# taz.de -- Umgang mit Rechtsextremisten: Von sich aus wird kein AfDler wieder verschwinden
       
       > Wir sind es, die dafür sorgen müssen, dass sie und ihre Namen niemals ein
       > Marker werden. Denn sie sind es nicht wert, dass man sie kennt.
       
 (IMG) Bild: Nennt nicht ihre Namen; helft, dass sie verblassen
       
       Namen sind Marker. Für die, die unvergessen sind, öffnet der Name eine Tür
       zum Wirken der Person. Sobald etwa „Mahatma Gandhi“ oder „Goethe“, „Stalin“
       oder „Lady Di“ gesagt wird, kennen viele den Kontext. Mal ist das
       gewaltfreier Widerstand. Mal „Faust“. Mal Massenmord. Mal „Rose of
       England“.
       
       Wie lange die Namen die Zeit überstrahlen werden, ist nicht klar. Goethe
       tut es schon eine Weile. Stalin auch, [1][wenngleich er gerade von Putin
       abgelöst wird]. Beides schlimme Männer. Gandhi wiederum bräuchte einen
       Nachfolger, der Leute genauso wirkungsvoll zu weltweitem Protest gegen
       Ungerechtigkeit mobilisiert. Solange der nicht in Sicht ist, wird Gandhi
       die Zeit überdauern. Und Lady Di? Vielleicht wird ihr Name bald verblassen,
       wobei das Trauma ihres unglücklichen Todes noch eine Weile
       transgenerationell weitergegeben wird.
       
       Auch nicht ganz so Prominente schaffen es, dass ihr Name eine Zeitlang ein
       Marker ist: Merkel etwa. Sie steht für spröde, entsexualisierte
       Beständigkeit. Und Merz: Bei ihm ist es Arroganz, die noch etwas überdauern
       wird, bevor niemand mehr weiß, wer er war.
       
       Was aber, wenn einem der Name von Leuten, die mit aller Macht in den
       Vordergrund drängen, die jetzt Geschichte schreiben wollen mit Demagogie,
       sich unvergessen machen wollen mit Hetze, nicht einfällt? Ist er Ignoranz?
       Oder Selbstschutz?
       
       Neulich sah ich ein Foto von dieser Frau, die mit ihrem Namen auf solch
       negative Weise zu einem Marker werden will: Sie hat ein
       wohlproportioniertes Gesicht und blonde, zurückgekämmte festgesteckte
       Haare. Wenn sie spricht, klingt, was sie sagt, auf eine entnervte Weise
       beleidigt. Die Frau ist mir bekannt, aber [2][wie hieß sie doch gleich]?
       Ihre Stimme hat sich bereits wie ein vergifteter Splitter in meine Haut
       gebohrt. Ich will ihn herausreißen und nicht warten, bis er herauseitert.
       
       Natürlich, ich kann die Frau zuordnen. Sie ist in der Hetzpartei AfD. Ich
       meine zudem zu wissen, dass sie lesbisch ist. Vielleicht ist sie in
       Wirklichkeit aber auch die kleine Schwester [3][einer anderen AfDlerin],
       die, wenn sie etwas sagt, geifernd wirkt und hasserfüllt. Ihre gelbgrauen
       Haare liegen wie eine Ritterrüstung um ihren Kopf. Ihr Name fällt mir
       gerade auch nicht ein.
       
       Bei den zwei Damen und [4][diesem Thüringer, der wohl gerne die Marke
       „Hitler“ trüge], sehe ich Gesichter. Ich könnte sie beschreiben: Der
       Thüringer sieht ungeformt aus. Seine Haut ist farblos. Auch bei ihm ist die
       Stimme getragen vom Eifer der Verachtung. Die hellen in den Kopf fallenden
       Augen, der verschwindende Mund lassen ihn unfertig erscheinen, als wäre er
       in unvollendeter Metamorphose schon früh auf seinem Lebensweg stecken
       geblieben.
       
       Diese drei sind die Einzigen, deren Gesichter ich erkenne. Verbissen alle.
       Sie kündigen Verbrechen gegen die Menschlichkeit an im Namen der
       Verteidigung des Deutschseins. Was genau das Deutschsein sein soll,
       erklären sie nicht. Und ja klar, jetzt, wo ich mich mit ihnen beschäftige,
       fallen mir ihre Namen doch wieder ein. Beim Thüringer nur der Nachname.
       
       Bei den anderen aus der AfD weiß ich nicht, wie sie heißen, sehe keine
       Gesichter. Und bin erleichtert. Als könne meine Weigerung, mir ihre Namen
       zu merken, sie auslöschen. Auch diesen Typen, [5][der die Nazizeit für
       einen Vogelschiss hält]. Er hat mal eben das gesellschaftliche Klima
       vergiftet, trat ab und verschwand in der Versenkung. Ich denke, sie alle
       sind es nicht wert zu überdauern. Ich will mich mit Schönem beschäftigen,
       nicht mit ihnen und ihrem Schmutz.
       
       Ist das ein Fehler? Ja. Denn von sich aus bleibt keine dieser Figuren ein
       Nichts. Wir sind es, die dafür sorgen müssen, dass sie und ihre Namen
       niemals ein Marker werden. Denn sie sind es nicht wert, dass man sie kennt.
       
       21 Jun 2026
       
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