# taz.de -- Linke in Sachsen-Anhalt: Die „konstruktive Opposition“ im Wahlkampf
       
       > Die Linke zeigt sich als sozialer Gegenpol zur CDU. Sie schließt aber
       > nicht aus, eine Mehrheit gegen die AfD zu beschaffen. Gelingt der Spagat?
       
 (IMG) Bild: Eva von Angern, die Spitzenkandidatin der Partei Die Linke beim Wahlkampfauftakt in Magdeburg
       
       Nur wenige Menschen sitzen in der Sonne vor der Bühne auf dem Markt des
       Magdeburger Plattenbauviertels Neu-Olvenstedt. Die meisten haben sich in
       den kühlen Schatten am Rand des Platzes zurückgezogen. Der Wahlkampfauftakt
       der Linken in Sachsen-Anhalt wirkt am Montagmittag unspektakulär. Doch in
       den Reden von Spitzenkandidatin Eva von Angern und Partei-Legende Gregor
       Gysi geht es bereits um die große Frage: Welche Rolle spielt die Linke nach
       der [1][Landtagswahl am 6. September]?
       
       In der Mittagshitze nähern sich von Angern und Gysi dem Thema aus
       unterschiedlichen Perspektiven. Zuerst wirbt die Spitzenkandidatin für die
       Inhalte ihrer Partei, spricht über ihr Lieblingsplakat und ihren
       bevorzugten Wahlspruch. Von der Bühne aus fordert sie kostenfreie Kitas und
       Hochschulen, warnt vor geschlossenen Dorfkneipen und „dem Treten nach
       unten“. Die Linke, sagt sie, werde sich für mehr Zusammenhalt einsetzen.
       Die Namen „CDU“ oder „AfD“ erwähnt sie dabei nicht.
       
       Dann betritt der [2][dienstälteste Bundestagsabgeordnete Gysi] die Bühne
       und knöpft sich Friedrich Merz vor. Der CDU-Bundeskanzler schaue nie nach
       oben, sondern suche nur unter sich Schuldige für alles, was in Deutschland
       schiefläuft.
       
       Kurz darauf schlägt Gysi den Bogen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. In
       einem Satz erklärt er, warum die Linke möglicherweise eine CDU-geführte
       Regierung unterstützen könnte: „Wir können ja nicht zur CDU sagen, bitte
       regiert mit der AfD.“ Es gehe darum, mit Maximalpositionen Kompromisse zu
       erzielen. Einfach werde das nicht. „Aber je stärker die Linke ist, desto
       stärker wird auch der soziale Faktor.“
       
       ## Erfolg als „konstruktive Opposition“
       
       Aktuell liegt die Linke in Umfragen bei 12 bis 13 Prozent. Damit wäre sie
       sicher im Landtag vertreten, anders als die Grünen, die FDP oder das BSW.
       Schon in [3][dieser Wahlperiode, mit 11 Prozent, sei die Linke] im Landtag
       ohne Regierungsbeteiligung wirksam gewesen, betonte die Fraktion vor einer
       Woche bei einer Pressekonferenz in der Landeshauptstadt.
       
       Als „konstruktive Opposition“ hätte sie in dieser Legislatur „31
       erfolgreiche parlamentarische Initiativen“ vorzuweisen. „Die
       Regierungskoalition hat inzwischen begriffen, dass sie uns auch immer mal
       ernst nehmen sollte“, sagte Eva von Angern als Fraktionsvorsitzende bei der
       Presskonferenz. In der Haushaltsdebatte habe die Linke etwa erreicht, dass
       mehr Geld für Frauenschutzhäuser bereitgestellt werde.
       
       Doch vor allem [4][die Beziehung zur CDU] ist für die Linke nicht einfach.
       Anfang des Monats kritisierte von Angern in einem Interview mit der
       [5][Lokalzeitung Volksstimme], die Konservativen würden ihr „zu oft rechts
       blinken“. CDU-Ministerpräsident und -Spitzenkandidat Sven Schulze stelle
       immer wieder „rechte Themen“ in den Vordergrund und den Sozialstaat
       infrage. Mit dieser Politik sei er für die Linke nicht wählbar.
       
       Vergangenes Wochenende wiederum positionierte sich die Spitzenkandidatin
       der Linken [6][in einem Interview mit der taz deutlich gegen ihren neuen
       Parteivorsitzenden Luigi Pantisano]. Der hatte die CDU-Politik mit
       Faschismus gleichgesetzt. Das relativiere tatsächlichen Faschismus,
       kritisierte von Angern. Sie hoffe, dass ihr das im aktuellen Wahlkampf
       nicht schade. Pantisanos Äußerung hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt.
       Die CDU Sachsen-Anhalt erklärte daraufhin, Pantisano habe eine Grenze
       überschritten. Die Union fühle sich durch seine Worte bestätigt, nicht mit
       der Linken zusammenzuarbeiten.
       
       ## Negativ gestimmte Gysi-Fans in Magdeburg
       
       Am Rande des Wahlkampfauftakts in Neu-Olvenstedt berichtet von Angern der
       taz, sie habe positive Rückmeldung für ihre klare Position bekommen, „auch
       aus anderen Landtagsfraktionen“. Dass Pantisano sich inzwischen
       entschuldigt hat, sehe sie als ein gutes Zeichen. Dann lässt sie sich noch
       mit ein paar der Linken-Fans beim Wahlkampfauftakt fotografieren.
       
       Unter den Besuchern auf dem Marktplatz ist auch ein Herr Schulze aus der
       Magdeburger Altstadt. Seinen Vornamen möchte er nicht in der Zeitung lesen,
       betont aber, dass er nicht mit dem [7][Ministerpräsidenten] verwandt sei.
       Er sei vor allem gekommen, um Gregor Gysi zu hören. „Für die Wahl sehe ich
       aber eher schwarz – beziehungsweise blau“, sagt Schulze mit einem gequälten
       Lächeln. Er spreche gelegentlich mit AfD-Wählern, doch die seien kaum zu
       überzeugen. „Das hat schon religiöse Züge.“
       
       Ein paar Meter weiter steht Ines Figura. Auch sie glaubt, dass „leider die
       AfD gewinnen wird“. Gerade deshalb sei sie hier, sagt sie. „Damit Menschen,
       die für soziale Gerechtigkeit einstehen, gesehen und gehört werden.“ Gysi
       habe die Lage treffend zusammengefasst, findet sie.
       
       Nach Gysis Rede leeren sich auch die Schattenplätze auf dem unscheinbaren
       Marktplatz am Stadtrand von Magdeburg. Eine halbe Stunde vor dem geplanten
       Ende beginnen die Linken, die Bühne abzubauen. In etwas mehr als zwei
       Monaten wird sich zeigen, wie gut die „konstruktive Opposition“ im
       Wahlkampf ankommt.
       
       23 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
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 (DIR) [5] https://www.volksstimme.de/panorama/von-angern-kritisiert-cdu-kurs-in-sachsen-anhalt-4266167
 (DIR) [6] /Neuer-Vorsitzender-der-Linken/!6189458
 (DIR) [7] /Landtagswahl-in-Sachsen-Anhalt/!6186914
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) David Muschenich
       
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