# taz.de -- Agrarminister Rainer unter Druck: Scharfe Kritik am Aus für geplante Weideprämie
       
       > Agrarminister Alois Rainer will die geplante Milchvieh-Weideprämie
       > kippen. Naturschützer, Kleinbauern und einige CDU-Politiker protestieren
       > – der Bauernverband nicht.
       
 (IMG) Bild: Immer weniger Kühe stehen auf der Weide
       
       Bundesagrarminister [1][Alois Rainer] stößt mit seinem Plan auf Widerstand,
       den Start einer Subvention für die Haltung von Milchvieh auf Weiden
       abzusagen.
       
       Selbst aus Reihen der Union erntet der CSU-Politiker Kritik: Das
       Ministerium von Schleswig-Holsteins Ressortchefin Cornelia Schmachtenberg
       (CDU) „bedauert“ nach eigenen Worten die Entscheidung Rainers. „Die
       Weidehaltung ist gelebtes [2][Tierwohl], prägt die Kulturlandschaft in
       Schleswig-Holstein und stärkt die Biodiversität“, teilte die Behörde der
       taz mit.
       
       Rainer hatte vor Kurzem einen Referentenentwurf veröffentlicht, der den für
       2027 geplanten Start der Weideprämie aus dem Gesetz zur Verteilung der
       EU-Direktzahlungen für Agrarbetriebe in Deutschland streichen soll. „Für
       die Verwaltungen der Länder wird Aufbau von Bürokratie vermieden“,
       begründete sein Ministerium den Schritt.
       
       Die Länder würden bereits mit Zuschüssen aus Brüssel „Agrarumwelt- und
       Klimamaßnahmen insbesondere zur Weidehaltung“ anbieten. Wenn es jetzt eine
       bundesweit einheitliche Prämie gäbe, müssten „umfangreiche
       Umprogrammierungen vorgenommen werden“, heißt es etwas bürokratisch in
       diesem Entwurf eines „Gesetzes für Bürokratierückbau“.
       
       „Es bleibt fast nur noch Kopfschütteln“, sagte Jörg-Andreas Krüger, der
       Präsident des Naturschutzbunds, der taz. Die Begründung „Bürokratieabbau“
       sei „irgendwie auch Quatsch“, so der Chef von Deutschlands größter
       Umweltorganisation. Nur in wenigen Bundesländern bekämen Bauern derzeit
       Zuschüsse für Weidehaltung, weil sich die Regierungen ihren Eigenanteil
       nicht leisten könnten. Zudem müssten ausschließlich Betriebe, die die
       Förderung erhalten wollten, einen Antrag stellen. Die anderen Höfe würden
       nicht durch Bürokratie belastet.
       
       ## Wettbewerbsfähigkeit vor Artenschutz
       
       Immer weniger Kühe stünden auf der Weide, weil die Haltungsform ohne
       Förderung oft nicht wettbewerbsfähig sei, so Krüger. Diese Entwicklung
       schadet dem Naturschützer zufolge der Artenvielfalt. Weiden, auf denen
       Rinder liegen, koten und auf Böden treten, böten mehr Tier- und
       Pflanzenarten Lebensräume als Wiesen, die regelmäßig gemäht werden.
       Kuhfladen sind laut Krüger ein Nährboden für Insekten, von denen zum
       Beispiel die Rauchschwalbe lebe. Deren Bestand sei seit 1990 um 65 bis 70
       Prozent zurückgegangen.
       
       Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die vor allem kleine und
       mittlere Höfe vertritt, kritisiert zudem, dass die geplante Streichung „das
       genaue Gegenteil der gerade von Bundesminister Alois Rainer regelmäßig
       betonten Notwendigkeit der Schaffung von Planungssicherheit sei“. Seit 2024
       würden die Fördergelder angekündigt, viele WeidehalterInnen hätten sich
       darauf eingestellt.
       
