# taz.de -- Verfeindete Länder im „Board of Peace“: Armeniens gute Miene zum bösen Deal
       
       > Armenien und Aserbaidschan sind beide in US-Präsident Trumps neuem
       > „Friedensrat“ vertreten. Dahinter steht ein Deal, an dem auch Europa
       > beteiligt ist.
       
 (IMG) Bild: Lächeln für schöne Bilder: Armeniens Premier Nikol Paschinjan (links) und der aserbaidschanische Präsident İlham Alijew
       
       Über mehrere Köpfe hinweg strecken sie sich ihre Hände entgegen. Der
       armenische Ministerpräsident Nikol Paschinjan lächelt verkniffen, der
       aserbaidschanische Staatschef İlham Alijew zeigt triumphierend seine Zähne:
       Es ist eins der Bilder, die das Weiße Haus nach dem [1][konstituierenden
       Treffen des „Board of Peace“] (zu Deutsch „Friedensrat“) veröffentlichte,
       den US-Präsident Donald Trump als Gegen-UN ins Leben gerufen hat.
       
       Das Bild ist die perfekte Werbung für Trump als Friedensstifter. Im
       vergangenen Sommer drängte er [2][die beiden verfeindeten Südkaukasusländer
       in Richtung eines Friedensvertrags]. Unterzeichnet ist dieser zwar noch
       nicht. Aber der US-Präsident rühmt sich bereits damit, einen seit Dekaden
       andauernden Krieg beendet zu haben – auch wenn er [3][die Namen der beiden
       Länder nicht richtig aussprechen kann].
       
       Doch zu welchem Preis? [4][Laut dem Friedensabkommen] müssen die beiden
       Länder das Staatsgebiet des anderen in den Grenzen der ehemaligen
       armenischen und aserbaidschanischen Sowjetrepubliken anerkennen. Was
       bedeutet, dass Armenien auf das bis 2023 armenisch besiedelte Bergkarabach
       verzichten muss.
       
       ## Vertrag ohne Sicherheitsgarantien
       
       Entlang der gemeinsamen Grenze dürfen außerdem keine militärischen Kräfte
       von Drittstaaten stationiert werden, womit sich die russischen Truppen aus
       dem Grenzgebiet zurückziehen müssten. Sicherheitsgarantien für das
       militärisch unterlegene Armenien enthält der Vertragstext nicht.
       
       Damit stellt das Abkommen zwar ein Ende des aktuellen Konflikts mit
       Aserbaidschan in Aussicht. Es lässt Armenien zugleich aber so schutzlos
       zurück wie nie zuvor. Die einzige Hoffnung: Trump und sein „Friedensrat“.
       
       „Es geht Armenien vor allem darum, die USA als Gegengewicht in der Region
       zu halten“, sagt Politikwissenschaftler Stefan Meister von der Deutschen
       Gesellschaft für Auswärtige Politik. „Der Board of Peace ist nur Mittel zum
       Zweck, um Trump interessiert zu halten und positiv zu stimmen.“
       
       ## Eine teure Show, um Trump zu gefallen
       
       Der armenische Politikwissenschaftler Narek Sukiasyan von der
       Friedrich-Ebert-Stiftung in Jerewan sieht das ähnlich: „Sowohl Paschinjan
       als auch Alijew wissen, dass ihre persönliche Anwesenheit von Trump
       geschätzt wird. Beide nutzen diese Plattform auch, um ihre Legitimität im
       eigenen Land öffentlichkeitswirksam zu stärken.“
       
       Es ist eine Show, die eigentlich sehr teuer ist. Für [5][Mitglieder des
       Board of Peace] wird ein Eintrittsgeld von einer Milliarde US-Dollar nach
       den ersten drei Jahren fällig. Für ein armes Land wie Armenien wäre dies
       finanziell schwer zu stemmen. Laut dem armenischen Außenministerium musste
       Jerewan bislang aber noch keine Gebühr bezahlen. Beide Experten schätzen es
       als unwahrscheinlich ein, dass dies zukünftig anders sein wird.
       
