# taz.de -- AfD beschließt Wahlprogramme: AfD wählt Ex-Mitglied der NPD-Jugend zum Generalsekretär
       
       > Beim AfD-Parteitag in Mecklenburg-Vorpommern wählen 91 Prozent der
       > Delegierten einen mutmaßlichen Ex-Nazi. Das Wahlprogramm liest sich
       > rassistisch.
       
 (IMG) Bild: Dario Seifert während seiner Bewerbungsrede beim Landesparteitag in Grimmen, Mecklenburg-Vorpommern
       
       Das Qualifikationsprofil von Dario Seifert ist recht eindeutig: Ein
       Neonazi-Trauermarsch 2014, Berichte über [1][enge Kontakte zu den
       „Nationalen Sozialisten Rostock“], zudem eine ehemalige Mitgliedschaft bei
       der NPD-Jugendorganisation Junge Nationaldemokraten (JN): Der 32-Jährige
       kommt aus der Neonazi-Szene und bewegte sich selbst innerhalb der AfD nach
       seinem Parteieintritt [2][stets am rechten Rand]. Im Landesverband
       Mecklenburg-Vorpommern stört das in der AfD offenbar nur noch 8 Prozent. 91
       Prozent wiederum wählten den 32-Jährigen mit Neonazi-Vita trotz
       Unvereinbarkeitsbeschlusses zur NPD zum Generalsekretär des Landesverbands
       – wohlgemerkt ohne Gegenkandidaten.
       
       Innerhalb von Parteien sind Generalsekretäre das Rückgrat der Partei –
       zuständig für viel Parteiarbeit und dabei durchaus einflussreich. Vieles
       geht über ihren Schreibtisch, entsprechend viel Macht birgt die Position.
       
       Dass jemand wie Seifert eine Schlüsselposition in der Landespartei
       einnimmt, lässt tief blicken: Die Personalie konterkariert gewissermaßen
       das smart-moderatere Auftreten des Spitzenkandidaten, Leif-Erik Holm, für
       die Landtagswahl am 20. September. Holm bezeichnete Seiferts
       JN-Mitgliedschaft als „jugendliche Verirrung“, Seifert selbst sprach davon,
       dass „gewisse Sachen“ doch schon lange her seien.
       
       Näher liegt hingegen die Interpretation, dass die rechtsextreme Übernahme
       hier schon vollends abgeschlossen ist. Das unterstrich auch der als
       Gastredner auftretende mächtige Strippenzieher auf Bundesebene, Sebastian
       Münzenmaier, mit seiner Wortwahl: Der Vize-Fraktionschef [3][beschimpfte
       mal eben Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) als „Volksverräterin“]. Für
       Seifert wiederum hatte er herzliche Gratulationen und überschwängliches Lob
       übrig.
       
       ## Radikal und geschlossen
       
       Radikal und geschlossen, so lässt sich das Erfolgsrezept der AfD im Osten
       seit Jahren beschreiben – ein Delegierter scherzte sogar darüber, dass es
       bei der AfD im Nordwesten Verhältnisse wie in „Nordkorea“ gäbe, [4][wie das
       Portal t-online notierte]. Inhaltlichen Streit um das in Grimmen einstimmig
       beschlossene Wahlprogramm gab es entsprechend nicht.
       
       Das Programm liest sich zwar nicht ganz so krass wie in Sachsen-Anhalt,
       aber auch in Mecklenburg-Vorpommern dürfen rechtsextreme Kampfbegriffe wie
       „Remigration“ und der angebliche „Große Austausch“ nicht fehlen. Für
       Asylbewerber soll das „Brot-Bett-Seife-Prinzip“ gelten, ebenso wird gegen
       Muslime gehetzt. Die extrem rechte Partei will große Abschiebegefängnisse
       und eine „eigene Grenz- und Rückführungspolizei“ innerhalb der
       Landespolizei – was wohl nach Trumps ICE klingen soll. Demokratieförderung
       soll eingestellt werden, dazu soll es einen nationalistischen Umbruch in
       Schulen und Kultur geben, der neben allerlei „Deutschtum“ auch ein Verbot
       für das Hissen von Regenbogenflaggen vorsieht.
       
       Energiepolitisch tanzt die AfD nach Putins Pfeife: Nord Stream 2 soll
       wieder in Betrieb genommen werden, Windkraft-Ausbau gestoppt werden. Dafür
       will sie in die Atomkraft wieder einsteigen. Für Arbeiter*innen hat die
       AfD die Kündigung des Tariftreuegesetzes anzubieten. Ansonsten gibt es noch
       allerhand Wahlgeschenke für Familien – [5][deren Finanzierung allerdings
       komplett unklar ist]. Zuletzt lag die AfD bei 36 Prozent und damit zehn
       Punkte vor der SPD-Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, aber deutlich
       unterhalb der absoluten Mehrheit. Die peilt die AfD trotzdem an, indem sie
       als Ziel 45 Prozent ausrief.
       
