# taz.de -- US-Konzern halbiert Milliardenprojekt: Pharma macht Ernst
> 1.000 Arbeitsplätze sollten in Rheinland-Pfalz geschaffen werden, jetzt
> wurde das Soll halbiert. Das könnte sogar die Gesundheitsreformen
> beeinflussen.
(IMG) Bild: Symbolischer Spatenstich für neue Lilly-Produktionsstätte in Alzey, Rheinland-Pfalz, am 8. 4. 2024
2,5 Milliarden Dollar investieren und 1.000 Arbeitsplätze schaffen wollte
der US-Pharmakonzern Eli Lilly im rheinland-pfälzischen Alzey. Jetzt hat er
angekündigt, das Projekt um 50 Prozent zu reduzieren.
Der Grund ist laut Eli Lilly der gesundheitspolitische Kurs der
Bundesregierung. In einem Schreiben teilte das Unternehmen mit, [1][das
Gesetz zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen
Krankenversicherung (BStabG)] sorge dafür, dass Investitionen
unkalkulierbar würden. Auf eine Presseanfrage der taz verwies das
Gesundheitsministerium darauf, dass das Gesetz insbesondere noch auf eine
„Verbesserung der Planungssicherheit für Unternehmen“ geprüft werde.
## Reformpläne sind schuld
Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hatte angekündigt, mit dem BStabG
höhere Rabatte und verschärfte Erstattungsregeln durchzusetzen. Für die
Pharmaindustrie hieße das: weniger Einnahmen durch die Krankenkassen.
Warken will so Finanzlöcher in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV)
schließen. Im Handelsblatt nannte Eli-Lilly-Chef Dave Ricks die Pläne ein
„schreckliches Signal“, auch andere Konzerne hatten den Gesetzentwurf zuvor
kritisiert.
„Der deutsche Markt bleibt trotz der diskutierten Maßnahmen attraktiv für
die pharmazeutische Industrie. Zudem hat auch dieser Industriezweig als
Arbeitgeber Interesse an stabilen Sozialbeiträgen“, widerspricht das
Gesundheitsministerium auf Anfrage der taz. Am kommenden Freitag soll der
Bundestag erstmals über den Gesetzentwurf beraten.
## Schnieder will in Berlin Einfluss nehmen
In Rheinland-Pfalz steht der neu gewählte CDU-Ministerpräsident Gordon
Schnieder jetzt unter Druck, Milliarden Einnahmen könnten doch nicht in
sein Bundesland fließen. Dabei hieß es dort lange: Zumindest haben wir noch
Eli Lilly. Das galt vielen als Beleg dafür, dass der
[2][Wirtschaftsstandort noch nicht verloren sei]. Zum Beispiel, nachdem das
Batteriewerk ACC in Kaiserslautern einen Rückzieher machte, oder Anfang
Mai, als der Pharmakonzern BioNTech in Idar-Oberstein ankündigte, das Werk
zu schließen.
Im aktuellen Gesetzgebungsverfahren des BStabG wolle Schnieder jetzt „in
Berlin vermittelnd Einfluss nehmen“. In der Pressemitteilung erklärte
Schnieder außerdem: „Das Ziel der GKV-Reform muss es sein, unseren
Sozialstaat zukunftsfest aufzustellen und zugleich den Wirtschaftsstandort
Deutschland zu stärken.“
Der Bürgermeister von Alzey, Steffen Jung, fordert in einer Stellungnahme:
„Die Bundesregierung steht nun in der Verantwortung, die Sorgen der
Unternehmen ernst zu nehmen, den Dialog zu suchen und für verlässliche
Rahmenbedingungen zu sorgen.“ Laut Unternehmen Eli Lilly ist der Rohbau
bereits abgeschlossen, der Innenbau fortgeschritten und 300 Mitarbeiter
eingestellt. Trotz angekündigter Kürzungen will Lilly den Standort 2027 in
Betrieb nehmen.
## „Lex Lilly“
Schon in der Vergangenheit sorgte der Konzern Eli Lilly für Schlagzeilen:
Beim Spatenstich in Alzey 2024 inszenierten sich öffentlichkeitswirksam der
damalige Kanzler Olaf Scholz, der damalige Gesundheitsminister Karl
Lauterbach, die damalige rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu
Dreyer sowie Konzernchef Dave Ricks.
[3][Laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung, NDR, WDR und der
Journalistengenossenschaft „Investigate Europe“] soll die Bundesregierung
dem US-Konzern zur Ansiedlung zuvor die Möglichkeit zu Geheimverhandlungen
mit den Krankenkassen zugesichert haben. Im Medizinforschungsgesetz hatte
sie damals festgehalten, dass Erstattungspreise, die Unternehmen für neue
Medikamente mit der GKV aushandeln, nicht mehr öffentlich zugänglich sein
müssen. [4][Kritiker nannten dies anfangs „Lex Lilly“], also Lilly-Gesetz.
Der Konzern bestritt damals, dass zwischen Gesetz und Ansiedlung ein
Zusammenhang bestehe. Die damalige Bundesregierung äußerte sich laut
Informationen der SZ nicht.
5 Jun 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Finanzluecke-im-Gesundheitssystem/!6170942
(DIR) [2] /Landtagswahlen-in-Rheinland-Pfalz/!6158781
(DIR) [3] https://www.sueddeutsche.de/projekte/artikel/politik/pharma-eli-lilly-mfg-lauterbach-scholz-e036761/
(DIR) [4] /Linke-ueber-Medizinforschungsgesetz/!6018297
## AUTOREN
(DIR) Jana Laborenz
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