# taz.de -- Einigung von Schwarz-Rot: Bafög-Erhöhung kommt – aber erst später
       
       > Nach langem Hin und Her gibt es beim Bafög Gewissheit: Einige Erhöhungen
       > kommen nicht wie geplant zum Wintersemester, sondern ein halbes Jahr
       > später.
       
 (IMG) Bild: Uni fängt an, Wohnung muss bezahlt werden und ein bisschen einkaufen muss auch sein – ohne Bafög ist Bildung oft kaum möglich
       
       afp | Nach monatelangem Ringen haben sich die Koalitionsfraktionen auf eine
       Erhöhung der Bafög-Sätze geeinigt – die jedoch teilweise [1][später kommen
       soll als ursprünglich geplant.] Die Bafög-Reform soll nun zum
       Sommersemester 2027 in Kraft treten, wie die Fraktionen von Union und SPD
       am Donnerstag in Berlin mitteilten. Zuletzt stand eine Erhöhung der
       Bafög-Bezüge wegen Sparzwängen [2][auf der Kippe.] Das Deutsche
       Studierendenwerk begrüßte die Einigung.
       
       Der Einigung zufolge soll die Wohnkostenpauschale ab dem Sommersemester
       2027 von 380 auf 440 Euro pro Monat erhöht werden. Im Koalitionsvertrag
       hatten Union und SPD noch das Wintersemester 2026/2027 als Ziel genannt.
       Der Grundbedarf für Studierende soll in zwei Schritten auf
       Grundsicherungsniveau steigen: zum Wintersemester 2027/28 auf 503 Euro und
       zum Sommersemester 2029 auf 563 Euro.
       
       Ab Schuljahresbeginn beziehungsweise Beginn des Wintersemesters 2028/29
       sollen die Freibeträge und damit die Einkommensgrenzen jährlich um 1,5
       Prozent automatisch angehoben werden. Zudem soll eine „verlässliche und
       transparente Regelung zur Überprüfung und Anpassung der Fördersätze“
       eingeführt werden, die sich am Grundsicherungsniveau orientiert.
       
       Gleichzeitig soll das Bafög moderner und einfacher werden, indem der Antrag
       digital und „nutzerfreundlich“ gestellt werden kann. Als Schritt zum
       Bürokratieabbau soll ab dem fünften Fachsemester der Leistungsnachweis
       wegfallen.
       
       Nach Angaben des zuständigen Ministeriums von Bundesforschungsministerin
       Dorothee Bär (CSU) soll die im Koalitionsvertrag vereinbarte Erhöhung Ende
       Juli vom Kabinett verabschiedet werden. „Alle Weichen sind gestellt, damit
       die Studentinnen und Studenten mit der Erhöhung verlässlich rechnen
       können“, erklärte Bär.
       
       ## Mehr Verlässlichkeit
       
       SPD-Fraktionsvize Wiebke Esdar erklärte, nach intensiven Verhandlungen sei
       es der Koalition „gemeinsam gelungen, alle bereits vereinbarten
       Leistungsverbesserungen in voller Höhe zu sichern“. Das zeige: „Wir
       investieren auch in herausfordernden Zeiten gezielt in Talente,
       Qualifikation und die Fachkräfte von morgen.“
       
       Der forschungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Oliver Kaczmarek,
       betonte, für Studierende bedeute die Reform „mehr Geld, mehr
       Verlässlichkeit, weniger Bürokratie“. Damit stärke die Koalition das
       Vertrauen in das Bafög als verlässliche Studienfinanzierung.
       
       Der forschungspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Florian Müller (CDU),
       erklärte, die Anhebung der Bafög-Sätze sei „ein starkes Signal an die
       jungen Menschen, die ihren Bildungsweg ohne die Unterstützung der
       Gemeinschaft nur schwer gehen könnten“. Nun müsse die Leistung
       entbürokratisiert und digitalisiert werden. „Die Hürden, die heute noch
       bremsen, räumen wir gemeinsam in der Koalition ab.“
       
       Das Deutsche Studierendenwerk begrüßte die Einigung als „gutes und
       wichtiges Signal“. Ein „dicker Wermutstropfen“ sei jedoch, dass die
       Wohnkostenpauschale erst zum Sommersemester 2027 erhöht werden soll und
       nicht wie ursprünglich versprochen zum Wintersemester 2026/2027. „Die
       aktuellen Studierenden sind gekniffen. Sie müssen ein weiteres Semester mit
       [3][zu geringer Förderung von 380 Euro auf einem Wohnungsmarkt
       zurechtkommen], der von ihnen deutlich höhere Durchschnittsmieten
       verlangt“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Studierendenwerks,
       Matthias Anbuhl.
       
       Dass auch die Angleichung des Bafög-Grundbedarfs an die Grundsicherung
       kommen soll, sei zu begrüßen. Jedoch komme diese Maßnahme in zwei Schritten
       und die volle Höhe des Existenzminimums werde erst zum Sommersemester 2029
       erreicht, kritisierte Anbuhl.
       
       Die bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Nicole
       Gohlke, sieht in der Einigung „keinen Grund zum Feiern“. „Die
       Regierungsspitzen setzen damit lediglich das absolute Minimum um, das sie
       jungen Menschen ohnehin seit Jahren schulden“, erklärte sie.
       
       Die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Elke
       Hannack, nannte die Einigung auf die Bafög-Reform „überfällig“.
       
       9 Jul 2026
       
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