# taz.de -- Politisch motivierte Kriminalität: Aber der Linksextremismus
       
       > Politische Kriminalität ist auf einem Höchststand. Die größte Gefahr
       > kommt von rechts, gibt Innenminister Dobrindt zu. Und warnt dann vor den
       > Linken.
       
 (IMG) Bild: Klar, die größte Gefahr geht vom Rechtsextremismus aus – aber …
       
       CSU-Innenminister Alexander Dobrindt warnt gerne vor Gefahren von links.
       Als er im vergangenen Jahr den Verfassungsschutzbericht vorstellte,
       suggerierten seine mitgebrachten Grafiken, dass das Personenpotenzial im
       Links- und im [1][Rechtsextremismus] ähnlich groß wäre. Später stellte sich
       heraus: Das war ein plumper Trick. Die Grafik zu Linksextremismus hatte
       einen deutlich kleineren Maßstab, der Anstieg war deutlich geringer als im
       Rechtsextremismus.
       
       Dobrindts Subtext damals: Beide Ränder sind gefährlich, die Union ist in
       der Mitte und bekämpft gemäß [2][Hufeisentheorie] alle Extremisten. Die
       eigenen Anteile am Rechtsruck und dem Rassismus der Mitte durch die
       Übernahme von Abschottungsdiskursen, die Rechtsextremismus legitimieren und
       Täter zu rechter Gewalt ermutigen, spielten naturgemäß keine Rolle.
       
       In diesem Jahr bei der Vorstellung der [3][Zahlen zu politisch motivierter
       Kriminalität (PMK)] war die Botschaft die gleiche. Was immerhin anders war:
       Dobrindt hatte keine groteske Schummelgrafik dabei. Zur Präsentation der
       sogenannten PMK-Zahlen zeigte er diesmal eine Grafik mit zwei Linien im
       selben Maßstab: eine braune höhere für rechtsextreme Gewalt, die auch im
       Jahr 2025 mit 1.598 Taten mal wieder auf einem Höchststand lag, und
       darunter eine rote für linksextreme Gewalt, rund ein Drittel niedriger,
       aber gegenüber dem Vorjahr deutlich angestiegen – um 42,65 Prozent auf
       1.087 Delikte.
       
       ## „Aber“
       
       Dobrindts Worte dazu: „Deutlich zu sehen ist, dass wir es gerade in der
       linken Szene mit erheblichem Ansteigen der Gewalttaten zu tun haben.“ Etwas
       pflichtschuldig streute er ein, „dass die größte Gefahr natürlich vom
       Rechtsextremismus ausgeht, eindrucksvoll aber wird klar, dass die linke
       Szene deutlich mobilisiert und dafür sorgt, dass Gewalttaten stärker in
       unsere Gesellschaft auftreten“.
       
       Der Anstieg bei den linksextremen Taten sei zu erklären durch viele
       politische Demonstrationen und etwa Körperverletzungen gegen die Polizei
       und Widerstand gegen Staatsgewalt, so Dobrindt – womit wohl [4][Großdemos
       gegen AfD-Parteitage] und gegen die gemeinsame Abstimmung der Union mit der
       AfD beim Thema Migration im Vorfeld der Bundestagswahl 2025 gemeint sein
       dürften. Er wolle aufrüsten beim Kampf gegen Linksextremismus, kündigte
       Dobrindt an, ebenso wie Strafverschärfungen für Widerstand gegen
       Polizist*innen.
       
       Insgesamt ist die politisch motivierte Kriminalität auf 85.837 Taten um
       rund 2 Prozent gestiegen – ein erneuter Rekord seit Erfassung, wenn auch
       eine geringere Zunahme um 4.107 Taten trotz des politischen aufgeladenen
       Jahres 2025 inklusive Bundestagswahl.
       
       Der Großteil der Straftaten waren erneut Rechtsextremen zugeordnet: 45.544
       (rund 53 Prozent aller Taten). Die rechten Straftaten lagen damit deutlich
       vor linken (13.490) und jenen die das Bundeskriminalamt BKA „ausländischen“
       (6.886) und religiösen (1.983) Ideologien und „Sonstigen“ zuordnete
       (20.934).
       
       ## Besonders starker Anstieg bei Frauenfeindlichkeit
       
       Holger Münch, der Präsident des BKA, verwies in der Bundespressekonferenz
       darauf, dass die Zahlen mehr als doppelt so hoch lägen wie vor 10 Jahren:
       „Wir sehen eine zunehmende Polarisierung und Gewalttaten gegen politisch
       Andersdenkende.“ Der Einfluss von Propaganda und die gesellschaftlich
       zugespitzte Stimmung, wesentlich getrieben von sozialen Medien, mache sich
       auch in steigender Hasskriminalität bemerkbar.
       
       22.159 Straftaten verzeichnete das BKA unter diesem Label und auf
       verschiedenen Deliktfeldern: Diese mache sich unter anderem bemerkbar bei
       Anstiegen in der „Fremdenfeindlichkeit“ (19.484 Fälle), Queerfeindlichkeit
       (1.294), Frauenfeindlichkeit (819) sowie beim Antisemitismus (6.548), wobei
       die Hälfte der Fälle einen Bezug zum Nahostkonflikt habe.
       
       Besonders groß sei die Zunahme bei explizit queerfeindlichen (12 Prozent
       Zunahme) und frauenfeindlichen Taten (46,7 Prozent) – dies seien
       Entwicklungen, die von Veröffentlichungen in sozialen Medien getrieben
       seien, wo sich Personen in Foren wie etwa der Incel-Szene zusammenfänden
       und sich dort gegenseitig zu Gewalttaten motivierten, erklärte Münch. Er
       wertete den überdurchschnittlichen Anstieg als ein Zeichen für eine
       Veränderung im Frauenbild und der Gewalteinstellung gerade im rechten
       Spektrum bei radikalisierten jungen Menschen.
       
       Die [5][Todesopfer rechter Gewalt] und viele Taten aus dem Dunkelfeld, die
       von Opferstellen gezählt werden, aber nicht offiziell in der BKA-Statistik
       auftauchen, kamen nicht zur Sprache. Stattdessen stellte Dobrindt klar,
       dass er weiter mit den islamistischen Taliban über Abschiebungen
       ausländischer Straftäter verhandeln wolle.
       
       9 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://fragdenstaat.de/artikel/exklusiv/2025/07/die-grosste-bedrohung-bleibt-geheim/
 (DIR) [2] /Unvereinbarkeitsbeschluss-der-Union-/!6087226
 (DIR) [3] https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Deliktsbereiche/PMK/PMKZahlen/PMKZahlen_node.html
 (DIR) [4] /Demonstration-gegen-AfD/!5982950
 (DIR) [5] /Bilanz-rechtsextremer-Straftaten/!6174993
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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