# taz.de -- Parlamentswahl in Armenien: Russland verliert an Einfluss, nun ist die EU am Zug
       
       > Bei einer Richtungswahl in dem Südkaukasus-Land bestätigt die Bevölkerung
       > die EU-Politik ihres Premiers Nikol Paschinjan. Das sollte Brüssel
       > nutzen.
       
 (IMG) Bild: Hat die Parlamentswahl haushoch gewonnen: Premier Nikol Paschinjan
       
       Die Armenier:innen haben sich am Sonntag für Frieden und für Europa
       entschieden: Bei der [1][Parlamentswahl] gewann mit 50 Prozent die Partei
       „Zivilvertrag“ des Premiers Nikol Paschinjan die absolute Mehrheit der
       Parlamentssitze. Dahinter landete mit 23 Prozent „Starkes Armenien“, die
       2025 gegründete Partei des armenisch-russischen Oligarchen Samwel
       Karapetjan, Moskaus Mann in Jerewan. Damit ist klar: Armenien bleibt bei
       seinem proeuropäischen Kurs – und seinen Friedensplänen mit den Nachbarn
       Aserbaidschan und Türkei.
       
       Russland verliert in Armenien weiter an Einfluss, Armenien wird für Europa
       ein interessanterer Wirtschaftspartner. Es werden neue
       Investitionsmöglichkeiten und Handelsrouten entstehen. So sieht [2][das von
       US-Präsident Donald Trump vermittelte Friedensabkommen zwischen Armenien
       und Aserbaidschan] auch den Bau eines Transportkorridors vor, der vom
       aserbaidschanischen Kernland über armenisches Territorium zur Exklave
       Nachitschewan führt – eine weitere Verbindung zwischen Zentralasien und
       Europa unter der Umgehung Russlands und Irans als Transitländer.
       
       Dennoch ist der Weg Armeniens in die EU weit: Das Land muss erst seine
       komplette Wirtschaft umbauen und sich von Russland – seinem wichtigsten
       Handelspartner und Energielieferanten – entflechten. Auch wenn Armenien
       derzeit das demokratischste Land der Region ist, rangiert es bei
       verschiedenen Demokratieindizes im Mittelfeld. Der Grund: Polarisierung,
       Machtmissbrauch und mangelnde Justizunabhängigkeit. Nicht umsonst könnte
       ein EU-Beitritt Armeniens 20 bis 30 Jahre dauern.
       
       Russland wird weiterhin versuchen, Armenien auf prorussische Linie
       zurückzubringen. Und dabei so vorgehen wie in den Westbalkan-Staaten.
       [3][Diese Länder warten seit langem auf eine EU-Mitgliedschaft], die ihnen
       vor 23 Jahren auf dem EU-Westbalkan-Gipfel versprochen wurde. Die
       Enttäuschung über den schleichenden Beitrittsprozess nutzt Moskau für
       Desinformationskampagnen und Anti-EU-Stimmungsmache. Die EU sollte dagegen
       halten, Brüssel darf Armenien keine unnötigen Steine in den Weg legen.
       
       8 Jun 2026
       
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