# taz.de -- Konversion zu Rüstungsunternehmen: VW-Werk zu Waffenfabrik? Bloß nicht!
> Von Osnabrück bis Wedding: Aus immer mehr Autostandorten sollen
> Rüstungsbetriebe werden. Aber der Widerstand dagegen wächst.
(IMG) Bild: Kein Panzer, aber auch nicht so viel anders: Mercedes-Benz-Radfahrzeug der G-Klasse bei einer Truppenübung
Die Konkurrenz aus China, der langsame Umstieg auf die E-Mobilität – die
[1][Krise der deutschen Autohersteller] ist offenkundig. Hersteller und
Zulieferer bauen Stellen ab, schließen Produktionsstandorte. Im VW-Werk
Osnabrück etwa läuft die Fahrzeugproduktion Mitte 2027 aus und Volkswagen
verhandelt – unter anderem mit dem [2][deutsch-französischen
Rüstungskonzern KNDS].
Es wäre nicht das erste Mal, dass die boomende Rüstungsindustrie von der
kriselnden Autobranche profitiert. Die Umwidmung von Industriezweigen für
die Waffenschmieden ist mehr als ein Trend.
Gegen das Vorhaben in Osnabrück haben Aktivist*innen eine [3][Petition
„Osnabrück muss Friedensstadt bleiben“] gestartet. Der Titel nimmt Bezug
auf die historische Rolle Osnabrücks – 1648 wurde hier der Westfälische
Frieden zur Beendigung des 30-jährigen Krieges geschlossen. Bis heute
[4][wirbt die Stadt mit diesem Image]. Die Organisator*innen der
Petition halten das nun für gefährdet.
„Wer hier Waffen produzieren will, greift diese Identität direkt an. Was
hier geplant ist, ist nicht einfach ein Eigentümerwechsel – es ist ein
politisches Signal: weg von ziviler Produktion, hin zu militärischer
Aufrüstung“, heißt es in der Petition. „Das dürfen wir nicht hinnehmen.“
Alle Verhandlungen mit Rüstungskonzernen müssten gestoppt werden. Zugleich
fordern die Organisator*innen, dass die Volkswagen AG die 2.300
Arbeitsplätze mit ziviler Produktion erhält.
## Rheinmetall im Berliner Wedding
Die gleichen Ziele verfolgt auch die [5][Zukunftswerkstatt Osnabrück], in
der sich Initiativen und Einzelpersonen zusammengeschlossen haben, um eine
Rüstungsproduktion zu verhindern. Darunter sind auch Kolleg*innen des
VW-Werks. Diese sagen aber auch, dass sie in der Belegschaft nicht die
Mehrheit stellen. „Viele der Beschäftigten haben Angst um ihren
Arbeitsplatz und [6][denken, der würde durch Rüstung gesichert]“, sagt ein
Osnabrücker VW-Arbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.
Für ihn ist es wichtig, zivile Alternativen aufzuzeigen, mit denen
Arbeitsplätze gesichert werden könnten: Wenn es nach den Ideen der
Zukunftswerkstatt geht, sollen unter dem Motto „ÖPNV statt Panzer“ künftig
Bahnen und Busse in dem Werk produziert werden.
Woanders ist die Konversion schon einen Schritt weiter, ohne dass sich die
Proteste gelegt hätten. In Berlin-Wedding ist aus dem ehemaligen
Pierburg-Werk bereits Rheinmetall geworden. Die Umrüstung ist im Gange.
Bald sollten dort Waffenteile hergestellt werden. Doch der Widerstand
wächst.
## Antimilitaristische Aktionstage
Getragen wird er vor allem von Initiativen aus dem Stadtteil. „Wir haben in
Haustürgesprächen die Bewohner*innen informiert, dass Rheinmetall hier
einzieht. Viele waren sehr empört“, sagt Katja von der Initiative „Hände
weg vom Wedding“. Sie will in den nächsten Wochen 5.000 Unterschriften
unter dem Motto „Rheinmetall ist kein guter Nachbar“ sammeln.
Auch das [7][Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion] beteiligt sich an
Protesten gegen die Rüstungsschmiede. Vom 10. bis 12. Juli sind rund um das
Werk antimilitaristische Aktionstage geplant. Neben Kundgebungen und
Diskussionsveranstaltungen in einem Zelt im Park am Humboldthain sind auch
Demonstrationen geplant. Die Antimilitarist*innen hoffen, dass sie
auch in Kontakt mit den Beschäftigten kommen. Das erwies sich bisher als
schwierig.
28 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Krise-der-Industrie-in-Deutschland/!6181687
(DIR) [2] /Kamikazedrohnen-fuer-die-Bundeswehr/!6154490
(DIR) [3] https://www.openpetition.de/petition/online/osnabrueck-muss-friedensstadt-bleiben-kein-einstieg-von-ruestungskonzernen-ins-vw-werk
(DIR) [4] https://friedensstadt.osnabrueck.de/de/
(DIR) [5] https://zukunftswerk-osnabrueck.de/
(DIR) [6] /Ruestungsproduktion-bei-VW-in-Osnabrueck/!6162104
(DIR) [7] https://keinewaffenproduktionberlin.noblogs.org/
## AUTOREN
(DIR) Peter Nowak
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