       AbL-Aktivistin Kirsten Wosnitza, die selbst Kühe auf der Weide hält, sagte,
       es sei „blanker Hohn“, dass [3][CDU/CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag]
       mehr Unterstützung für die Weidehaltung als auch Geld für Klima-, Umwelt-
       und Tierwohlleistungen angekündigt hätten. Außerdem habe Rainer
       versprochen, das Kulturgut Weidehaltung zu schützen. „Wer so etwas sagt und
       dabei glaubhaft sein möchte, der streicht keine bundesweite Weideprämie“,
       so Wosnitza.
       
       ## Lieber Mindestanforderungen
       
       Doch die bei Weitem größte Agrarunternehmerorganisation, der Deutsche
       Bauernverband, hält Rainers Entscheidung für „nachvollziehbar, da
       zusätzlicher Verwaltungsaufwand für ein einzelnes Jahr vermieden wird“.
       Tatsächlich wird damit gerechnet, dass ab 2028 neue Regeln für die
       Verteilung der [4][EU-Agrarsubventionen] gelten, aus denen auch die
       Weideprämie finanziert würde. Der Bauernverband hat vor allem ein Problem
       mit der Zahlung: Sie würde „zulasten der Basisprämie“ gehen, schrieb
       Generalsekretärin Stefanie Sabet der taz. Für die Basisprämie verlangt die
       EU kaum Umweltleistungen, die über die gesetzlichen Mindestanforderungen
       hinausgehen.
       
       „Ich hoffe, dass das Umweltministerium diese Pläne stoppt“, sagte
       Naturschutzbund-Präsident Krüger. Das Ressort von Carsten Schneider (SPD)
       ließ eine Bitte der taz um Stellungnahme bis Redaktionsschluss
       unbeantwortet.
       
       16 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Alois-Rainer-Landwirtschaftsminister/!t6096815
 (DIR) [2] /Bundesagrarminister-Alois-Rainer/!6139615
 (DIR) [3] https://www.koalitionsvertrag2025.de/
 (DIR) [4] /Studie-zu-Reform-der-EU-Agrarzahlungen/!6180530
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Tierschutz
 (DIR) Alois Rainer Landwirtschaftsminister
 (DIR) Naturschutz
 (DIR) Schwerpunkt Bio-Landwirtschaft
 (DIR) Agrarpolitik
 (DIR) Landwirtschaftsministerium
 (DIR) Schwerpunkt Klimawandel
 (DIR) Kühe
 (DIR) Schwerpunkt Gentechnik
 (DIR) Schwerpunkt Pestizide
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Hitze und Dürre: Bauernverband erwartet schlechte Ernte
       
       Die Branche fordert staatliche Unterstützung. Laut Raiffeisenverband ist
       die Lebensmittelversorgung gesichert, steigende Preise drohen auch nicht.
       
 (DIR) Kinder fragen, die taz antwortet: Sind Kuhhörner eigentlich innen hohl?
       
       Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche
       beantworten wir eine. Diese Frage kommt von Josha, 5 Jahre.
       
 (DIR) Warnung von Umweltschützern: Neue Gentechnik, mehr Patente auf konventionelle Pflanzen
       
       Die geplante Reform der EU-Gentechnikregeln könnte einen Trend befeuern:
       Konzerne lassen sich auch konventionelle Pflanzen patentieren.
       
 (DIR) Folgen von Pestiziden und Kältemitteln: EU-Behörde stuft Säure TFA als fortpflanzungsschädlich ein
       
       Föten könnten durch TFA geschädigt werden, warnt die EU-Chemikalienbehörde.
       Der Stoff gelangt etwa durch Pestizide und Kältemittel in die Umwelt.
       
 (DIR) Umstrittener Vorschlag der EU-Kommission: Tests stoppten 50 Pestizide – EU erwägt weniger Prüfungen
       
       Krebs, Fehlbildungen, Umweltschäden: EU-Prüfungen stoppten seit 2011 rund
       50 zugelassene Pestizide. Doch die Kommission will solche Tests verringern.