       Ein weiteres, im Rahmen des Friedensvertrags verhandeltes Abkommen sieht
       vor, dass auf südarmenischem Territorium ein Transitkorridor eingerichtet
       werden soll. Er soll das aserbaidschanische Kernland mit seiner Exklave
       Nachitschewan verbinden, die an die mit Aserbaidschan verbündete Türkei
       grenzt.
       
       ## Transitabkommen mit geopolitischer Bedeutung
       
       Und das ist noch nicht alles: Dieser Transitkorridor soll für 99 Jahre an
       die USA verpachtet werden. Der von der US-Regierung als „Trump Route for
       International Peace and Prosperity (TRIPP)“ bezeichnete Korridor hat eine
       große geopolitische Bedeutung, denn er würde auch Zentralasien mit Europa
       verbinden. „Das passt auch zu der Global-Gateway-Initiative der EU“, sagt
       Politikwissenschaftler Sukiasyan. Global Gateway bezeichnet eine
       Infrastrukturstrategie der EU, mit der sie einen Gegenpol zu der Neuen
       Seidenstraße Chinas initiieren will.
       
       Laut Stefan Meister versucht Trump, die Europäer zu überzeugen, für den
       Korridor zu bezahlen. „Die USA wollen dort selbst kein Geld aufwenden und
       private Investoren scheuen sich ebenfalls.“ Ein solcher Korridor hätte
       zudem immense Auswirkungen auf die gesamte Region. „Es wird vor allem
       zunächst Georgien schwächen, das sein Monopol auf den Ost-West-Transit in
       dieser Region verliert“, sagt Meister.
       
       Aber auch für Iran hätte ein von den USA kontrollierter Korridor Nachteile:
       Er würde den Handel des Landes nach Norden, insbesondere mit Russland,
       gefährden. Das würde Iran ökonomisch noch weiter schwächen – was im
       Interesse der USA ist. Auch die Trump-Regierung selbst will den Korridor
       für den Transport von Öl und Gas nutzen.
       
       ## Armeniens einzige Chance auf Frieden
       
       Für die kriegsmüden Armenier:innen scheint dieses Abkommen dennoch eine
       realistischere Chance auf dauerhaften Frieden zu bieten als die Präsenz der
       früheren Schutzmacht Russland im eigenen Land. Moskau hatte nach Beginn des
       Angriffskriegs auf die Ukraine seinen Beziehungen zu Aserbaidschan aufgrund
       von Gaslieferwegen einen größeren Stellenwert eingeräumt. Als Baku dann
       Bergkarabach angriff, schritt Russland deshalb nicht ein.
       
       Auch die Europäer boten Armenien keine verlässliche Perspektive. Zwar hatte
       Frankreich sich zunächst als Schutzmacht Armeniens ins Spiel gebracht.
       Letztlich war auch für Brüssel aber die Bedeutung Aserbaidschans als
       Gaslieferant relevanter.
       
       Armenien verfügt über keine eigenen Gasvorkommen. Das Territorium für den
       geplanten Transitkorridor war daher das Wertvollste, was es für einen
       [6][Deal à la Trump] anbieten konnte. Um seine Existenz zu sichern, muss
       Armenien alle diplomatischen Mittel nutzen. Und zu diesen Mitteln gehört
       aktuell auch der Board of Peace – auch wenn man auf dieser Bühne vorgeführt
       wird.
       
       26 Feb 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Eroeffnungssitzung-des-Board-of-Peace/!6152772
 (DIR) [2] /Konflikt-Armenien-und-Aserbaidschan/!6105856
 (DIR) [3] https://www.facebook.com/thedailyshow/videos/jon-stewart-helps-trump-flex-his-war-prowess/791136123500179/
 (DIR) [4] /Aserbaidscha-Armenien-und-Tuerkei/!6102758
 (DIR) [5] /Friedensrat-in-den-USA/!6156426
 (DIR) [6] /USA-im-Suedkaukasus/!6153431
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Eva Fischer
       
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