# taz.de -- Warnung von Umweltschützern: Neue Gentechnik, mehr Patente auf konventionelle Pflanzen
       
       > Die geplante Reform der EU-Gentechnikregeln könnte einen Trend befeuern:
       > Konzerne lassen sich auch konventionelle Pflanzen patentieren.
       
 (IMG) Bild: Bald mehr Patente in der EU auf Saatgut? Maisernte in Nordrhein-Westfalen
       
       Die geplanten EU-Regeln für [1][Gentechnik]-Pflanzen könnten zu mehr
       Patenten auch auf konventionelle Sorten führen und die Macht von
       Saatgutkonzernen vergrößern. Denn die Reform soll die Zulassung von
       Pflanzen der neuen Gentechnik erleichtern, die sich nach geltendem Recht
       besonders leicht patentieren lassen.
       
       „Mit neuer Gentechnik kann man auch natürlich vorkommende Genvarianten
       nachmachen. Diese Patente erstrecken sich dann auch auf die Verwendung der
       Gene in der konventionellen Züchtung“, sagt Christoph Then, Geschäftsführer
       des Vereins No Patents on Seeds!, der taz. Dem müsse das EU-Parlament bei
       der finalen Abstimmung über die Gentechnik-Reform am [2][Mittwoch] einen
       Riegel vorschieben.
       
       Patentiertes Saatgut dürfen Züchter nur mit Erlaubnis der
       Schutzrechteinhaber weiterentwickeln. Deshalb könnten solche Pflanzen
       Kritikern zufolge langsamer an die Klimakrise angepasst werden. Konzerne
       wie Bayer, Corteva oder Syngenta würden noch mehr Einfluss auf die
       Ernährung bekommen. „Zudem gibt es für die Landwirtschaft weniger Auswahl,
       und auch die Preise für Saatgut und Lebensmittel können betroffen sein.
       Letztlich gefährdet diese Entwicklung die Zukunft unserer Ernährung“, warnt
       Then.
       
       Das Europäische Patentamt habe kürzlich Patente auf Mais, Salat, Spinat und
       Tomaten meist mit einer verbesserten Resistenz gegen Schädlinge und
       Krankheitserreger erteilt, so der Umweltschützer. Alle seien durch
       herkömmliche Züchtungstechniken wie Selektion natürlicher Genvarianten und
       weiteren Kreuzungen geschaffen worden. Eigentlich sollte eine Regelung aus
       dem Jahr 2017 Patente auf konventionelle Züchtungen ausschließen. „Dennoch
       werden solche Patentanmeldungen vom Europäischen Patentamt weiterhin
       entgegengenommen und erteilt“, kritisiert Then. Die Behörde äußerte sich
       auf taz-Anfrage zunächst nicht.
       
       Der [3][Gentechnik-Verordnungsentwurf], auf den sich Unterhändler von
       Kommission, EU-Parlament und der Mitgliedstaaten geeinigt haben, würde das
       Patent-Problem den Umweltschützern zufolge nicht lösen. Er sieht im
       Wesentlichen nur einen unverbindlichen Verhaltenskodex für die
       Patentinhaber vor.
       
       Stattdessen empfiehlt No Patents on Seeds! dem Parlament zum Beispiel einen
       [4][Änderungsantrag] des deutschen Abgeordneten Martin Häusling (Grüne)
       anzunehmen. Er will die [5][EU-Patentrichtlinie] so anpassen, dass Patente
       auf Pflanzen und Merkmale verboten sind, wenn diese auch mit Verfahren
       erzeugt werden können, die nach EU-Recht nicht als Gentechnik reguliert
       werden. Damit wären so gut wie alle Patente auf konventionell erzeugte
       Pflanzen untersagt. Ähnliche Anträge haben die Linken und die
       Sozialdemokraten gestellt.
       
       Der Deutsche Bauernverband, der die [6][Lockerung der Gentech-Regeln
       grundsätzlich befürwortet], der Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter,
       die Evangelische Kirche in Deutschland und andere Organisationen
       kritisierten bereits in einem Papier vom Juni 2025, dass es unter anderem
       wegen der neuen Gentechnik immer mehr Patente auf Pflanzen gebe. Die
       Stellungnahme verlangte eine „[7][umfassende Einschränkung der
       Patentierung] biologischen Materials zur Pflanzenzüchtung, welches auch in
       der Natur vorkommt, vorkommen könnte oder zufällig entstanden ist“.
       
       Aber würde sich das Europäische Patentamt überhaupt an solche
       Einschränkungen halten? Es arbeitet vor allem nach dem Europäischen
       Patentübereinkommen, das die EU nicht allein, sondern nur gemeinsam mit den
       knapp 40 Vertragsstaaten modifizieren könnte. „Ja“, antwortet Then. „Für
       das Patentamt ist in diesem Bereich die EU-Patentrichtlinie verbindlich.“
       
       Die Befürworter von Patenten halten die Schutzrechte für nötig, damit die
       Firmen die Entwicklung neuer Pflanzen finanzieren können. Allerdings gibt
       es in Europa bereits ein Sortenschutzrecht mit Lizenzgebühren, das aber
       anders als das Patentrecht Ausnahmen für Züchter vorsieht.
       
       Der jetzige Verhandlungsstand zur Reform des Gentechnikrechts sieht vor,
       die Kennzeichnungspflicht und spezielle Risikoprüfung für zahlreiche
       Gentechnikpflanzen in Nahrungsmitteln zu kippen. [8][Damit könnten mehr
       mithilfe neuer Gentechnikmethoden wie Crispr/Cas erzeugte Pflanzen auf den
       Markt gelangen.] Verbraucher würden nicht mehr erkennen können, ob
       konventionelle Lebensmittel gentechnisch veränderte Pflanzen enthalten.
       Immerhin sollen die Vorschriften nicht für Sorten gelockert werden, die
       gegen Pestizide resistent oder giftig für Insekten sind.
       
       14 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Schwerpunkt-Gentechnik/!t5010915
 (DIR) [2] https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/OJQ-10-2026-06-17_DE.html
 (DIR) [3] https://oeil.europarl.europa.eu/oeil/en/procedure-file?reference=2023/0226(COD)
 (DIR) [4] https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/ENVI-AM-787763_EN.pdf
 (DIR) [5] https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/ALL/?uri=CELEX%3A31998L0044
 (DIR) [6] https://www.bauernverband.de/dbv-positionen/positionen-beschluesse/position/bauernverband-positioniert-sich-zu-neuen-zuechtungstechniken-2
 (DIR) [7] https://www.bdp-online.de/de/Ueber_uns/Our_positions/2025-06-12_Positionspapaier_Biopatente_final_komplett__002_.pdf
 (DIR) [8] /Expertin-zu-Gentechnik/!6135226
       
       ## AUTOREN
       
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