# taz.de -- Folgen von Pestiziden und Kältemitteln: EU-Behörde stuft Säure TFA als fortpflanzungsschädlich ein
       
       > Föten könnten durch TFA geschädigt werden, warnt die
       > EU-Chemikalienbehörde. Der Stoff gelangt etwa durch Pestizide und
       > Kältemittel in die Umwelt.
       
 (IMG) Bild: Ob diese Pestizide TFA bilden? Drohne versprüht Pestizide in China
       
       Ein Stoff, der beispielsweise aus Pestiziden oder Kältemitteln entsteht,
       kann der EU-Chemikalienbehörde Echa zufolge Embryonen und Föten schädigen.
       Das Amt teilte am Mittwoch mit, sein Risikoprüfungsausschuss empfehle eine
       Einstufung der [1][Trifluoressigsäure] (TFA) als „[2][wahrscheinlich
       reproduktionstoxisch]“ wegen entwicklungsschädigender Wirkungen. Demnach
       kann TFA vermutlich auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen.
       
       Zudem könne der wegen seiner langen Abbauzeit auch als Ewigkeitschemikalie
       bekannte giftige Stoff eine „sehr lang anhaltende und diffuse Verschmutzung
       von Wasserressourcen verursachen“. Die EU muss nun über Konsequenzen wie
       Kennzeichnung und Verbote entscheiden.
       
       In einem Tierversuch mit TFA seien Fehlbildungen an Nachkommen beobachtet
       worden, insbesondere Augenschäden bis zur Erblindung, berichtete Peter
       Clausing, Toxikologe der Umweltorganisation Pestizid Aktions-Netzwerk, der
       an den Diskussionen des Risikoprüfungsausschusses zu der Chemikalie
       teilgenommen hat. Deshalb hatten auch die zuständigen deutschen Behörden
       dazu geraten, TFA als [3][wahrscheinlich fortpflanzungsgefährdend]
       einzustufen.
       
       TFA findet sich zum Beispiel im Grundwasser, oft in einer Konzentration
       über den Grenzwerten. Laut Umweltbundesamt kann sie nur mit sehr hohem
       Aufwand bei der Trinkwasseraufbereitung entfernt werden. Bisher sind die
       Konzentrationen Behörden zufolge unbedenklich, doch die TFA-Funde nehmen
       zu.
       
       „[4][Wir begrüßen] die gründliche, objektive und unabhängige Bewertung
       durch den Risikoprüfungsausschuss“, sagte Umweltschützer Clausing nun. „Die
       Belege wurden sorgfältig geprüft und die wissenschaftliche Begründung
       entsprach höchsten Standards“. Der Industrieverband Agrar, der deutsche
       Pestizidhersteller vertritt, erklärte, bestehende Daten zeigten, „dass
       Schwellenwerte für eine sichere Verwendung identifiziert“ werden könnten.
       
       ## PAN fordert Verbot von betroffenen Pestiziden
       
       In diese Richtung scheint auch die EU-Kommission zu gehen: Die EU-Behörde
       für Lebensmittelsicherheit arbeitet laut Pestizid Aktions-Netzwerk an einem
       Richtwert, der eine für die Gesundheit unschädliche TFA-Menge definieren
       soll. Dieses Vorgehen lehnt das Netzwerk ab. Kein Grenzwert könne ersetzen,
       die Verschmutzung an der Quelle zu stoppen: „Bei den derzeitigen
       Zunahmeraten werde die Belastung unabhängig von der festgelegten Grenze
       schädliche Werte erreichen“, so die Organisation.
       
       Umweltschützer fordern schon lange, alle Pestizide zu verbieten, die TFA
       bilden. Denn gemäß EU-Recht dürfen Wirkstoffe für Pflanzenschutzmittel
       normalerweise nicht genehmigt werden, wenn sie wie nun TFA als
       fortpflanzungsgefährdend eingestuft sind. Allerdings sind Ausnahmen
       möglich.
       
