# taz.de -- Bafög-Reform: „Bafög ist kein Almosen, sondern eine Investition“
> Forschungsministerin Dorothee Bär nimmt die Not der Studierenden nicht
> ernst. Nun bringen Linke und Grüne das Thema ins Parlament.
(IMG) Bild: Studierende brauchen Unterstützung und eine bessere Ausstattung der Hochschulen statt sinnlose Kürzungen
Mitte April wollten Union und SPD ihre Bafög-Reform ins Parlament bringen –
eigentlich. Doch erst [1][verhakten sich die Koalitionäre] bei den
Finanzen. Dann stellten CDU und CSU trotz einer zwischenzeitlichen Einigung
im Kabinett [2][die versprochenenen Erhöhungen wieder in Frage]. Die für
Studierende zuständige Ministerin Dorothee Bär (CSU) machte deutlich, dass
mehr Wohngeld und höhere Bafögsätze für sie derzeit keine Priorität haben –
und stieß damit Koalitionspartner und Studierende gleichermaßen vor den
Kopf.
Die SPD geht zwar nach wie vor davon aus, dass die Reform kommt – diesen
Optimismus teilen jedoch nicht alle. Die Opposition jedenfalls erinnert
CDU, CSU und SPD diese Woche an ihr Versprechen aus dem Koalitionsvertrag:
Am heutigen Donnerstag bringen sowohl die Linkspartei als auch die Grünen
das Thema mit je einem eigenen Antrag ins Parlament. Beide Fraktionen
fordern unter anderem, die Wohnpauschale von derzeit 380 Euro an die
regionalen Mietpreise anzupassen, um mit den steigenden WG-Zimmerpreisen in
vielen beliebten Studienorten Schritt zu halten.
„Mit unserem parlamentarischen Antrag reagieren wir direkt auf das aktuelle
Hinhaltespiel der Regierungsspitzen, die eine Erhöhung der Sätze zum
Wintersemester unter Verweis auf Haushaltslöcher blockieren wollen“, sagte
die Linkenpolitikerin Nicole Gohlke der taz am Mittwoch. „Dieses unwürdige
Taktieren lassen wir der Regierung nicht durchgehen.“
## Kritik von allen Seiten
Ähnlich äußerte sich die Grünenabgeordnete Ayşe Asar: „Die Blockade der
Bafög-Reform zeigt, wie falsch diese Bundesregierung ihre Prioritäten
setzt“, sagte Asar der taz. Die staatliche Ausbildungsförderung sei kein
Almosen, sondern eine Investition, die sich für den Staat messbar auszahle.
Asar erinnerte daran, dass das Wissenschaftsministerium den Bafög-Bedarf
für das aktuelle Haushaltsjahr um 250 Millionen Euro niedriger angesetzt
hatte. Aus Sicht der Grünen wäre das finanzielle Hin und Her vermeidbar
gewesen.
Die Bafög-Reform beinhaltet im Kern zwei wesentliche Verbesserungen: In
einem ersten Schritt sollte bereits zum kommenden Wintersemester die
Wohnkostenpauschale von derzeit 380 auf 440 Euro erhöht werden. Ab nächstem
Jahr sollen die Bafög-Bedarfssätze dann schrittweise von derzeit 475 Euro
auf Grundsicherungsniveau (aktuell 563 Euro) steigen. Die Zusatzkosten der
Reform werden für die laufende Legislatur auf etwas mehr als 1 Milliarde
Euro geschätzt. Die Erhöhung der Wohnkostenpauschale würde bis Ende des
Jahres schätzungsweise 67 Millionen Euro kosten.
Angesichts dieser vergleichsweise überschaubaren Ausgaben ist das
Unverständnis groß: „Während für milliardenschwere Entlastungen wie den
Tankrabatt Geld da ist, sollen Studierende leer ausgehen“, kritisierte am
Dienstag Jonathan Dreusch vom Studierendendachverband fzs. Zusammen mit dem
Deutschen Studierendenwerk und den Gewerkschaften Verdi, GEW und DGB hat
der fzs diese Woche [3][eine Petition zur Rettung der Bafög-Reform]
gestartet. Unter dem Motto „Versprochen ist versprochen“ fordert das
Bündnis die Bundesregierung auf, die geplanten Erhöhungen zeitnah
umzusetzen.
Selbst die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hat den Rückzieher beim Bafög
als „bildungspolitisch absolut falsches Signal“ bezeichnet. Tatsächlichen
hängt in Deutschland die Entscheidung für ein Hochschulstudium sehr stark
vom finanziellen Background der jeweiligen Familien ab. Daran erinnerte
auch die HRK: Das Bafög ermögliche, dass auch Menschen mit
finanzschwächerem Hintergrund ein Studium aufnehmen könnten: „Es geht hier
nicht um eine ‚Vollkasko‘-Mentalität, sondern um Chancengerechtigkeit.“
11 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Studierende-in-Not-Koalition-streitet-ueber-versprochene-Bafoeg-Erhoehungen/!6169898
(DIR) [2] /Geschacher-um-Bafoeg-Reform/!6183208
(DIR) [3] https://weact.campact.de/petitions/versprochen-ist-versprochen-bafog-jetzt-retten
## AUTOREN
(DIR) Ralf Pauli
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