Der forschungspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Oliver
       Kaczmarek, appellierte an die Union, die Bafög-Reform nicht zu torpedieren:
       „Wir dürfen mit dem Thema nicht scheitern“, sagte Kaczmarek der taz. Er
       verwies darauf, dass das Hin und Her der vergangenen Monate bei den
       Studierenden Unsicherheit geschürt habe. Die Koalition müsse zeigen, dass
       sie zu ihren Wahlversprechen stehe.
       
       Tatsächlich wollten CDU, CSU und SPD die Reform bereits Mitte April ins
       Parlament bringen. Zunächst konnte sich die Koalition aber nicht darauf
       verständigen, welches Ministerium die Mehrkosten von rund einer Milliarde
       Euro für diese Legislatur bereitstellt. [2][Als ein Kompromiss dafür
       gefunden war], stellten plötzlich Unionsfraktionschef Jens Spahn und
       anschließend Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU) die versprochenen
       Bafög-Erhöhungen infrage. Zuletzt hatte Kanzler Friedrich Merz (CDU) eine
       baldige Einigung in Aussicht gestellt, „um den berechtigten Anliegen der
       Studierenden in Deutschland gerecht zu werden“.
       
       ## WG-Zimmer deutlich teurer
       
       Neben der neuen Wohnkostenpauschale sieht die Bafög-Reform vor allem höhere
       Bedarfssätze vor. Diese sollen ab dem kommenden Jahr schrittweise von
       derzeit 475 Euro auf Grundsicherungsniveau (aktuell 563 Euro) steigen.
       Damit würde der Bafög-Höchstsatz statt derzeit 992 Euro künftig mehr als
       1.100 Euro betragen.
       
       Matthias Anbuhl, der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Studierendenwerks,
       forderte am Dienstag die Bundesregierung auf, ihre Bafög-Versprechen
       einzuhalten und schnell für Klarheit zu sorgen: „Unter Studierenden gibt es
       ein hohes Maß an Verunsicherung“, sagte Anbuhl der taz. Gleichzeitig sei
       die finanzielle Situation für viele Studierenden bereits heute sehr
       belastend. Anbuhl erinnerte daran, dass auch die künftig erhöhte
       Wohnkostenpauschale deutlich unter dem liege, was heute im Schnitt ein
       WG-Zimmer kostet.
       
       Um den finanziellen Druck der Studierenden zu lindern, könnte der Bundestag
       die Reform rückwirkend ab dem 1. August in Kraft treten lassen – also zu
       dem Zeitpunkt, der ursprünglich vorgesehen war. Damit könnten Studierende
       die Differenz zwischen alten und neuen Wohngeldsätzen nachträglich
       überwiesen bekommen. Eine Idee, die Anbuhl begrüßen würde. Zu einer
       nachträglichen Auszahlung seien die Studierendenwerke, die die
       Bafög-Anträge prüfen und auch die Bedarfssätze auszahlen, bereit – auch
       wenn das für die Bafögämter extrem herausfordernd sei.
       
       Im vergangenen Jahr war die Zahl der Bafög-Empfänger:innen auf den
       niedrigsten Wert seit dem Jahr 2000 gesunken. Als Gründe hierfür gelten die
       Unwissenheit unter Studierenden, ob sie Bafög-berechtigt sind oder nicht.
       Zum anderen stehen die vergleichsweise niedrigen Bafög-Sätze für viele
       Studierende offenbar nicht im Verhältnis zum hohen bürokratischen Aufwand.
       Eine aktuelle Studie zeigt, dass bis zu 70 Prozent der Förderberechtigten
       keinen Bafög-Antrag stellen.
       
       8 Jul 2026
       
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