       Die Säure wurde zum Beispiel 2016 in Trinkwasser der Neckarregion
       nachgewiesen, wie das [5][Umweltbundesamt und andere Behörden] Ende Mai
       mitteilten. TFA-Vorsubstanzen stammen außer aus Pestiziden aus großen
       Industrieanlagen und Produkten wie [6][Pappbechern, Pizzakartons,
       Backpapier, antihaftbeschichteten Pfannen, Outdoorkleidung, Teppichen,]
       aber auch aus dem Kältemittel R1234yf. Dieses wird laut Deutscher
       Umwelthilfe in [7][fast jeder Autoklimaanlage] genutzt.
       
       TFA gehören zu den „per- und polyfluorierten Alkylverbindungen“ (PFAS): Sie
       werden synthetisch hergestellt, sind wasserabweisend, hitzebeständig,
       ausgesprochen stabil und zersetzen sich deshalb kaum oder gar nicht.
       Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass einige der Chemikalien bei
       Menschen die Leber und das Immunsystem schädigen, die Wirkung von Impfungen
       und die Fruchtbarkeit verringern sowie Krebs erzeugen können. Einige
       Untergruppen sind bereits untersagt.
       
       Ende März hatte die Echa [8][ein weitreichendes Verbot von
       Ewigkeitschemikalien empfohlen], wobei sie aber eine Reihe von Ausnahmen
       als sinnvoll einstufte. Dazu erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina
       Reiche (CDU) damals: „Ein allgemeines Verbot lehnen wir ab.“ (mit afp)
       
       10 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Gefahren-fuer-die-Fortpflanzung/!6106320
 (DIR) [2] https://echa.europa.eu/documents/d/guest/rac77_final_minutes_en
 (DIR) [3] /29-zugelassene-Pestizidwirkstoffe-bilden-gefaehrliche-Saeure/!6091048
 (DIR) [4] https://pan-europe.email-provider.eu/web/3xt9c0vpiv/y1hsoayu85/df12o4firx/laynsqzpr1?lp-t=1781071204
 (DIR) [5] https://www.umweltbundesamt.de/presse/pressemitteilungen/trifluoressigsaeure-tfa-bewertung-fuer-einstufung
 (DIR) [6] https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/3521/publikationen/2021_hg_chemiekalieneintrag_bf.pdf
 (DIR) [7] https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/verschaerfte-risikobewertung-von-ewigkeitschemikalie-tfa-deutsche-umwelthilfe-fordert-sofortige-besc/
 (DIR) [8] /Gefaehrliche-Ewigkeitschemikalien/!6166123
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jost Maurin
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Schwerpunkt Pestizide
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Chemikalien
 (DIR) Europäische Union
 (DIR) Schwerpunkt Pestizide
 (DIR) Landwirtschaft
 (DIR) Schwerpunkt Pestizide
 (DIR) Schwerpunkt Pestizide
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Gesundheitsrisiko aus der Landwirtschaft: EU senkt Grenzwert für giftige Säure TFA aus Pestiziden
       
       Die Behörde für Lebensmittelsicherheit stuft ein Abbauprodukt vieler
       Ackergifte nun als gefährlicher ein als bislang. Werden sie jetzt verboten?
       
 (DIR) Agrarminister Rainer unter Druck: Scharfe Kritik am Aus für geplante Weideprämie
       
       Agrarminister Alois Rainer will die geplante Milchvieh-Weideprämie kippen.
       Naturschützer, Kleinbauern und einige CDU-Politiker protestieren – der
       Bauernverband nicht.
       
 (DIR) Umstrittener Vorschlag der EU-Kommission: Tests stoppten 50 Pestizide – EU erwägt weniger Prüfungen
       
       Krebs, Fehlbildungen, Umweltschäden: EU-Prüfungen stoppten seit 2011 rund
       50 zugelassene Pestizide. Doch die Kommission will solche Tests verringern.
       
 (DIR) Gefahren für die Fortpflanzung: Umwelthilfe will Pestizidverbote wegen schädlicher Säure
       
       Der Umweltverband beantragt, 3 Pestizide zu untersagen, da sie zu einem
       fortpflanzungsgefährdenden Stoff zerfielen. Die Bayer AG weist Kritik
       zurück.
       
 (DIR) Grüne für Verbot: 29 zugelassene Pestizidwirkstoffe bilden gefährliche Säure
       
       Deutsche Behörden stufen Trifluoressigsäure als fortpflanzungsgefährdend
       ein. Als Konsequenz verlangen die Grünen, mehrere Pestizide zu verbieten.