       ## Wohnungsnot mit Rassismus bekämpfen
       
       Während in Grimmen mehrere dutzend Menschen gegen die AfD protestierten,
       demonstrierte in Brandenburg niemand gegen den Parteitag der AfD Berlin.
       Die tagte in der Mehrzweckhalle Stahlpalast in Brandenburg an der Havel und
       beschloss am Samstag ihr Wahlprogramm. Spitzenkandidatin Kristin Brinker
       gibt sich auch hier bürgerlich anschlussfähig – während das Programm
       radikal und rassistisch ausfällt.
       
       Die AfD-Antwort auf die Berliner Wohnungsnot ist Rassismus: Die
       Landespartei plant ein rechtswidrig wirkendes Punktesystem zur Vergabe von
       öffentlichen Wohnungen: Sie fordert einen „Vorrang für Einheimische“ mit
       einem Punktesystem, das Wohnsitzdauer, Kinderzahl und Beruf berücksichtigen
       soll. Tatsächlich sind [6][Eingewanderte und ihre Nachkommen, egal ob
       deutsch oder nicht], ohnehin schon stark auf dem Wohnungsmarkt
       benachteiligt. Die AfD schürt also weiter Konflikte zwischen innen und
       außen statt oben und unten.
       
       Ansonsten will die AfD neben obligatorischer „Remigration“ mehr Bürgerwehr
       wagen: Immerhin kontrovers wurde hier auf dem Parteitag über eine
       „Bezirkspolizei“ diskutiert – unter anderem für Durchsuchungen und
       Identitätsfeststellungen. Sie solle die Landespolizei entlasten. Nachdem
       ein AfD-Polizist gegen eine „[7][Hilfspolizei in der Strafverfolgung“]
       argumentierte, weil dazu ja mehr als ein „14-Tage-Lehrgang“ gehöre, ging
       der Antrag dennoch durch. Ebenso stimmte die AfD Berlin für mehr
       Fördergelder für ihre Nachwuchsorganisation.
       
       Und während die AfD hierzulande mit autoritären Polizeialternativen
       liebäugelt, reiste der Vize-Bundessprecher Kay Gottschalk nach Porto zum
       sogenannten Remigration Summit. Beim extrem rechten Netzwerktreffen in
       Portugal weilte nicht nur der Chef der rechtsextremen Identitären Bewegung,
       Martin Sellner, sondern auch der ehemalige US-amerikanische
       [8][ICE-Kommandeur Gregory Bovino].
       
       Unter dessen Verantwortung fand in Minneapolis unter anderem die
       Erschießung von Renée Good und Alex Pretti durch die ICE-Truppen statt.
       AfD-Vize-Chef Gottschalk postete ein gemeinsames Foto und schrieb dazu: Er
       habe sich gefreut, den [9][„legendären Bovino“] zu treffen.
       
       31 May 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.nordkurier.de/regional/mecklenburg-vorpommern/afd-bundestagskandidat-war-in-der-rechtsextremen-szene-1160963
 (DIR) [2] https://www.welt.de/politik/deutschland/plus187677232/AfD-Voelkische-Gruppierung-macht-sich-im-Norden-breit.html
 (DIR) [3] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl/unser-land-zuerst-afd-in-mv-beschliesst-wahlprogramm,mvwahl-116.html
 (DIR) [4] https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/innenpolitik/id_101275578/dario-seifert-dieser-ex-neonazi-soll-die-afd-zum-erfolg-fuehren-.html
 (DIR) [5] https://www.ndr.de/nachrichten/mecklenburg-vorpommern/landtagswahl/unser-land-zuerst-afd-in-mv-beschliesst-wahlprogramm,mvwahl-116.html
 (DIR) [6] https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/forschungsprojekte/DE/UMFRAGE_Rass_Diskr_a_d_Wohnungsmarkt.html
 (DIR) [7] https://www.rbb24.de/politik/berlin-wahl-2026/beitraege/afd-parteitag-wahlprogramm-sicherheit-kristin-brinker.html
 (DIR) [8] https://www.nytimes.com/2026/03/24/us/gregory-bovino-border-patrol.html
 (DIR) [9] /ICE-Chef-Gregory-Bovino/!6149155
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Gareth Joswig
       
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