# taz.de -- Hitze und Dürre: Bauernverband erwartet schlechte Ernte
> Die Branche fordert staatliche Unterstützung. Laut Raiffeisenverband ist
> die Lebensmittelversorgung gesichert, steigende Preise drohen auch nicht.
(IMG) Bild: Ein Mähdrescher ist bei einer Temperatur von 36 Grad in einem Getreidefeld mit Wintergerste unterwegs
afp/taz | Deutschlands Landwirt*innen rechnen wegen der anhaltenden
Hitze und Trockenheit mit Ernteeinbußen – im Süden könne es bei einigen
Kulturen auch „bis zum totalen Ertragsausfall gehen“, sagte Bauernpräsident
Joachim Rukwied. Gleichzeitig seien die Erzeugerpreise niedrig und die
Kosten für Energie und Diesel hoch. „Das halten die Landwirte nicht mehr
lange durch.“ Rukwied forderte Unterstützung, darunter eine Senkung der
Steuer auf Agrardiesel „bis mindestens Ende November“.
Der Bund räumt den Landwirt*innen bei der Steuer auf Agrardiesel bereits
starke Rabatte ein. Von den pro Liter anfallenden 47,04 Cent können sie
sich 21,48 Cent rückerstatten lassen. Diese fossile Subvention hat
Schwarz-rot seit diesem Jahr [1][wieder eingeführt], nachdem die
Ampel-Regierung [2][sie schrittweise abschaffen wollte].
Rukwied sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Freitagsausgaben), sein
Verband gehe von einer unterdurchschnittlichen Ernte bei Getreide, „hier
insbesondere beim Weizen, und bei Raps aus“. Auch für die Herbstkulturen
zeichne sich in der Tendenz ab, „dass wir auch hier mit erheblichen
Ertragseinbußen rechnen müssen“. Dies gelte beispielsweise für Kartoffeln,
Gemüse und Zuckerrüben, aber auch für Körnermais und Sojabohnen.
„In südlichen Teilen Deutschlands könnte das bis zum totalen Ertragsausfall
gehen“, fügte Rukwied hinzu. Etwas besser ist demnach die Lage im Norden,
wo es in den vergangenen Wochen immer mal wieder wenigstens etwas geregnet
hat. Dort sähen die Bestände noch akzeptabel aus. In der Tendenz werde es
aber auch im Norden „unterdurchschnittliche Ernten“ geben. Ein weiteres
Problem der anhaltenden Trockenheit, vor allem in Süddeutschland, „ist,
dass kein Futter mehr nachwächst.“
## Lebensmittelversorgung wohl nicht in Gefahr
Der Bauernpräsident sieht die Lage in der Landwirtschaft insgesamt düster.
„Die Belastungen sind immens. Ich kenne Kollegen, die ihre Pflanzenschutz-
und Düngemittelrechnungen nicht mehr bezahlen können und zur Bank gehen
müssen“, sagte er. „Manche greifen auf die Ersparnisse ihrer Frau oder ihre
Lebensversicherung zurück.“
Rukwied forderte im Sender Phoenix Unterstützung der Politik. Er nannte
eine Erhöhung der EU-Düngemittelbeihilfe von 60 Millionen Euro für
Deutschland auf 180 Millionen Euro sowie das Vorziehen der Auszahlung von
80 Prozent der EU-Direkthilfen auf Oktober. „Dritte Sofortmaßnahme wäre,
die Steuern auf Diesel deutlich zu senken bis mindestens Ende November. Das
würde den Bauern kurzfristig helfen und Entlastung bringen.“
Nachdrücklich forderte der Bauernpräsident die Umsetzung des
Koalitionsvertrages von Schwarz-Rot im Agrarbereich ein. „Was politisch
wichtig ist, ist, dass man eine steuerfreie Risikoausgleichsrücklage
einführt.“ So könne für schwierige Jahre ein finanzielles Polster
geschaffen werden. Dem ZDF sagte Rukwied am Donnerstagabend, die Bauern
bräuchten auch eine Ausnahme beim Mindestlohn.
Auf das kommende Jahr blickt Rukwied pessimistisch: Weil in vielen
Betrieben die finanziellen Mittel fehlten, werde aktuell zu wenig Dünger
eingekauft, der zudem deutlich teurer geworden sei, sagte er Phoenix. „Das
wird dann am Ende weiter sinkende Ernten im nächsten Jahr zur Folge haben.“
Auch beim Tierfutter gebe es durch die unterdurchschnittliche Ernte
Defizite. „Im schlechtesten Fall heißt das, dass die Landwirte den
Tierbestand abstocken müssen.“
Dem ZDF sagte Rukwied: „Wir Landwirte sehen schon länger, dass das Klima
sich verändert, dass es wärmer wird und dass die Extremwetterperioden
zunehmen. Deshalb stellen wir uns schon seit 15 bis 20 Jahren auf diese
Veränderung ein.“ Die Landwirte machten schon vieles – Rukwied nannte
wasserschonende Anbauverfahren und „resilientere, also widerstandsfähigere
Sorten, was Hitze, was Trockenheit anbelangt“. Wenn es aber „halt so extrem
ist wie in diesem Jahr, dann sind wir ein Stück weit hilflos“.
Die Landwirtschaft ist nicht nur Opfer des Klimawandels, sondern trägt auch
massiv dazu bei. [3][Laut Umweltbundesamt hat die Branche 2025 knapp 15
Prozent der hiesigen Treibhausgase verursacht,] [4][die Emissionen aus
Böden und beispielsweise für Dünger mit eingerechnet][5][.]
Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) hatte am Donnerstag die Einbußen bei
der Getreideernte auf rund drei Millionen Tonnen geschätzt, die daraus
resultierenden Einnahmeverluste für die Landwirte auf mehr als 600
Millionen Euro. DRV-Getreidemarktexperte Guido Seedler erklärte, „unterm
Strich ist es eine noch ausreichende, wenngleich auch
unterdurchschnittliche Ernte“. Die Versorgung sei nicht in Gefahr. Es seien
auch keine steigenden Verbraucherpreise für Brot, Brötchen und andere
Backwaren zu erwarten, denn der Anteil der Kosten für Getreide am Endpreis
für Backwaren sei sehr gering.
14 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Rente-Wehrdienst-Agrardiesel-und-Co/!6140346/
(DIR) [2] /Agrarpolitik-der-Bundesregierung/!5980053
(DIR) [3] https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/klimaschutz-in-der-landwirtschaft#weitere-emissionen-der-landwirtschaft
(DIR) [4] https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/klimaschutz-in-der-landwirtschaft#weitere-emissionen-der-landwirtschaft
(DIR) [5] https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/klimaschutz-in-der-landwirtschaft#weitere-emissionen-der-landwirtschaft
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