# taz.de -- Proteste gegen Gesundheitsreform: Tausende protestieren gegen Kürzungen im Gesundheitswesen
> Vor der Gesundheitsministerkonferenz in Hannover gibt es massive Proteste
> gegen Warkens Reformpläne. Die Länder sind ebenfalls nicht begeistert.
(IMG) Bild: „Diese Reformpläne sind richtig, richtig gefährlich für die Versorgung, für die Beschäftigten“ sagt Sylvia Bühler von ver.di
Die Gesundheitsministerkonferenz tagt an diesem Mittwoch und Donnerstag in
Hannover. Und gleich zum Auftakt bekamen sie den gesammelten Unmut der
Beschäftigten aus dem Gesundheitswesen gegen die Sparpläne von
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zu spüren.
Den Auftakt machten die Hebammen und das Bündnis Klinikrettung am Vormittag
vor dem Tagungsort mit rund 500 Leuten. Zur Großkundgebung auf dem Platz
vor dem Rathaus hatten Verdi und der Marburger Bund rund 8.000 Leute
mobilisiert, die mit Bussen aus dem gesamten Bundesgebiet angereist kamen.
Unter dem Motto „Warken stoppen“ protestierten Beschäftigte aus
Krankenhäusern, Pflegeheimen, Arztpraxen, Einrichtungen der
Behindertenhilfe und Psychotherapeuten. Weitere Proteste gab es in Bayern
und Baden-Württemberg, in Hamburg blieben zahlreiche Praxen geschlossen.
Im Fokus der Gewerkschaften: [1][die Aushebelung der Tariftreue]. Das
spielt sowohl beim jetzt vorgelegten GKV-Stabilisierungsgesetz als auch bei
der [2][zuvor schon vorgelegten Pflegereform] eine Rolle. Mit dem
GKV-Stabilisierungsgesetz soll dem zu erwartenden Milliardendefizit der
Gesetzlichen Krankenkassen begegnet und die Beiträge sollen stabil gehalten
werden. Es ist keine Strukturreform – die steht noch aus.
## Breiter Protest
Der aktuelle Vorschlag sieht allerdings vor, dass Tariferhöhungen nicht
mehr vollständig refinanziert werden. Deshalb standen nicht nur
Gewerkschafter, sondern auch Vertreter der Klinikbetreiber auf dem Platz.
Von einer „erheblichen sozialen Schieflage“ sprach Verdi-Bundesvorständin
Sylvia Bühler. „Diese Reformpläne sind richtig, richtig gefährlich für die
Versorgung, für die Beschäftigten.“ Ihre Sorge: Wenn die Krankenhäuser die
Tarifsteigerungen nicht refinanziert bekommen, werden sie zu
Personaleinsparungen gezwungen sein.
Unterstützung bekommen die Gewerkschaften in diesem Punkt aus den Ländern.
Zwar betonte der niedersächsische Gesundheitsminister Andreas Philippi
(SPD), derzeit GMK-Vorsitzender, dass alle die Notwendigkeit von Reformen
sähen. Eine weitere Steigerung der Krankenkassenbeiträge müsse um jeden
Preis vermieden werden, denn die träfe letztlich auch die Beschäftigten,
sekundierte sein Amtskollege Karl-Josef Laumann (NRW). Dann bliebe nicht
nur weniger Netto vom Brutto, sondern man riskiere auch den weiteren Abbau
von Arbeitsplätzen, weil Deutschlands Industrie nicht mehr wettbewerbsfähig
sei.
## Angst vor Klinikpleiten
Gleichzeitig regt sich unter den Ländern in seltener parteiübergreifender
Einigkeit Widerstand gegen wesentliche Teile der Einsparpläne Warkens. Denn
die Länder befürchten, dass es zu unkontrollierten Klinikpleiten kommt,
bevor die Neuordnung durch die Krankenhausreform greifen kann. Viele
Krankenhäuser schreiben schon jetzt rote Zahlen.
Deshalb haben sich auch schon die Wissenschaftsminister aus acht
Bundesländern (Baden-Würtetemberg, Berlin, Brandenburg, Hessen,
Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und
Schleswig-Holstein) zu Wort gemeldet. Sie sehen erhebliche finanzielle
Risiken für die Universitätskliniken auf sich zukommen.
Einig ist man sich vor allem bei einer Forderung: Der Bund soll zuerst
seine Hausaufgaben machen und die Finanzierung von versicherungsfremden
Leistungen – wie den Beiträgen für Bürgergeldempfänger – vollständig
übernehmen.
Die Gesundheitsminister der Länder werden sich heute und morgen noch
intensiv mit den Gesetzentwürfen aus dem Hause Warken befassen. Philippi
kündigte eine gemeinsame Positionierung der Länder im Bundesrat an. Am
Freitag befasst sich der Bundestag in erster Lesung mit dem
GKV-Stabilisierungsgesetz.
10 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Tariftreuegesetz-Abgespeckt-gegen-Lohndumbing/!6157851
(DIR) [2] /Pflegereform-und-Einsparungen/!6184989
## AUTOREN
(DIR) Nadine Conti
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