# taz.de -- Klamme Kassen bei den Krankenkassen: Sparpaket mit Nebenwirkungen
> Damit die Krankenkassenbeiträge nicht weiter steigen, hat die Regierung
> ein Sparpaket beschlossen. Vor der ersten Lesung im Bundestag sorgt es
> für heftige Debatten.
(IMG) Bild: Sorgt mit ihrem Sparpaket für Unmut: Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU)
In dieser Woche wurde bekannt, dass das Milliardendefizit der Krankenkassen
in 2027 noch höher ausfallen dürfte als bislang befürchtet. Ohne
Sparmaßnahmen drohen den gesetzlich Versicherten und ihren Arbeitgebern
weiter steigende Beiträge. Da passt es doch gut, dass am Freitag das von
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) geschnürte
Krankenkassen-Rettungspaket zur ersten Lesung auf der Agenda des Bundestags
steht. Doch schon jetzt ist klar: Das „Beitragssatzstabilisierungsgesetz“
werde die Beiträge nicht wie versprochen stabilisieren, sagt der grüne
Gesundheitspolitiker Janosch Dahmen. Dafür belaste es die Falschen.
Ende März legte die [1][vom Gesundheitsministerium bestellte
Finanzkommission Gesundheit] 66 Vorschläge für Einsparungen vor. Die
Kommission, besetzt mit Expert*innen aus Gesundheitsökonomie,
Sozialrecht, Medizin, Ethik und Public Health, sieht ein Einsparpotenzial
von 42,3 Milliarden Euro bereits für 2027. Dem steht ein erwartetes Defizit
von bisher 15,3 Milliarden Euro gegenüber, das sich nun wohl weiter erhöhen
wird.
Im Kabinett vorab beschlossen [2][wurde ein Gesetzentwurf], der bei so
ziemlich allen Akteur*innen des Gesundheitswesens für Kritik sorgt. Er
sieht unter anderem vor, die Vergütungsanstiege bei allen
Leistungserbringenden im Gesundheitswesen – wie Krankenhäuser oder
niedergelassene Kassenärzt*innen – zu kappen.
Für Patient*innen erhöhen sich die Zuzahlungen für Medikamente und
Hilfsmittel. Außerdem soll bei der kostenlosen Mitversicherung von
Ehegatten gespart und die Beitragsbemessungsgrenze – also der Anteil des
Gehalts, bis zu dem Versicherte Krankenkassenbeiträge bezahlen müssen –
einmalig erhöht werden. Die bisher nur anteilige Bundeszuschuss für die
Gesundheitsversorgung von Bürgergeldbezieher*innen soll schrittweise
leicht erhöht werden. Aktuell zahlen die Krankenkassen hier rund 10
Milliarden Euro drauf.
Doch dieser höhere Zuschuss wird durch eine gleichzeitige Kürzung des
Bundeszuschusses für familien- und sozialpolitische Aufgaben der
Krankenkassen wieder aufgezehrt. Der Spitzenverband der gesetzlichen
Krankenversicherung nennt das einen „billigen Taschenspielertrick“. Er hat
bereits mit mehreren Krankenkassen [3][Klage gegen die Bundesregierung]
eingereicht.
„Statt für einen steuerlichen Ausgleich versicherungsfremder Leistungen zu
sorgen, zieht die Bundesregierung den Krankenkassen weitere zwei Milliarden
Euro aus der Tasche“, kritisiert auch Janosch Dahmen. Insgesamt müsse fast
die Hälfte der Maßnahmen von Beitragszahlenden und ihren Arbeitgebern
getragen werden. Gerade die milliardenschwere Pharmaindustrie werde dagegen
[4][anders als dargestellt] und entgegen den Vorschlägen der
Finanzkommission geschont.
Dahmen befürchtet angesichts pauschaler Kürzungen außerdem gefährliche
Auswirkungen gerade auf versorgungsrelevante Kliniken, Praxen und
Rettungsdienste. Deren Selbstvertretungen protestieren seit Wochen gegen
das Sparpaket.
Das Gesetz soll noch vor der parlamentarischen Sommerpause, die am 11. Juli
beginnt, im Bundestag verabschiedet werden. Anschließend muss es den
Bundesrat passieren. Die Bundesländer kritisieren, dass die Mehrbelastungen
für kommunale und Universitätskrankenhäuser die Haushalte der Länder und
Kommunen belasten werden. Der Bundesrat berät am Freitag ebenfalls über all
diese Bedenken.
11 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.bundesgesundheitsministerium.de/finanzkommission-gesundheit
(DIR) [2] /Sparmassnahmen-fuer-Deutschland/!6175038
(DIR) [3] /Finanznot-der-Krankenkassen/!6105462
(DIR) [4] /Alzey-ohne-Lilly/!6184803
## AUTOREN
(DIR) Manuela Heim
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