# taz.de -- 570 Forscher*innen gegen Rechtsruck: Hoch die interdisziplinäre Solidarität!
> Das Bündnis Wissenschaft gegen Faschismus veranstaltet eine Aktionswoche
> gegen Autoritarismus. Das ist vor den Landtagswahlen auch
> Selbstverteidigung.
(IMG) Bild: Demonstranten von Studis gegen rechts mit Transparent: Unser Campus Nazifrei
Große Teile der Wissenschaftslandschaft schlagen Alarm: [1][Über 570
Forscher*innen] haben sich im Bündnis [2][Wissenschaft gegen Faschismus]
zusammengeschlossen. Sie fordern die Gesellschaft, aber insbesondere auch
ihre Hochschulen, Unis und Kolleg*innen auf, dem Aufstieg von
Rechtsextremisten entschiedener entgegenzutreten. Man müsse Klimakrise und
Demokratiekrise zusammendenken, innerhalb der Forschung solidarisch sein
und brauche eine antifaschistische Wirtschaftspolitik, so zentrale
Forderungen des Aufrufs.
Das Bündnis will bewusst alle Disziplinen in Mithaftung nehmen:
„Verantwortung von Wissenschaft in Zeiten faschistischer Gefahr“, lautet
der Untertitel des Aufrufs. Das Bündnis veranstaltet eine [3][bundesweite
Aktionswoche vom 1. bis zum 7. Juni] mit mittlerweile mehr als 240
Veranstaltungen an über 70 Hochschulstandorten, Tendenz steigend. Vernetzt
wurde das Bündnis unter anderem von den „Studis gegen rechts“, mittlerweile
unterstützen auch ganze Unis und Institute. Und es dürften noch mehr
werden: Wissenschaftler*innen rufen dazu auf, in dieser Woche
bundesweit Lehrveranstaltungen am Thema auszurichten.
In einem von mehreren gemeinsamen Aufrufen geht die [4][Ökonomin Isabella
Weber] dabei mit ihrer Disziplin hart ins Gericht: „Die
Wirtschaftswissenschaft präsentiert sich gerne als politisch neutrale
Wissenschaft. Tatsächlich ist sie mit der materiellen Organisation unserer
Gesellschaft befasst. Sie ist inhärent politisch.“
Mit der Aktionswoche appelliere man an die Verantwortung der Wissenschaft,
sich angesichts des Rechtsrucks zu solidarisieren: „Mein Vorschlag ist eine
[5][antifaschistische Wirtschaftspolitik], die die Sicherung der
Lebensgrundlagen aller als oberstes Ziel verfolgt“, so Weber.
Auch der Klimaforscher Pao-Yu Oei von der Uni Flensburg unterstreicht die
notwendige Solidarisierung innerhalb der Wissenschaft: „Hochschulen sind
keine neutralen Räume – sie sind gesellschaftliche Verantwortungsträger der
gelebten Demokratie.“ Schweigen sei keine Option. Gerade in der
Klimapolitik zeige sich: „Wer Ungleichheit ignoriert, riskiert nicht nur
die Erde, sondern auch die Demokratie und den friedlichen Zusammenhalt“, so
Oei.
## Angriffe auf Wissenschaftsfreiheit
Besondere Dringlichkeit sieht das Bündnis aufgrund der anstehenden
Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Chance
auf exekutive Macht für die extrem rechte AfD so wahrscheinlich wie nie
zuvor ist. Eine AfD-Landesregierung [6][könnte der Wissenschaft kurzerhand
den Geldhahn zudrehen], um unter anderem unliebsame Forschungsfelder oder
studentische Selbstorganisation de facto abzuschaffen.
Die Humangeografin Uli Beisel von der FU Berlin warnt: „Wir haben in den
letzten Jahren zunehmend [7][Angriffe auf Wissenschaftsfreiheit] gesehen.
Dazu zählt die Diffamierung von Wissen in der Klimaforschung, der Virologie
und Impfforschung, Gender Studies und Forschung zu Rassismus.“
Dagegen komme es nun auf die Verteidigung und Aufklärung an, wie die
[8][Kulturwissenschaftlerin Margarita Tsomuo] unterstreicht: „Autoritäre
Kräfte greifen zuerst nach Kultur und Bildung – wer das nicht verteidigt,
hat nichts mehr zu lehren.“ Wissen über Faschismus sei kollektives
Schutzwissen, das auf die Straße und die Öffentlichkeit gehöre – deshalb
fordere sie: „Hochschulen öffnen, diskutieren, handeln. Jetzt, nicht
irgendwann!“
## Unis als Orte demokratischer Aufklärung
Ein Höhepunkt der Aktionswoche soll unter anderem [9][eine hybride
Diskussionsveranstaltung] zur Aktualität des kontroversen
Faschismusbegriffes sein. Die findet am 3. Juni an der Humboldt-Uni in
Berlin statt. Dort diskutieren die [10][Philosophin Rahel Jaeggi], der
Verfassungsblog-Chef [11][Maximilian Steinbeis] und die
Integrationsforscherin [12][Naika Foroutan] sowie Kulturwissenschaftlerin
Tsomou zur Frage: „Faschismus benennen? Warum? Analyse, Verantwortung und
demokratischer Widerstand in Zeiten faschistischer Gefahr“.
Einig sind sich viele der Wissenschaftler*innen darin, dass auch
Nichtstun politisch sei. Erst recht, wenn autoritäre Politik auch ohne
AfD-Regierung normalisiert werde, müssten Minderheiten und Vielfalt umso
dringender geschützt werden – auch und gerade an den Unis.
28 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://wissenschaft-gegen-faschismus.de/index.php/unterstuetzer_innen/
(DIR) [2] https://wissenschaft-gegen-faschismus.de/
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(DIR) [4] /Buch-ueber-alternative-Wirtschaftspolitik/!6148950
(DIR) [5] /Oekonomin-Weber-zu-Wirtschaft-unter-Trump/!6047444
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(DIR) [7] /AfD-hetzt-gegen-Hochschulen/!6116589
(DIR) [8] /AfD-hetzt-gegen-Hochschulen/!6116589
(DIR) [9] https://youtube.com/live/Rv0yY-3dkbs
(DIR) [10] /Denkerinnen-zur-Krise-der-Demokratie/!6165833
(DIR) [11] /Vor-der-Landratswahl-in-Sonneberg/!5942513
(DIR) [12] /Forscher-ueber-Einwanderungspolitik/!6068188
## AUTOREN
(DIR) Gareth Joswig
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